Bundesliga: „Bild“ orakelt über Ausgang der Rechtevergabe

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Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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Die „Bild“-Zeitung hat am späten Montagabend vorzeitig den Ausgang des Wettlaufs um die Pay-TV-Übertragungsrechte der Fußball-Bundesliga ab der Saison 2013/14 prophezeit. Quellen nennt das Blatt nicht und verpackt seine vor der heutigen außerordentlichen Hauptversammlung des Ligaverbands DFL mit zahlreichen Eventualitäten behafteten Mutmaßungen kurzerhand als Tatsache.

Nach Informationen des Blattes wird der Vorstand der Deutschen Fußball Liga am heutigen Dienstagvormittag den 36 Profi-Klubs der ersten und zweiten Liga empfehlen, die Übertragungsrechte im Bezahlfernsehen für die kommenden vier Spielzeiten erneut an Sky zu vergeben. Leer ausgehen würde demnach die Telekom, die sich ebenfalls um den Zuschlag für klassische Kabel- und Satellitenausstrahlungen bemüht und in die zweite Bieterrunde eingezogen war.
 
So fest, wie von dem Blatt mit der Überschrift „Bundesliga weiter bei Sky und Sportschau“ suggeriert, steht die Entscheidung allerdings längst nicht. Auch „Bild“ formuliert im weiteren Verlauf der Meldung weitaus vorsichtiger, es „sei davon auszugehen“, dass sich die Klubs dieser Vorstandsempfehlung bei ihrer entscheidenden Abstimmung anschließen. Nachdem Ligavertreter wie Karl-Heinz Rummenigge von Bayern München in Medieninterviews zuletzt auf Konfrontationskurs mit der DFL gegangen und höhere Erlöse für die Vereine eingefordert hatten, gilt dies keinesfalls als sicher.

Der Ausgang des Rennens zwischen Telekom und Sky Deutschland galt laut Beobachtern in der Schlussphase als völlig offen. Die „Süddeutsche Zeitung“ wollte erfahren haben, dass sich insbesondere bei den Rechten für Web- und Mobil-TV (Netcast II) ein hartes Ringen abgezeichnet hatte. Während die Telekom über die Mobilfunktochter T-Mobile ihren Kunden per „Mobile TV“ weiterhin den Zugriff auf Live-Bilder der Bundesliga per Smartphone und Tablet-PC einräumen wollte, ist bei Sky das mobile Angebot „Sky Go“ eine wichtige Säule in der ortsunabhängigen Nutzung der eigenen Pay-TV-Plattform. 
 
Aktuell kann Sky seinen Abonnenten via „Sky Go“ Live-Bilder aus rechtlichen Gründen ausschließlich per WLAN anbieten, weil die Mobilfunk-Verwertung in Händen der Telekom liegt. Im Zuge der angestrebten Umsatzmaximierung hat die DFL bei der Neuausschreibung strategisch geschickt die für beide Interessenten wichtigen Rechte in ein gemeinsames Paket geschnürt. Die Entscheidung in diesem Bereich wird mit großer Spannung erwartet, da einer der Kontrahenten bei diesem Tauziehen leer ausgehen wird und ihm damit die Grundlage für sein Geschäftsmodell beim mobilen TV-Empfang entzogen wird.
 
Das viel diskutierte „Neue Medien“-Szenario, bei dem anstelle der klassischen Free-TV-Berichterstattung erste Spielzusammenfassungen der Samstagsspiele im Rahmen einer „Internet“-Sportschau ausschließlich online zu sehen wären, hatte sich in den letzten Wochen zunehmend als unwahrscheinlich abgezeichnet. Ob die DFL die Variante aufgrund des öffentlichen Drucks als zu riskant eingestuft oder keine zugkräftigen Gebote aus dem Online-Bereich vorliegen hatte, ist Gegenstand von Spekulationen.
 
Ein offenes Geheimnis scheint dagegen zu sein, dass die Deutsche Fußball Liga künftig mehr Geld auf die Konten der 36 Erst- und Zweitligavereine überweisen kann. Mehrere Bundesliga-Manager äußerten sich dahingehend, dass anstelle der bisher eingespielten 412 Millionen Euro pro Saison künftig ein Betrag von rund einer halben Milliarden Euro aus der innerdeutschen Lizenzvermarktung in die DFL-Kassen fließt.
 
Die Deutsche Telekom, die ebenfalls um die Live-Rechte mitgeboten hatte, soll nach „Bild“-Spekulationen wie bisher nur die Rechte für die IPTV-Übertragung auf ihrer Plattform Entertain behalten. Der „Süddeutschen Zeitung“ zufolge hatte das Gebot von Sky bei bis zu 360 Millionen Euro pro Saison gelegen, 70 Millionen mehr als bisher. Anleger feierten die für den zum Imperium des Medienzars Rupert Murdoch gehörenden Sender vermeintliche Vorentscheidung mit satten Kursgewinnen. Im vorbörslichen Handel bei Lang & Schwarz legten Sky-Titel am Morgen um fast 16 Prozent zu.
 
Belastbare Tatsachen werden am heutigen Dienstagmittag feststehen, wenn der Ligaverband im Anschluss an die entscheidende Sitzung der 36 Ligavertreter vor die Presse tritt, um das Ergebnis der Entscheidung mitzuteilen. Die DFL wollte den „Bild“-Bericht am Dienstagmorgen mit Verweis auf die Mitgliederversammlung am Vormittag in einem Hotel am Frankfurter Flughafen erwartungsgemäß nicht kommentieren. [ar]

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  • Medien_Maerkte_Artikelbild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com

12 Kommentare im Forum

  1. AW: Bundesliga: "Bild" orakelt über Ausgang der Rechtevergabe Gut möglich, dass Sky sich Geld bei O2 und Vodafone abholt, um mit einer strategischen Partnerschaft das magentafarbene T auszustechen.
  2. AW: Bundesliga: "Bild" orakelt über Ausgang der Rechtevergabe o2 gibt jegliche Bestrebungen bzgl. Content gerade auf und Vodafone hat bereits abgewunken. Die hatten die Ligarechte für Mobiles schon mal und haben sie freiwillig wieder abgegeben.
  3. AW: Bundesliga: "Bild" orakelt über Ausgang der Rechtevergabe sollte die telekm ip tv recht behalten ... wäre das mehr als schlecht für sky .... so hätte man noch liga total kunden abgreifen können ... iptv wird immer wichtiger in den nächsten jahren ... drum verstehe ich das nicht so ganz .... naja ich bin gespannt auf die summen ....
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