Dagmar Reim: RBB-Programm braucht klareres Profil

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Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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Am gestrigen Donnerstag wurde RBB-Intendantin Dagmar Reim für weitere fünf Jahre an die Spitze des Rundfunk Berlin Brandenburg (RBB) gewählt. Im Interview sprach Reim über ihre Ziele für den RBB, über die große Baustelle im ARD-Vorabendprogramm und die Frauenquote.

Frau Reim, der RBB gehört unter den dritten Programmen zu den Schlusslichtern. Wie wollen Sie den Sender aus dem Quotentief holen?

Dagmar Reim: Ach, diese Schlusslicht- und Quotentief-Debatte trifft nicht den Kern: Es kommt nicht darauf auf an, wer um 0,1 Prozentpunkte die Nase vorn hat, im Sport nennt man das Fotofinish. Es geht hier aber nicht um das Zehntel nach dem Komma, es geht um die Akzeptanz unseres Programms. Der RBB möchte möglichst viele Zuschauerinnen und Zuschauer erreichen – und das schaffen wir auch: Die „Abendschau“ beispielsweise hat äußerst erfolgreiche Wochen hinter sich, mit teils 40 Prozent Marktanteil.

Wir wollen aber mit unserem neuen Programmschema insgesamt klarer und verlässlicher werden. Und das bieten, was unser Publikum sucht und schätzt, etwa noch mehr Dokumentationen. Zugleich experimentieren wir mit mehr regionaler Unterhaltung und kreativen Formaten, geben frischen Ideen Raum und Sendeplatz. Ein neues Design des RBB-Fernsehens rundet das Bild ab. Und nicht zu vergessen: Der RBB macht mehr als Fernsehen. Mit unseren Radioprogrammen erreichen wir mehr Menschen in der Region als jedes andere Medium aus Berlin oder Brandenburg.

Wie soll die ARD mit der Baustelle Vorabendprogramm umgehen?

Reim: Was für den RBB gilt, gilt auch für das Erste: Wir müssen Neues probieren, etwas wagen. „Gottschalk live“ war ein Experiment, das – leider – nicht so funktioniert hat, wie die ARD sich das erhofft hatte. Neue Serien wie „Heiter bis tödlich“ brauchen Zeit, um sich beim Publikum durchzusetzen.

Ich bin aber ebenso wie unsere Unterhaltungsprofis zuversichtlich, dass dies gelingen kann. Auch der RBB wird übrigens bald einen heiteren Krimi aus Berlin im Vorabend des Ersten beisteuern. Darauf freue ich mich. Stillstand im Fernsehen bedeutet Rückschritt, am Vorabend wie zu allen anderen Sendezeiten.

Sie gehören zu den Unterzeichnerinnen des Aufrufs für 30 Prozent Frauen in Führungspositionen der Medien. Bis wann und wie wollen Sie die Quote beim RBB durchsetzen?

Reim: Das ist gar nicht nötig, denn wir übertreffen diese Quote längst – und zwar deutlich: Beim RBB liegt der Frauenanteil in Führungspositionen knapp unter 40 Prozent, im Programm ist er sogar noch höher. Zum Vergleich: Als ich beim RBB startete, waren es rund 23 Prozent. Wir sind hier an der Spitze, nicht nur in der ARD. Junge Mütter arbeiten hier an verantwortungsvoller Stelle, wir teilen Führungspositionen, gestalten Arbeitszeiten – wo möglich – familienfreundlich. Im RBB stoßen Frauen nicht an die gläserne Decke.

Vielen Dank für das Gespräch![dpa/fm]

Das Interview gibt die Meinung des Interviewpartners wieder. Diese muss nicht der Meinung des Verlages entsprechen. Für die Aussagen des Interviewpartners wird keine Haftung übernommen.

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