Deutsche Welle bald auf Türkisch

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Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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Mit einem YouTube-Kanal fängt es an: Die Deutsche Welle plant ein türkischsprachiges TV-Angebot – wobei sich die Suche nach journalistischer Kooperation jenseits des Bosporus als schwierig erweist.

Auf diplomatischer Ebene sind die deutsch-türkischen Beziehungen seit geraumer Zeit belastet: Die Inhaftierung deutscher Staatsbürger, der scharfe Ton aus Ankara – selbst ein pompöser Staatsempfang für Präsident Erdoğan brachte keine Entspannung. Eher das Gegenteil war der Fall.

Auch die zunehmende Einschränkung der Pressefreiheit in der Türkei wird mit Besorgnis betrachtet. Regierungskritische Töne seitens Journalisten führen mittlerweile nicht selten zu deren Inhaftierung und absurd wirkenden Anklagen. Verurteilungen zu langjährigen Haftstrafen sind so im Handumdrehen zum Regelfall geworden. Can Dündar, einst Chefredakteur der regierungskritischen Tageszeitung „Cumhuriyet“, lebt und schreibt zur Zeit im deutschen Exil, weil ihm in der Türkei ein ähnlicher Schauprozess droht. Präsident Erdoğan forderte bei seinem Staatsbesuch zum wiederholten Male die Auslieferung des Journalisten.

Nun wird von der Deutschen Welle ein türkischsprachiges Angebot unter Leitung des Doppelstaatsbürgers Erkan Arikan geplant – startend mit einem YouTube-Kanal und Auftritten in diversen sozialen Medien. Während die journalistische Arbeit in der Türkei zusehends schwieriger wird, könnte so ein Medienangebot jenseits der unmittelbaren Reichweite juristischer Repressalien seitens der AKP-Regierung realisiert werden. Partnerschaften mit in der Türkei ansässigen Portalen knüpfen sich jedoch nur schwierig: Zu groß ist die Angst der Journalisten dort mittlerweile, ins Fadenkreuz der Strafverfolgung zu geraten. Der bisher beim WDR als Gestalter der türkischsprachigen Angebote im Hörfunkprogramm tätige Arikan macht sich dahingehend auch keine Illusionen: „Brücken zu Schlagen“, so zitiert ihn die Deutsche Presse-Agentur, sei derzeit eine „große Herausforderung“.

Für die DW würden eigene Plattformen daher wichtiger. Das geplante Programm soll den politischen Diskurs bereichern und auch die deutsch-türkische Bevölkerung in der Bundesrepublik erreichen. Dabei bleibt abzuwarten, inwieweit die derzeit verhärteten Fronten zwischen Anhängern und Gegnern der AKP-Regierung von Präsident Recep Tayip Erdoğan im Wege stehen beziehungsweise gegebenenfalls aufgelockert werden können.

Rund um den Staatsbesuch war es wiederholt zu Demonstrationen gekommen, in denen die in Deutschland prominent vertretenen Unterstützer des umstrittenen Präsidenten mit Gegnern der Regierung und Gegendemonstranten aus dem kurdischen Lager kollidiert waren.

Erkan Arikan wird seine Arbeit an dem Programm des deutschen Ausslandssenders in türkischer Sprache zum 1. November antreten. [red/dpa]

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