BLM-Präsident: „Flexiblere Werbezeiten im TV wären sinnvoll“

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Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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Ende Oktober war Siegfried Schneider, Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM), mit dem Vorschlag vorgeprescht, die Werbezeit-Beschränkungen für die privaten TV-Sender zu lockern, um dem Fernsehen im Wettbewerb mit dem Werbemedium Internet mehr Flexibilität zuzugestehen. DIGITALFERNSEHEN.de sprach mit Schneider über Ansätze, die denkbar wären, um die bestehenden Regelungen zu lockern.

Herr Schneider, derzeit ist die Werbezeit der privaten Fernsehsender auf zwölf Minuten je Stunde beschränkt. In welchem Maße wäre eine Ausweitung der Werbezeiten Ihrer Meinung nach sinnvoll?
 
Siegfried Schneider: Grundsätzlich gibt es in dieser Frage zwei unterschiedliche Ansätze. Einerseits kann man über eine Flexibilisierung bei der Verteilung der Werbezeiten nachdenken, bei grundsätzlicher Beibehaltung der derzeit gültigen Zeitgrenzen. Ein anderer Ansatz wäre es, die zeitlichen Begrenzungen zu lockern bzw. sogar ganz abzuschaffen. Beide Wege sind denkbar und würden die Benachteiligung des Fernsehens gegenüber dem Internet abmildern.

Wäre es Ihrer Meinung nach sinnvoll den Sendern bei der Verteilung der Werbeblöcke mehr Freiheiten zuzugestehen?
 
Schneider: Derzeit geben die Richtlinie über audiovisuelle Mediendienste und der Rundfunkstaatsvertrag einen klaren Rahmen vor. Innerhalb einer vollen Stunde sind nur 20 Prozent Werbung erlaubt. Für die TV-Veranstalter wäre es eine Erleichterung, wenn die Werbung im Umfeld von besonders attraktiven Programmen etwas erhöht werden könnte. Außerhalb von Spielfilmen sind die Veranstalter schon heute sehr frei, was die Platzierung der Werbung betrifft.
 
Glauben Sie, dass eine reine Ausweitung der Werbeblöcke ausreichend ist, um die Attraktivität des Fernsehens als Werbeplattform zu erhöhen oder wäre es generell erst einmal sinnvoller, den Sendern mehr Flexibilität bei der Verteilung der Werbung, etwa auf besonders attraktive Sendeplätze zu ermöglichen?
 
Schneider: Fernsehen ist nach wie vor ein sehr attraktives Werbemedium. Das steht zumindest derzeit völlig außer Frage. Worum es geht, ist, in Zeiten von „Connected TV“ auf einem Bildschirm gleiche Spielregeln zu schaffen.
 
Befindet sich die BLM in Abstimmung mit anderen Landesmedienanstalten, um das Thema der Ausweitung der Werbeblöcke bundesweit auf die Agenda zu setzen? Gibt es bereits konkrete Pläne?
 
Schneider: Innerhalb der Landesmedienanstalten ist der Aspekt der Schaffung gleicher und gerechter Wettbewerbsbedingungen („level playing field“) insgesamt ein Thema, ohne dass dabei die Frage der Werbung im Vordergrund stehen würde. Da die derzeit gültigen Werbe regeln von der EU vorgegeben werden, muss auch jede Änderung zunächst von der EU-Kommission ausgehen. Nun ist die AVMD-Richtlinie seit fast genau fünf Jahren in Kraft. „Connected-TV“ beispielsweise war Ende 2007 noch kein Thema. Ich bin deshalb sicher, dass eine Novellierung der Richtlinie in absehbarer Zeit kommen wird.
 
Vielen Dank für das Gespräch. [ps]

Das Interview gibt die Meinung des Interviewpartners wieder. Diese muss nicht der Meinung des Verlages entsprechen. Für die Aussagen des Interviewpartners wird keine Haftung übernommen.

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33 Kommentare im Forum

  1. AW: BLM-Präsident: "Flexiblere Werbezeiten im TV wären sinnvoll" Mehr Werbung fände ich garnicht schlimm, allerdings sollte auch der Content in Relation dazu stehen!!!
  2. AW: BLM-Präsident: "Flexiblere Werbezeiten im TV wären sinnvoll" Mit anderen Worten, die anderen LMA sehen die Sache zum Glück nicht ganz so, wie Sie Herr Schneider und geben der Lobby nicht so schnell nach. Und hoffentlich entscheidet eines Tages, insofern es dazu kommen sollte, die EU dagegen! Klar wundert einen ihre Aussage nicht, wenn man bedenkt, was alles in München bzw. in Bayern an Sendern ihren Sitz hat...... Alles nur Standortpolitik und typisches Beschwichtigungs Bla Bla.
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