„Tod den Hippies – Es lebe der Punk!“: West Berlin in den 80ern

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Bild: © Romolo Tavani - Fotolia.com
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In Oskar Roehlers neuestem Streifen erlebt Tom Schilling als junger Punker Robert das ausgeflippte West-Berlin während der 1980er Jahre. Die unterhaltsame Groteske zeigt dabei einige autobiografische Zusammenhänge zu Roehler auf.

„Ich fühl‘ mich gut, ich steh auf Berlin“, sang die Neue-Deutsche-Welle-Band Ideal Anfang der 1980er Jahre. Damals war die Mauerstadt das Eldorado der Ausgeflippten und Unangepassten. Neuerdings wird der Mythos des alten West-Berlin wieder neu beschworen, vor einiger Zeit sogar von Popstar David Bowie in wehmütigen Songs.
 
Auch der deutsche Regisseur Oskar Roehler („Jud Süß – Film ohne Gewissen“) blickt nun zurück – ist aber kein Mann für zarte Nuancen. In seiner neuen, autobiografisch gefärbten Groteske „Tod den Hippies – Es lebe der Punk!“ kehrt das West-Berlin als Tollhaus der Freaks und Spinner zurück. Roehlers Protagonist Robert (Tom Schilling), ein ruppiger Punk aus der Provinz, erlebt die vor sich hin dämmernde Stadt als Ort der Befreiung: „Ich bin jung. Ich will ficken und Drogen nehmen.“

Sein Kumpel Schwarz (Wilson Gonzalez Ochsenknecht) besorgt Robert einen Putzjob in einer Peep-Show. Unappetitliche Sache, aber die Mädels sind süß. Zwischendurch geht’s zum Sozialamt, Geld vom Staat abholen. Der Junge haust in einem engen Loch unter dem Dach, verliebt sich in die flippige Sanja (Emilia Schüle). Im „Risiko“, der Bar von Blixa Bargeld (Alexander Scheer), fließt der Wodka literweise. Einen schwulen Nazi (Frederick Lau) gibt es auch noch.
 
Kurzweilig und stellenweise sehr komisch ist Roehlers überdrehte Fortschreibung seiner Nachkriegs-Saga „Quellen des Lebens“ (2013) auf alle Fälle geraten. Er möchte anecken, böse und geschmacklos sein, produziert aber auch Leerlauf, weil die Aufsässigkeit bisweilen nur eine Masche ist. Aber in diesem Film spürt man auch eine Wut und Lebenslust, die schon besonders sind.
 

Die Schauspieler hat Roehler mit seinem Enthusiasmus auf jeden Fall angesteckt. Der schlaksige Tom Schilling („Oh Boy“) erweist sich dabei als Idealbesetzung für den jungen Robert. Schilling (33) hält immer eine gewisse spöttische Distanz zu der Figur. Auch Ochsenknecht-Sohn Wilson Gonzalez überzeugt als schmieriger Peep-Show-Chef mit fiesem Schnurrbart, Hannelore Hoger darf die dämonische Mutter spielen, und Theaterstar Samuel Finzi vervollständigt dieses urdeutsche Gruselkabinett als abgewrackter, zynischer Alt-68er.Kinokritiken im Überblick
[Johannes von der Gathen/lf]

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2 Kommentare im Forum

  1. AW: "Tod den Hippies - Es lebe der Punk!": West Berlin in den 80ern Und wieder ein Streifen, den ich mir garantiert nicht antun werde (aber das gilt eh grundsätzlich für alle deutschen Filme, Ausnahmen wie "23" bestätigen die Regel) - und dass das wiederum niemanden interessiert ist mir auch klar
  2. AW: "Tod den Hippies - Es lebe der Punk!": West Berlin in den 80ern Ich werde mir den Film ansehen. Der deutsche Film ist in meinen Augen besser als sein Ruf und Tom Schilling halte ich überdies für einen richtig guten Schauspieler. Hinzu kommt die Betrachtung eines Zeitabschnitts, welchen ich zwar nicht als Punk, jedoch bewusst mit erlebt habe. Danke für den Hinweis DF.
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