Rachethriller mit DDR-Nostalgie neu Netflix: Jella Haase spielt „Kleo“

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Kleo
© Netflix/Julia Terjung

In Filmen wie „Nikita“ oder „Wer ist Hanna“ werden junge Frauen zur Auftragskillerin ausgebildet. Die Netflix-Serie „Kleo“ siedelt diesen Plot in der ehemaligen DDR an. Die Rechnung geht auf.

Für die junge DDR-Agentin Kleo Straub brechen gleich mehrere Welten zusammen: Die Stasi, für die sie feindliche Kräfte liquidiert, hintergeht sie – allen voran der eigene Opa. Und dann geht auch noch der geliebte Sozialismus den Bach runter. Die Netflix-Serie „Kleo“ mit Jella Haase, ab diesen Freitag (19. August) abrufbar, ist ein blutiger Rachethriller mit DDR-Nostalgie.

„Dies ist eine wahre Geschichte. Nichts davon ist wirklich passiert“, heißt es in der ersten von acht rund 50-minütigen Episoden. Kleo ist inoffizielle Mitarbeiterin der Stasi. Genauer genommen: Auftragsmörderin. Ausgebildet von ihrem eigenen Großvater (Jürgen Heinrich). In einem Club in West-Berlin schaltet sie 1987 einen Geschäftsmann aus. Eine weitere Agentin hat es auf dessen roten Koffer abgesehen.

Jella Haase gibt für Netflix die Stasi-Agentin in „Kleo“

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Polizist Sven Petzold (Dimitrij Schaad) vom Betrugsdezernat, der privat im Club feiert, kann allerdings eine Phantomzeichnung erstellen. Der Stasi wird es zu brenzlig, sie zieht die schwangere Kleo deshalb vorsorglich aus dem Verkehr. Unter einem Vorwand wird sie zu lebenslanger Haft verurteilt.

Drei Jahre später: Im Zuge der Verhandlungen zur Wiedervereinigung entlässt die DDR politische Gefangene. Kleo sinnt auf Rache und will die Schuldigen für ihre „Deaktivierung“ finden. Ihr Feldzug ist teils blutrünstig, teils amüsant. Vor allem in den Szenen mit Kommissar Petzold, der sich auf eigene Faust an ihre Fersen heftet und ihrem neuen Mitbewohner Thilo (Julius Feldmeier), ein dauerzugedröhnter Techo-Freak aus dem Westen.

Im Laufe der Geschichte kommt Kleo einem Komplott der Geheimdienste auf die Spur und hinterfragt immer mehr das System, in dem sie aufgewachsen ist und das immer mehr vom kapitalistischen Westen zurückgedrängt wird.

Gelungener deutscher Spionage-Thriller

„Ich arbeite nicht mit dem Klassenfeind zusammen, habe ich zumindest gedacht. Zeiten ändern sich“, stellt die desillusionierte Ex-Agentin in einer Szene fest – und trinkt sogar aus einer Dose Coca-Cola.

jella haase ©obs/ZDF/Berthold Baule
Jella Haase, hier in einer Ausgabe der ZDFkultur-„Masterclass Film über ihre Rolle in „Berlin Alexanderplatz“, spielt in der Netflix-Serie „Kleo“ die Hauptrolle; ©obs/ZDF/Berthold Baule

Die deutsche Netflix-Produktion, aufgrund diverser Mordszenen erst ab 16 Jahren freigegeben, besticht durch einen coolen Retrolook und eine grandios aufspielende Jella Haase (29, „Fack ju Göhte“) in ihrer ersten Serienhauptrolle. Die West-Berlinerin schafft es, dass sich das Publikum mit der vom System enttäuschten DDR-Killerin trotz ihrer Taten solidarisiert.

„Ich habe mir auch am Anfang die grundsätzliche Frage gestellt, wie man so eine Gewalt rechtfertigen kann – gerade in dieser Zeit“, sagte Haase der Deutschen Presse-Agentur. „Ich musste mich in eine Überzeichnung und Überhöhung, in die erschaffene Comic-Welt, erst hineinfinden. Aber dadurch hat es eine ganz andere Farbe bekommen und Spaß gemacht.“

Die drei Schöpfer der Serie, die auch hinter dem erfolgreichen Gangster-Epos „4 Blocks“ stecken, blicken mit einer ordentlichen Portion Galgenhumor auf die deutsch-deutsche Geschichte. Die 29-jährige Haase nennt es eine „skurrile Annäherung an die Vergangenheit“, in der auch Margot Honecker und Erich Mielke eine überraschende Rolle spielen.

[Thomas Bremser]

Bildquelle:

  • df-jella-haase: ZDF
  • df-kleo-netflix: Netflix

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