Max Ophüls Festival digital gestartet: Junges deutsches Kino

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Das Filmfestival Max Ophüls Preis präsentiert originelle deutschsprachige Filme von Nachwuchsfilmschaffenden. Die 42. Ausgabe findet in diesem Jahr komplett digital statt.

Eine schwarze Jesus-Statue und die Angst vor dem Fremden. Als ein junger Flüchtling aus Ghana die Bewohner einer südeuropäischen Kleinstadt bittet, mit ihnen gemeinsam die Statue bei einer Prozession durch die Stadt tragen zu dürfen, sorgt das für Ablehnung. Zu groß die Angst, zu hartnäckig die Vorurteile. Mit diesem politischen Stoff, dem Dokumentarfilm „Black Jesus“, eröffnete gestern das 42. Filmfestival Max Ophüls Preis seine erste komplett digitale Ausgabe.

Knapp hundert Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme können diese Woche auf einer eingerichteten Online-Plattform gestreamt werden. Sie vermitteln einen Eindruck von der Vielfalt und den künstlerischen Visionen des deutschsprachigen Filmnachwuchses. Eine Einladung, aufstrebende junge Talente zu entdecken, die die Zukunft des deutschen Films mitbestimmen könnten. Am Ende des Festivals werden dazu mehrere Preise in den einzelnen Kategorien verliehen. Diesjähriger Ehrenpreisträger ist der Regisseur Wim Wenders, welcher auch als Produzent an dem Eröffnungsfilm beteiligt war.

Brisante Themen

Im Wettbewerb Spielfilm läuft unter anderem „Das Massaker von Anröchte“. In der titelgebenden Kleinstadt köpfen hunnische Reiter wahllos Menschen. Ein Kommissar und sein Assistent sollen ermitteln. Verglichen wurde der Film dabei bereits mit den legendär anarchischen Werken Christoph Schlingensiefs. Bestimmendes Thema scheint in diesem Wettbewerbs-Jahrgang auch die Auseinandersetzung mit der Frage, was es bedeutet, im heutigen Deutschland aufzuwachsen. Filme wie „Sami, Joe und ich“ oder „Die Sonne brennt“ widmen sich Freundschaft, Liebe und Zukunftsängsten, erzählen aber auch von Rassismus und Übergriffigkeit, wie im Falle von „Nico“. Eine Berliner Altenpflegerin beschließt darin nach einem Überfall auf sie, nie wieder Opfer sein zu wollen, und beginnt ein Kampfsport-Training.

Der Dokumentarfilm-Wettbewerb verspricht ähnlich brisante Stoffe. „Davos“ widmet sich unter anderem dem alljährlich stattfindenden Weltwirtschaftsforum und der Frage, inwiefern es legitim ist, dass eine Handvoll mächtiger weißer Männer über die Zukunft der Menschheit entscheidet. Der Film „Stollen“ begibt sich derweil in das Erzgebirge, wo man nach der Schließung des letzten Uran-Stollens 1992 um die eigene Identität ringt. Und in „The Case You“ brechen fünf Schauspielerinnen auf einer Theaterbühne ihr Schweigen und erzählen von einem Casting, bei dem es zu sexuellen und gewaltsamen Übergriffen kam.

Jeder Film kostet acht Euro. Alle Filme stehen ab heute bis Sonntag auf der Streamingplattform des Filmfestivals Max Ophüls Preis zur Verfügung. Die Kurzfilme und mittellangen Filme hat man dabei zu Kompilationen zusammengefasst und können gebündelt erworben und geschaut werden. Allerdings steht jeweils nur, wie auch in einem echten Kinosaal der Fall, ein begrenztes Kontingent an Streaming-Tickets zur Verfügung. Weitere Infos und einen Überblick über das gesamte Filmprogramm gibt es auf der Website des Max Ophüls Festivals.

Bildquelle:

  • ffmop: FFMOP

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