Corona-Geldflut: Wie vor allem der Staat daran verdient – Kommentar

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Da feierten sich gestern beide Minister heute wieder in einer gemeinsamen Pressemitteilung und übertreffen sich gegenseitig in den Superlativen ihrer Krisenarbeit. Ja, der Mittelstand braucht Hilfe. Für „Corona“ kann er nämlich nix.

Er kann auch nix für das gänzliche Politikversagen am Anfang der Krise, wo die Flieger aus China und dem Iran noch in ganz Deutschland landen und ihre Insassen ohne Kontrollen im Land einreisen durften. Oder für die katastrophale Einkaufspolitik von Schutzkleidung. Jeder Händler muss das in seiner Firma besser machen – sonst würde er auch ohne Corona ganz schnell nicht mehr am Markt sein. Mit der Nachlässigkeit der Politik kam auch der Virus nach Deutschland, an dem sich nun als Krisenkämpfer wunderbar für die politische Selbstinszenierung mit einem süffisanten Lächeln und einer verbalen Bazooka-Spruchmaschine wählerwirksam abarbeiten kann Ja, es geht um hohe Beträge. Aber nein, es sind keine Geschenke.

95 Prozent (!) der Gelder, über die unsere Minister ganz stolz in den Nachrichten reden, sind staatliche Garantien. Geld, das der Staat im besten Falle gar nicht in die Hand nehmen wird. Und Geld, für das der Unternehmer in dieser Krise auch eine Menge bezahlen muss. Deutschland kann sich zu 0 Prozent verschulden, teilweise bekam Deutschland sogar Geld dafür, dass es frisches Geld als Kredit aufgenommen hat. Weitergereicht wird das Geld, das eigentlich keiner haben wollte, für 3 Prozent (!) Verzinsung. So eine Verzinsung erzielt heute keine Bank mehr für investive Darlehen, die sehr gut besichert sind. Und was ist besser besichert als eine 100 Prozentige Ausfallgarantie durch den Staat? Richtig – Nichts, nicht einmal eine Immobilie.

Für ein gesundes Unternehmen, das keinen Kredit benötigt hätte, bringt das Zauberwort Liquidität vielleicht ein kurzes Durchatmen, ist aber dann doch eine enorme Belastung über die nächsten zehn Jahre. Der Umfang der Garantien und Bürgschaften für die Wirtschaft beträgt rund 820 Mrd. Euro, haushaltswirksam werden dagegen nur 50 Mrd. Direkthilfen für Selbständige bis 10 Mitarbeiter als nicht rückzahlbare Zuschüsse ausgereicht. Doch die beinhalten noch nicht einmal einen Unternehmerlohn, sondern kommen nur für laufende Kosten wie Mieten auf.

Ein Schlag ins Gesicht der Menschen, die jeden Tag 12 oder mehr Stunden arbeiten, um über die Runden zu kommen – und jetzt im Zweifel ganz „unbürokratisch“ Grundsicherung beantragen dürfen. Danke, Olaf, Danke Peter. Das macht ihr wirklich super! Das wird jeden einzelnen Unternehmer wirklich motivieren, weiterzumachen, da bin ich mir ganz sicher. Aber eigentlich seid ihr ja nur richtig clever: Nach außen lasst ihr euch als die Retter der Wirtschaft feiern, während ihr genau derselben das Geld als Kredit gebt, dass euch die Unternehmen als Steuern zahlen werden müssen. Zu ein bis drei Prozent verzinst natürlich. Nimmt man das Mittel von zwei Prozent und geht davon aus, dass alle Garantien und Bürgschaften ausgeschöpft werden, dürfen sich Banken und der Staat über ordentliche 16,4 Mrd. Euro Zinsgewinn schon im ersten Jahr der Inanspruchnahme freuen.

Zwei oder gar drei Prozent für eine Einlage für ein Jahr? Mit Zinseszins auch fest für weitere neun Jahre? Mit staatlicher 100 Prozent-Ausfallgarantie? Klar, das kann im Moment ja auch jeder Verbraucher bei der Bank seines Vertrauens erzielen. Absolut marktüblich! Oops- wir natürlich nicht, denn dafür haben die deutschen Politiker gemeinsam mit der EZB und ihrer lockeren Zinspolitik bereits seit Jahren gesorgt. So werden die Deutschen, denen unser Super-Minister-Duo so brachial helfen will, seit Jahren mindestens in Höhe der Inflation kalt enteignet.

Angesichts dieser auseinanderklaffenden schere könnte man fast meinen, dass selbst unsere Rettungsschirm-Minister doch noch ein wenig Anstand haben, und den Unternehmen, die – ich zitiere aus der Pressemitteilung: „rund 35 Prozent des gesamten Umsatzes erwirtschaften und knapp 60 Prozent aller Arbeitsplätze und über 80 Prozent aller Ausbildungsplätze (in Deutschland) stellen“ ein echtes, gutes Hilfspaket anbieten, und kein politisches Feigenblatt für die Schafe, die sie scheren.

Oli Welke würde an dieser Stelle in der „Heute Show“ kurz innehalten, um dann laut loszulachen. Geht in so einem Kommentar natürlich nicht, aber stimmt: Wir reden ja immer noch über Politiker – was ist da schon normal? Ich denke, die beiden feiern jetzt gerade mit dem Corona Kabinett eine Corona Party, im Kanzleramt oder per Videokonferenz, scheiß egal, Hauptsache Party. Denn auf 10 Jahre gerechnet, kommen für die Herren da schon 150 Mrd. Euro zusammen. Das ist wie aus Stroh Gold zu spinnen. Gut, für ein paar Kreditausfälle muss Deutschland schon rechnen, aber gerade im Mittelstand arbeiten sich die Unternehmer buchstäblich eher selber zu Tode, ehe sie „ihre Firma“ in die Pleite gehen lassen.

Und ich denke, das wissen der Olli und der Pit auch. Und diese Unternehmen haben keine Bazooka, noch nicht einmal ein altes Modell von 1942, die sie mal eben auf den Tisch legen können und dafür noch gefeiert werden. Aber das dürfte den Herren Altmeier und dem Scholz in 10 Jahren auch völlig egal sein. Denn dann sind beide schon längst Rentner und erzählen einem alternden Lanz ihre großen Taten, damals im Jahre 2020, als sie mit einer Bazooka den deutschen Mittelstand erschossen haben. Aber egal – die beiden süßen Knuddelbären sind als Schutzschirmkonstrukteure auf jeden Fall der Liebling der deutschen Finanzwirtschaft. Und da gibt es ja auch ein paar Arbeitsplätze zu retten.

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18 Kommentare im Forum

  1. Ist DF nun ein politisches Magazin oder redet man sich in den Kommentar den Frust von der Leber?
  2. DF braucht eben noch diesen Monat 333 neue Abos, um zu überleben. Klappern gehört zum Geschäft!
  3. Das mit den 333 Abos habe ich auch gesehen. Halte ich für unseriös jetzt auf diese Weise um Abos zu betteln.
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