Die Nations League: Eine Liga nur fürs Fernsehen – Kommentar

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Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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Mit der Nations League führt die UEFA ab 2018 einen neuen Fußball-Wettbewerb ein, bei dem die Nationalmannschaften wie in der Champions League gegeneinander antreten. Die Motivation hinter der Liga ist dabei kaum sportlicher Natur. Vielmehr geht es um die TV-Vermarktung der Länderspiele, mit der auf diesem Wege noch viel mehr Geld verdient werden soll.

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Für die Fußball-Welt ist es eine Revolution: Die Europäische Fußball-Union UEFA hat am heutigen Donnerstag auf einem Kongress im kasachischen Astana die Schaffung einer sogenannten Nations League, also einer Nationen-Liga beschlossen. Diese neue Liga, an der die europäischen Nationalmannschaften teilnehmen, soll die bisherigen Testspiele weitgehend ersetzen. Die Finalrunden sollen jeweils in den Liga-Sommerpausen ausgetragen werden, in denen keine WM oder EM stattfindet.

Innerhalb der Nations League wird es vier Divisionen (A bis D) geben, wobei in Division die stärksten Teams spielen werden (darunter natürlich Deutschland) und in Division entsprechend die schwächsten. Die Einteilung der Nationen wird dabei über den UEFA-Koeffizienten ermittelt. Innerhalb der einzelnen Divisionen werden dann ähnlich wie bei der Champions League vier Gruppen mit drei bis vier Teams gebildet. Die Gruppenphasen starten jeweils im Herbst vor der Finalrunde. Erstmals soll die Nations League im Herbst 2018 starten. Der Beginn der EM-Qualifikation wird dafür um ein halbes Jahr nach hinten verschoben.
 
Laut Argumentation der UEFA soll die Nations League den Wettbewerbsgedanken in die Länderspiele zurückbringen, der bei den zahlreich ausgetragenen Freundschaftsspielen fehlen würde. Was der Verband dabei als eine sportliche Aufwertung der Länderspiele verkauft, dürfte allerdings in Wahrheit vor allem kommerzielle Gründe haben. Denn die Einführung einer solchen Liga wäre vor allem aus finanzieller Sicht für die UEFA und ihre Verbände attraktiv. Der Grund sind die TV-Rechte, für welche die Fernsehsender immer höhere Summen locker machen. Im Vergleich zu Einzel-Testspielen gegen teilweise unterklassige Gegner könnten mit einer Nationen-Liga durch eine zentrale Vermarktung der UEFA, ähnlich wie bei Champions- und Europa League, wesentlich höhere Einnahmen aus dem Verkauf von TV-Rechten generiert werden. Darum ist klar: Die Nations League, dass ist ein Wettbewerb, der in erster Linie fürs Fernsehen ins Leben gerufen wird – ein Kniefall der UEFA vor den Fernsehsendern.
 
Sportlich sinnvoll ist die Liga  hingegen kaum. So kommen auf die Fußballer durch einen weiteren Wettbewerb noch mehr Pflichtspiele zu als ohnehin schon. Kritik kam am heutigen Tage daher unter anderem von der Deutschen Fußball Liga (DFL). „Insbesondere in der Endphase der nationalen und internationalen Club-Wettbewerbe sind Vereinen und Spielern zusätzliche Belastungen nicht zumutbar“, meinte DFL-Präsident Reinhard Rauball. Zudem droht dadurch auch eine indirekte Abwertung der Qualifikationsrunden für WM und EM. Ja sogar die Welt- und Europameisterschaften selbst dürften sicherlich von ihrem besonderen Charakter einbüßen, wenn Teams wie Deutschland und Frankreich im Jahrestakt gegeneinander um Titel spielen.
 
Doch die Aussicht auf mehr Geld durch TV-Vermarktung hatte für die Verbände offenbar eine größere Anziehungskraft, als die Bedenken und so stimmten die UEFA-Mitglieder am Donnerstag dann aucheinstimmig für die Nationen-Liga. Bereits im Herbst 2013 hatte die „Sport Bild“ berichtet, dass dem DFB anstatt vier Millionen Euro Einnahmen aus einem Heimspiel mit der Nations League bis zu zehn Millionen Euro winken würden.
 
Wie eng derartige Pläne mit der Idee zur TV-Vermarktung verknüpft sind, zeigten übrigens die im Juni 2013 von TV-Mogul Rupert Murdoch formulierten Pläne für ein Extra-Turnier für europäische Top-Clubs in der Sommerpause. Die Partien sollten dabei natürlich am besten exklusiv auf den Pay-TV-Sendern von Murdochs Mediengruppe 21st Century Fox laufen. Dank der Nations League könnten die Träume des Australiers nun schneller wahr werden als gedacht. Murdoch muss sich nur noch die Übertragungsrechte sichern und die dürften teuer werden. [Patrick Schulze]

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  • Medien_Maerkte_Artikelbild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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23 Kommentare im Forum

  1. AW: Die Nations League: Eine Liga nur fürs Fernsehen - Kommentar Es geht in den oberen Ligen und der Nationalmahnschaft schon lange nur um Geld.
  2. AW: Die Nations League: Eine Liga nur fürs Fernsehen - Kommentar Ich dachte 2018 ist Fussball WM?
  3. AW: Die Nations League: Eine Liga nur fürs Fernsehen - Kommentar Die sollen sich lieber darum bemühen richtigen Fussball bei den Olympischen Spielen einzuführen, siehe am Bespiel Basketball dort wurde der Wettbewerb durch die Zulassung der Profis auch viel attraktiver.
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