DI der Woche: EU-Kommission diskutiert über Frequenzhandel

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Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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Auf die Bundesrepublik wird das leidige Thema Frequenzhandel wieder zukommen. Die EU-Kommission hat das sogenannte Radio Spectrum Policy Programme (RSPP) verabschiedet, mit dem die Nutzung von Frequenzen besser koordiniert werden soll.

Der Mobilfunkdatenverkehr soll laut Brüssel bis 2015 jährlich um 26 Prozent zunehmen. Die effiziente Nutzung der Frequenzressourcen soll daher mit dem auf fünf Jahre angelegten RSPP sichergestellt werden. Dahinter stecken wirtschaftliche Interessen. Die europaweit rund 3,5 Millionen Beschäftigten im Funkfrequenzsektor erwirtschaften ungefähr 250 Milliarden Euro pro Jahr. Nicht zu verachten sind zudem die jährlichen Steuereinnahmen von 130 Milliarden Euro. Dementsprechend groß ist Brüssels Interesse an einem weiterhin florierenden Markt.

Die EU will unter anderem den Frequenzhandel zwischen Nutzern für mehrere harmonisierte Frequenzbänder, darunter auch das 800-MHz-Band, ermöglichen. Bis es aber tatsächlich zu einem Frequenzhandel kommt, will Brüssel zusammen mit den Mitgliedsstaaten bis Mitte des nächsten Jahres Einzelheiten für eine Bestandsaufnahme festlegen, mit der die Effizienz der Frequenznutzung im Bereich von 400 MHz bis 6 GHz in der EU analysiert werden kann. Auf Basis dieser Analyse sollen weitere Maßnahmen zur koordinierten Zuweisung von Frequenzen für spezielle Anwendungen wie drahtlose Breitbanddienste gefällt werden.

Doch bereits jetzt werden erste Schritte in Richtung eines Frequenzhandels eingeleitet. Neelie Kroes, verantwortliche EU-Kommissarin für die Digitale Agenda, präsentierte unlängst Pläne zur Förderung von Funktechnologien, die eine gemeinsame Nutzung von Frequenzen ermöglichen. Kroes will einen Frequenzbinnenmarkt schaffen und dazu auch die nationalen Regulierer in die Lage versetzen, Technologien zur gemeinsamen Frequenznutzung fördern zu können. Ziel ist, die Kapazitäten der Mobilfunknetze zu erhöhen, um neue Märkte, zum Beispiel für Sekundärrechte im Rahmen der Frequenzzuweisung, entstehen zu lassen.

