Bisky: Ministerpräsidenten der Länder haben die HDTV-Einführung jahrelang verschleppt

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Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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Berlin/Leipzig – Die Linke erhebt Vorwürfe gegen die Ministerpräsidenten der Länder. Vor diesem Hintergrund sprach DIGITAL FERNSEHEN mit dem Vorsitzenden der Partei die Linke, Lothar Bisky.

Immer mehr Sender in Europa und nun auch in Deutschland kündigen derzeit an, auch in hochauflösender Qualität (HDTV) zu senden. Die spanische Regierung hat gar entschieden, dass TV-Hersteller ab April 2010 in Fernsehgeräte, die größer als 21 Zoll sind, einen hochauflösenden DVB-T-Tuner eingebaut sein muss.
 
DF: Kann in einer schwächelnden Medienwirtschaft hochauflösendes Fernsehen (HDTV) für die Sender ein wirtschaftlich tragfähiges Konzept sein?
 
Lothar Bisky: Die Politik hat die Einführung von HDTV jahrelang verschleppt. Und Politik heißt in diesem Fall: Die für den Rundfunk zuständigen Ministerpräsidenten der Länder. Diese haben das mehr oder minder dem Markt überlassen wollen. Notwendig sind klare zeitliche Vorgaben. Jetzt, in Zeiten der Krise, dürfte es nicht wenigen Sendern schwerfallen, die erforderlichen Investitionskosten aufzubringen. Aber das heißt nicht, dass es unmöglich wäre.

DF: Wie könnte das in Zeiten zurückgehender Werbeeinnahmen aussehen?
 
Lothar Bisky: Die Krise wird nicht ewig dauern. Klare und ausreichende Zeitvorgaben für die Einführung von HDTV würden in Verbund mit dann wiederkehrenden Werbeeinnahmen dafür sorgen, dass sich die Investitionen rechnen.
 
DF: Wäre HDTV auch der Motor der Digitalisierung in Deutschland?
 
Lothar Bisky: HDTV könnte einen nicht unwesentlichen Beitrag zur Digitalisierung leisten. Das zeigen die Erfahrungen in Großbritannien, aber auch in Schweden. Dort hat die Einführung von HDTV-Kanälen zu zusätzlichem Wachstum geführt.
 
DF: Würde Ihre Partei die rasche HDTV-Einführung unterstützen?
 
Lothar Bisky: Ja, insofern die für die Verbraucherinnen und Verbraucher entstehende Notwendigkeit, sich HDTV-Receiver anzuschaffen, sozial abgefedert wird. Das vom US-Congress im Rahmen des Analog-Digital-Umstiegs geschaffene „TV Converter Box Coupon Program“ könnte als Vorbild genutzt werden. Geringverdienende sollten Zuschüsse erhalten, um sich neue Boxen kaufen zu können.
 
DF: Mit Blick auf Europa und die Welt ist Deutschland noch ein HD-Entwicklungsland. Welche Ansätze gibt es aus Ihrer Sicht, den deutschen Zuschauern das hochauflösende Fernsehen rasch zugänglich zu machen?
 
Lothar Bisky: Die breite Mehrheit der Zuschauerinnen und Zuschauer wird sich meiner Meinung nach erst dann für HDTV begeistern können, wenn sie die höhere Qualität der Bilder selbst wahrnehmen kann. Wenn ein verbindlicher Umstellungstermin gesetzt und zugleich sozial abgefedert würde, dürfte die Akzeptanz rasch zunehmen.
 
DF: Sie sind selbst Fernsehzuschauer. Wünschen Sie sich persönlich eine schnelle HDTV-Einführung?
 
Lothar Bisky: Ja, ich habe mich von der Qualität und dem Qualitätsfortschritt hochauflösender Bilder überzeugt.
 
DF: Welcher Verbreitungsweg für HDTV gewährleistet aus Ihrer Sicht beste Empfangbarkeit beim Zuschauer?
 
Lothar Bisky: Grundsätzlich sollte eine Ausstrahlung in HDTV über alle Verbreitungswege erfolgen. Neben Satellit und Kabel sollte auch die Terrestrik Berücksichtigung finden. Für letztgenannte steht mit DVB-T2 ein Standard zur Verfügung.
 
DF: Wäre ein breites HDTV Angebot in Deutschland in der Lage, der Unterhaltungselektronikbranche jetzt neue Impulse zu geben?
 
Lothar Bisky: Das müssen Sie die Unternehmen fragen. Sicher träfe eine Initiative pro HDTV dort nicht auf taube Ohren.
 
DF: Wie kommt HDTV sinnvoll ins Kabel? Brauchen wir einen festgelegten Abschalttermin für das analoge Fernsehen in Deutschland, wenn sich die Marktteilnehmer nicht selbst einigen können?
 
Lothar Bisky: Die USA sind in diesem Falle technologisch beispielgebend. Der US-Congress hat einen Abschalttermin für das analoge Signal gesetzlich vorgegeben.
 
DF: Würden Sie und Ihre Partei einen konkreten Abschalttermin für das analoge Fernsehen nach dem Beispiel der USA unterstützen?
 
Lothar Bisky: Ja! Auch wenn sich in den USA der ursprünglich anvisierte Termin nicht halten ließ und um einige Monate verschoben werden musste, ist das grundsätzlich der richtige Weg. In Berlin hat sich vor Jahren bei der DVB-T-Umstellung gezeigt, dass dies geht.
 
DF: Vielen Dank für das Gespräch![mg]

Das Interview gibt die Meinung des Interviewpartners wieder. Diese muss nicht der Meinung des Verlages entsprechen. Für die Aussagen des Interviewpartners wird keine Haftung übernommen.

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12 Kommentare im Forum

  1. AW: Bisky: Ministerpräsidenten der Länder haben die HDTV-Einführung jahrelang verschl Ähm, in den USA wurde nur die Abschaltung der analog TERRESTRISCHEN Sender beschlossen, sonst nix ! Im Kabel wird auch dort weiter munter analog gesendet, da bestimmt die Politik nichts, das ist Sache der Netzbetreiber. In Deutschland wurde bereits letztes Jahr die Terrestrik weitgehend analog abgeschaltet.
  2. AW: Bisky: Ministerpräsidenten der Länder haben die HDTV-Einführung jahrelang verschl Man kann ja mal HDTV für alle fordern. Es ist doch Wahlkampf.
  3. AW: Bisky: Ministerpräsidenten der Länder haben die HDTV-Einführung jahrelang verschl So ein Schwachsinn, was diese Nase da von sich gibt Geringverdiener sollten zuschüsse erhalten Ich denk Geringverdiener wären froh erstmal in anderen Lebensbereichen Geld zu investieren Ab 2010 wird es dann schon vorwärts gehen, auch das Equipments werden dann billiger werden Gruß
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