Flatrate-Sterben: Tempolimit auf dem Datenhighway

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Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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Als die Deutsche Telekom vor einigen Monaten die Drosseldiskussion losstieß, war das Thema Netzneutralität in der Öffentlichkeit angekommen. Das Ende der Flatrate wurde heraufbeschworen. Die Politik reagierte hektisch mit einer bislang nutzlosen Verordnung. Doch das Dilemma deutete sich bereits viel früher an.

Vor fünf Jahren berichtete DIGITAL INSIDER über den explodierenden Datenverkehr. Und schon damals war klar, wer der Hauptverursacher dieses Anstiegs ist: Online-Videos. Daher ist es kein Wunder, dass bereits 2008 Rufe nach Milliardeninvestitionen in den Netzausbau laut wurden.

Passend zum drohenden Kollaps kündigte seinerzeit der US-Kabelnetznetzbetreiber Time Warner Cable an, zur Abrechnung der jeweils vom Nutzer verbrauchten Datenmenge zurückzukehren. Time Warner argumentierte, dass fünf Prozent der Nutzer 50 Prozent des Internet-Traffics erzeugen. Eine ähnliche Schieflage findet heute auch die Telekom in ihren Netzen vor. Und die ist nicht neu. „Unsere Zahlen zeigen ähnliche Tendenzen wie bei Timer Warner Cable“, erklärte damals ein Unternehmenssprecher gegenüber DIGITAL INSIDER, wenngleich er einräumte, dass eine Rückkehr zur Datenabrechnung nicht realistisch sei.

Schon damals wurde darüber diskutiert, ob beispielsweise zeitkritischen Diensten im Internet Priorität eingeräumt werden solle. Es bedurfte jedoch eines TK-Riesen wie der Telekom, um die Diskussion zur Netzneutralität richtig ins Rollen zu bringen. Inzwischen geht es nicht mehr nur um die Frage, ob alle Daten gleich behandelt werden sollen, sondern auch darum, ob man es Netzbetreiber erlauben soll, aus der Breitbandknappheit Kapital zu schlagen. Es bleibt zu hoffen, dass die neue Regierung zur Diskussion um die Netzneutralität von überhasteten Schnellschüssen ablässt und stattdessen Nägel mit Köpfen macht.

In der Rubrik DIGITAL INSIDERvor 5Jahrenblickt dieRedaktiondes Branchendienstes einmal imMonat aufThemenzurück, dieseinerzeitdie Branche bewegt haben.WährendmancheEntwicklungen bisheute nichtsvon Ihrer Relevanzeingebüßthaben,entlarvt unsereRückschau auchTotgeburten undverfehlteErwartungen.Den DIGITALINSIDER können Sieunter diesem Link abonnieren.DIGITAL INSIDER vor 5 Jahren
[mh]

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35 Kommentare im Forum

  1. AW: Flatrate-Sterben: Tempolimit auf dem Datenhighway So einen Blick, fünf Jahre zurück zu werfen, ist doch immer wieder interessant, finde ich. Aber eine Frage an den Autor "mh" hätte ich doch. Was versteht jener unter
  2. AW: Flatrate-Sterben: Tempolimit auf dem Datenhighway Schade, dass der Autor nicht recherchiert hat - deshalb nochmals zum mitschreiben: Es gibt keinen Kollaps! Es gibt hingegen genügend Statements der Backbone-Betreiber, dass mehr als genügend Kapazitäten zur Verfügung stehen. Zitat (http://www.golem.de/news/routeranbieter-viprinet-telekom-luegt-bei-begruendung-fuer-flatrate-abschaffung-1304-98939.html): Der deutsche Hersteller von Business-Internetroutern Viprinet wirft der Deutschen Telekom falsche Aussagen bei der Abschaffung der Flatrate vor. "Die Begründung, dass die Drosselung eingeführt werde, damit die Backbones nicht überlastet werden", sei unglaublich, so Viprinet-Geschäftsführer Simon Kissel. "In Deutschland gibt es gigantische Backbone-Überkapazitäten", der Datenverkehr sei dort zu Spottpreisen zu realisieren. "Bei einem DSL-Zugang macht das in der Gesamtkalkulation des Providers nur Cent-Beträge aus." Viprinet sieht seinen Heimatmarkt Deutschland und den dortigen Breitbandausbau massiv gefährdet. --- Der Grund für diese Drosselung ist also maximal die Gier nach Geld, nichts anderes. Dass die Politik nicht reagiert - insbesondere im Fall der Telekom, die das Netz quasi nach dem Fall des Monopols geschenkt bekommen hat - ist ein Armutszeugnis. Offenbar rangiert Deutschland nicht ohne Grund auf den hinteren Plätzen, was die Nutzung des Internet angeht.
  3. AW: Flatrate-Sterben: Tempolimit auf dem Datenhighway Drosselcom will zusätzlich abzocken weil man sich im Ausland verzockt hat. Das ist doch hinlänglich bekannt. Alles andere ist bekanntermaßen vorgeschoben.
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