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6 Kommentare im Forum

  1. AW: DI der Woche: EU-Kommission diskutiert über Frequenzhandel Frage an DF: Was ist an dem Thema "leidig"?
  2. AW: DI der Woche: EU-Kommission diskutiert über Frequenzhandel Eine stärkere Frequenzkoordination ist dringend geboten. Ich habe mich an anderer Stelle bereits kritisch mit dem Gejammere der TV-Industrie auseinandergesetzt, die ob der Reduzierung des für TV nutzbaren Bereichs schon das Ende des terrestrischen TV an die Wand malt.
    Hintergrund ist die bereits umgesetzte Nutzung der bisher dem TV ausschließlich zugewiesenen Bereiche oberhalb von 800 MHz (früher: TV-Kanäle K61-K69)für Mobilfunkdienste sowie die geplante Nutzung oberhalb von 700 MHz (= ab Kanal K52) und damit der "Umzug", der auf diesen Frequenzen operierenden Sender. Wenn es nach mir ginge, könnte der dem terrestrischen TV zugewiesene Bereich noch stärker beschnitten werden. Angesichts des Umstandes, dass rund 90 % TV via SAT oder Kabel sehen, ist die Größe des DVB-T zugewiesenen Bereichs Verschwendung. Wie man dem Beitrag entnehmen kann, ist der Mobilfunksektor ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, weshalb er Brüssel sehr am Herzen liegt. Aber ich sehe jede Einmischung (= Remglemtierung) durch Brüssel grundsätzlich skeptisch, denn Geld ist nicht alles! So lange Mobilfunkunternehmen Handynutzer als Melkkuh zur "Optimierung" ihrer Gewinne betrachten, werde ich mich der Nutzung von anderen Diensten als Telefonieren weiterhin verweigern. Mir sind die Gebühren z.B. für Internet viel zu hoch. Es wird z.B. Zeit, endlich den 2,4-GHz-Frequenzbereich für die Nutzung von WLAN deutlich auszuweiten. In Berlin wird stadtweit ein kostenloses WLAN-Netz mit Hilfe von Kabel Deutschland aufgebaut. In welchem Frequenzband? Im 2,4-GHz-Band? Dann wird es in dieser Millionenstadt aber künftig noch sehr viel mehr Störungen als bisher schon geben. Doch auch anderenorts, nicht nur in den großen Städten, ist dieser Frequenzbereich inzwischen hoffnungslos überbelegt. Ein 300 MBit-WLAN belegt das halbe Frequenzband. Gegenseitige Störungen sind so vorprogrammiert. Die Folge: von der theoretisch nutzbaren Bandbreite kann -störungsbedingt- noch weniger genutzt werden. Da könnte man sich auch eines der älteren leistungsschwächeren -aber deutlich preiswerteren- WLAN-Modelle kaufen. Ferner nutzen auch andere Geräte das 2,4-GHz-Band. Sehr viele WLAN-Geräte sind nur für das 2,4-GHz-Band ausgelegt. Ein Ausweichen auf das ebenfalls nutzbare 5-GHz-Band ist nicht möglich. Dieses Band wird jedoch auch von militärischen Stellen genutzt und diese genießen Vorrang, so dass es unter Umständen zu spontanen -ungewollten- Frequenzwechseln des Routers mit kurzzeitigen Ausfällen für diese Zeit kommen kann. Inzwischen nutze ich wieder weitgehend LAN, um für alle Geräte eine dauerhaft hohe Bandbreite zu gewährleisten. Powerline ist kürzlich hingekommen.
  3. AW: DI der Woche: EU-Kommission diskutiert über Frequenzhandel "Leidig" sind hierzulande offenbar Themen, bei denen man mal seinen Verstand einschalten muss (was nicht zwingend auf diesen Beitrag bezogen ist:winken! Themen, die mit Arbeit verbunden ist! Oder unangenehm sind. Gerade das Thema "Frequenznutzung" (ich spreche bewußt nicht von "Frequenzhandel"!) wird hierzulande noch viel zu stiefmütterlich, viel zu träge diskutiert. In meinem anderen Beitrag habe ich das an den Bereichen - terrestrisches TV und - WLAN bereits skizziert. Das Gleiche gilt jedoch auch für Mobilfunk, der in den vergangenen Jahren enorm an Bedeutung gewonnen hat. Daher war die Ausweitung des hierfür nutzbaren Frequenzspektrums zwingend (siehe "Digitale Dividende"). Ähnlich wird es in einigen Jahren auch beim SAT-Empfang aussehen. Bereits heute werden für SAT-TV nutzbaren Bereiche bis an die Kapazitätsgrenzen genutzt. Und der "Appetit" auf neue Sender steigt. Hinzu kommt, dass immer Sender ihre Angebote in HD anbieten, wodurch mehr Kapazitäten gebunden werden (vielleicht bessert es sich mit dem geplanten Nachfolgecodec für "H.264", der Anfang 2013 kommen soll). Ein Beispiel im SAT-Bereich ist der jüngst entbrennende "Frequenzkampf" auf 28.2/28.5° Ost zwischen Astra und Eutelsat. Doch auch in anderen Weltregionen wird dieser Kampf irgendwann beginnen. Späestens wenn das TV-Angebot in aufstrebende Ländern wie Indien oder Indonesien mit zusammen rund einer Milliarde Menschen sich ähnlich rasant entwickeln wird... Gleiches dürfte sich auch anderenorts ereignen...
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