Anke Engelke hat ab heute „Das letzte Wort“ bei Netflix

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Gerade noch Silberhochzeitsfeier und dann Witwe: In der Netflix-Serie „Das letzte Wort“ stolpert Karla, gespielt von Anke Engelke, nach dem Tod ihres Mannes in eine Karriere als Trauerrednerin.

Anke Engelke ist wahrscheinlich Deutschlands beste Komödiantin, und sie kann nicht nur albern, sondern auch tragisch. In der Netflix-Miniserie „Das letzte Wort“ (seit diesem Donnerstag verfügbar) beweist die 54-Jährige ihr tragikomisches Können in ungewöhnlichem Look – mit rotbraunem Haar. Es geht um ein sensibles Thema: den Tod. Engelke spielt eine Berliner Trauerrednerin, die auch schon mal dem hinterbliebenen Ehemann zuliebe eine laute Blaskapelle engagiert.

Nach dem völlig überraschenden Tod ihres Mannes durch ein Aneurysma im Kopf bricht nach 25 Jahren Ehe für Engelkes Figur Karla Fazius die Welt zusammen. Doch zum Erstaunen ihrer Umgebung findet die bisherige Zahnarztgattin eine Berufung im Trostgeben. Allerdings bricht die neue Trauerrednerin irritierend unbeholfen und manchmal geradezu philosophisch viele Regeln der Bestattungsbranche.

Langsam verliert sie auch die Kontrolle über ihre eigene Trauer und die Familie, als da wären die erwachsene Tochter Judith (Nina Gummich), der pubertierende Sohn Tonio (Juri Winkler) und die eigene Mutter (grandios gespielt von Gudrun Ritter), die schon aus mehreren Pflegeeinrichtungen flog – zuletzt, weil sie mit Medikamenten dealte.

Für Zuschauerinnen und Zuschauer sind die Geschichten über Liebe, Leben, Tod und Trauer ein absurder Spaß. Die sechs Folgen von jeweils etwa 40 Minuten – zusammen also vier Stunden – vergehen rasch.

Die Serienidee, eine außergewöhnliche Trauerrednerin zu porträtieren, geht auf Thorsten Merten zurück. Den Schauspieler kennen Millionen Fernsehzuschauer als Vorgesetzten aus dem Weimar-„Tatort“ oder aus dem „Spreewaldkrimi“ oder zuletzt dem ZDF-Vierteiler „Deutscher“.

Hier spielt er die zweite Hauptrolle. Er mimt den Bestatter Andreas Borowski, dem seine Familie und auch sein Familienunternehmen aus den Händen zu gleiten droht und der mit Karla zusammenarbeitet.

„Ich konnte mich auf das Drehbuch verlassen, eine Geschichte, die Hand und Fuß hat, auf Dialoge, die extrem wahrhaftig sind“, sagt Anke Engelke über die lange vor Corona geplante und gedrehte Miniserie. „Was die Balance angeht von Tragik und Komik, da habe ich eigentlich den Eindruck, dass das in dieser Serie dem Leben entspricht.“

Zur Vorbereitung habe sie auch mit echten Trauerrednern gesprochen, erläutert Engelke. Sie habe dabei viel gelernt. „Als Trauerrednerin, als Trauerredner, hört man zu, weil Menschen überfordert sind mit dem Tod. Da kann man dann unterscheiden zwischen einem plötzlichen, unerwarteten Tod und einem Tod, der sich angekündigt hat. Aber in beiden Fällen sind Menschen überfordert, weil sie von jetzt auf gleich jemanden verloren haben.“ Da brauche wohl jede und jeder erstmal jemanden, der zuhört. „Das ist dann oft gut, wenn das jemand Fremdes ist, dann muss man nicht mit Vorverständnis und Bewertungen rechnen, sondern kann einfach mal alles rauslassen.“

Alles in allem ist eine Bestattungsserie natürlich nichts Neues, man denke an „Six Feet Under – Gestorben wird immer“ aus Amerika oder die schwarzhumorige ZDFneo-Miniserie „Diese Kaminskis – Wir legen Sie tiefer“. Doch bei „Das letzte Wort“ handelt es sich um eine Serie mit Anke Engelke.

Und die kann jede Produktion veredeln – bald auch als knallharte DDR-Devisenbeschafferin „Deutschland 89“ (Start am 25. September bei Amazon Prime Video).[Gregor Tholl]

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