5G-Streit zwischen Telefónica und United Internet eskaliert

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Nach einer Gewinnwarnung wegen unerwartet hoher Rechnungen ist der Internetkonzern United Internet unter Druck geraten. Dahinter stecken komplizierte Verhandlungen mit Netzbetreiber Telefónica.

Der Kurs des Konzerns aus Montabaur sackte am Montag an der Börse um etwa ein Viertel ab, auch seine Mobilfunk-Tochter Drillisch verlor massiv an Gunst. Am Wochenende hatte das Unternehmen die Gewinnwarnung veröffentlicht, nachdem der Wettbewerber Telefónica deutlich mehr Geld für Mobilfunk-Kapazitäten eingefordert hatte, als United Internet angenommen hatte. Für die Mehrkosten bildete die Firma von Ralph Dommermuth rund 80 Millionen Euro als Rückstellungen.

United Internet/Drillisch und Telefónica sind am umkämpften deutschen Telekommunikationsmarkt Wettbewerber und Partner zugleich. Als Telefónica 2014 mit E-Plus fusionierte, musste es einen Teil seiner Netzkapazitäten vermieten, so wollte es die EU-Kommission – damit sollte der Wettbewerb zu Gunsten des Verbrauchers angekurbelt werden.

Die Firma von Ralph Dommermuth griff als „virtueller Netzbetreiber“ zu – sie hat keine eigenen Funkstationen, darf aber die von Telefónica nutzen. Wie viel Geld United Internet dafür zahlen muss, sorgte schon 2019 für Streit, damals setzte sich Telefónica durch.

Seit 2019 hat sich die Situation für United Internet etwas verändert: Die Firma ersteigerte damals Frequenzen für den neuen Mobilfunkstandard 5G – bis spätestens 2022 muss die Firma 1.000 eigene Sendemasten aufstellen und bis Ende 2025 ein Viertel der Haushalte mit schnellem Internet versorgen. Damit Kunden auch anderswo Handyempfang haben, soll United Internet/Drillisch in Gebieten ohne eigene Anlagen das Netz der Konkurrenz nutzen dürfen – dies wird „Nationales Roaming“ genannt.

Um dieses Roaming zu bekommen, verhandelte United Internet mit den drei Netzbetreibern Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica. Die Gespräche mit der Telekom und Vodafone waren bisher Rohrkrepierer, die Gespräche mit Telefónica liefen besser – mit dieser Firma arbeitet United Internet ja ohnehin schon intensiv zusammen.

Die derzeitigen Netzkapazitätspreise sind eine Art Ausgangsbasis für ein mögliches Nationales Roaming – sollte zum Roaming ein Vertrag abgeschlossen werden, könnten sich dessen Kosten aus den aktuellen Preisen ableiten. Es geht also keineswegs nur um Zahlungen für ein paar Monate, sondern womöglich um eine Preisbasis für die nächsten Jahre – das erklärt die Heftigkeit des aktuellen Streits.

Telefónica betonte als Reaktion auf die Empörung aus Montabaur, die Rechnungen seien korrekt erstellt, die Vertragsdetails seien seit langem bekannt. United Internet prüft nun rechtliche Schritte.

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3 Kommentare im Forum

  1. Vor noch nicht mal 15 Jahren war O2 noch auf nationales Roaming mit der Telekom angewiesen. Die sollten eigentlich wissen, dass ein neues Netz nicht anders aufzubauen ist...
  2. Hmm, die Frage ist, wie viel Erlös Telefonica mit dem Erbringen der Vorleistung zugebilligt werden sollte. Dass für Telefonica das Erbrigen der Vorleistungen ein Verlustgeschäft wird, sollte 1&1 nicht verlangen können .. Auf der anderen Seite sollte aber Telefonica auch keine "Mondpreise" verlangen dürfen ... Wenn die Produkte der 1&1 Marken (Deutschland SIM, Smartmobil usw.) eben nicht kostendeckend sind, sollte man ggfs. an dieser Schraube drehen ...
  3. Nun ja, seit UI auch ein eigenes Netz aufbauen will, ist man natürlich ein heftiger Konkurrent für Telefonica. Und dass man dort dann die 'Samthandschuhe auszieht' und eine härtere Gangart einlegt, sollte eigentlich nicht verwundern.
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