Digitale Dividende: Nutzen in Österreich laut Studie zweifelhaft

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Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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Wien – Durch die Abschaltung des analogen Fernsehens im Rahmen der TV-Digitalisierung werden Rundfunkfrequenzen frei. Eine Studie sieht die Umwidmung in Österreich aber als riskant an.

Mögliche Nutzer des frei gewordenen Frequenzspektrums sind die Rundfunkbranche, die diese Frequenzen für die Weiterentwicklung ihrer Services benötigt, und die Mobilfunkbranche zum Ausbau von mobilem Breitbandinternet. Ungeklärt sind erhebliche Umstellungskosten und das massive Störpotenzial durch den Mobilfunk für das Fernsehen sowie für alle in Verwendung stehenden Funkmikrophone, Funkkopfhörer und drahtlose Hörhilfen, die in Österreich ebenfalls das Frequenzband von 790 bis 862 MHz nutzen.
 
Eine nun erstmals für Österreich erstellte volkswirtschaftliche Vergleichsstudie zeigt auf, dass eine frühzeitige Umwidmung der Frequenzen vor Sicherstellung zukunftsfähiger alternativer Lösungen für alle heutigen Nutzer sehr riskant ist, berichtet die ORS (Österreichische Rundfunksender GmbH & Co KG). Umrüstungskosten für die betroffenen Branchen in Höhe von zumindest 150 Millionen Euro seien zu erwarten.
 
Die aktuelle Studie des Telekomexperten Dr. Ernst-Olav Ruhle im Auftrag von Rundfunkanbietern, Kabelnetzbetreibern und Sekundärnutzern der professionellen Drahtlostechnologie untersucht die volkswirtschaftlichen Auswirkungen einer Vergabe der Digitalen Dividende für Österreich. Das Frequenzspektrum 790 bis 862 MHz wird einerseits von der Rundfunkbranche für den Ausbau des hochauflösenden Fernsehens HDTV, für die Weiterentwicklung von DVB-T zu DVB-T 2 und für alle mobilen Lösungen des Fernsehens für Handy und im Auto benötigt. Andererseits fordert es die Mobilfunkbranche für den Ausbau von mobilem Breitband. Weiterhin betroffen seien alle, die das Frequenzband heute nutzen: Kultur- und Sportveranstalter und Tonstudios, die Funkmikrophone und Funkkopfhörer verwenden, sowie die Träger von drahtlosen Hörhilfen.
 
Mit einer möglichen Vergabe der Frequenzen an den Mobilfunk wären ein drastisches Störpotenzial und erhebliche Umstellungskosten verbunden. Funkmikrophone, Funkkopfhörer und drahtlose Hörhilfen würden auf anderen Frequenzen nicht mehr funktionieren und müssten neu entwickelt werden. Auch die Rundfunkbranche und Kabelnetzbetreiber wären von massiven Störungen des TV-Bilds durch eine Vergabe der Frequenzen an den Mobilfunk betroffen.
 
Zwar gelte der Grundsatz, dass ein derart wichtiger Produktionsfaktor für die Volkswirtschaft nicht brachliegen darf, aber eine sinnvolle Entscheidung könne nicht getroffen werden, ohne dass alle möglichen Effekte auch in anderen Frequenzbereichen und für andere Dienstleistungen so berücksichtigt werden, dass neutral entschieden werde.
 
Gerade in Österreich wäre der volkswirtschaftliche Nutzen durch eine Umwidmung der Frequenzen zugunsten des Mobilfunks jedenfalls nicht höher als bei einer Nutzung durch den Rundfunk, so die Studie. Hohe Investitionen in mobiles Breitband über Rundfunkfrequenzen bergen in Österreich auf längere Sicht das Risiko einer Fehlinvestition, da vom eigentlichen Thema des Glasfaserausbaus abgelenkt wird und sich die Kluft zwischen Stadt und Land dadurch nur weiter erhöhen würde. [fp]

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  • Medien_Maerkte_Artikelbild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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