Frauenmangel: Männer dominieren Russlands Raumfahrt

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Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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Russischer Frauenmangel im All: Während die USA regelmäßig Astronautinnen gen Himmel schießen, fehlt Moskau der weibliche Nachwuchs. Dabei war die erste Frau im Weltraum 1963 eine Russin. Für Gagarin waren Kosmonautinnen „Amazonen des Alls“. Das scheint vorbei.

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50 Jahre nach dem legendären Raumflug von Juri Gagarin ist in Russland die Reise zu den Sternen reine Männersache. „Uns fehlen Kosmonautinnen“, klagt Vitali Dawydow von der Raumfahrtbehörde Roskosmos. Hinter dem Mangel vermuten Fachzeitungen in Moskau aber nicht nur eine „fehlende Technikbegeisterung“ bei Frauen. Vielmehr herrsche oft „männlicher Chauvinismus“, heißt es.
 
Als bisher letzte Russin flog Jelena Kondakowa ins All – das ist schon 14 Jahre her. Eine Nachfolgerin ist nicht in Sicht: Derzeit bildet Roskosmos zahlreiche Männer, aber keine einzige Frau aus. „Es melden sich keine Kandidatinnen“, sagt Dawydow dazu. Er räumt ein: „Für raumfahrtinteressierte Russinnen gibt es kaum Vorbilder“. Denn: Moskau schoss bisher zwar über 100 Männer ins All – jedoch nur drei Frauen. Ähnlich trist sieht es beim europäischen Raumfahrtprogramm aus. Anders handhaben es die USA, die seit ihrer Premiere 1983 schon Dutzende Frauen im Nasa-Raumanzug in den Orbit geschickt haben.

„Wirkliche Fürsprecher in Moskau hatten Kosmonautinnen nie“, kommentiert der Rundfunksender Echo Moskwy und nennt ein Beispiel: Als russische Forscher 1966 vor einem Testflug die Wahl haben zwischen zwei Hunden und zwei Kosmonautinnen als Passagiere, entscheiden sie sich – für die Hunde. Die Vierbeiner Weterok und Ugoljok überstehen die 22 Tage im All unbeschadet.
 
Der deutsche Raumfahrtexperte Oliver Knickel meint, dass bei Frauen auch der Kinderwunsch einer Astronauten-Karriere im Weg stehen kann. „Die Ausbildung dauert acht Jahre, das fördert bei Frauen um die 30 sicher nicht das Interesse an diesem Beruf“, sagt Knickel. „Frauen in der Raumfahrt müssen mehr Opfer bringen als Männer“, meint auch John Clark, Arzt bei der US-Raumfahrtbehörde Nasa. „Eine Astronautin balanciert ständig zwischen Beruf und Familie“. Clarks Frau Laurel stürzte 2003 mit dem Spaceshuttle Columbia in den Tod.
 
„Mütter sollten aber nicht in den Weltraum fliegen, der Verlust bei einem Unfall wäre zu groß“, sagte Gagarin einmal, für den Frauen „Amazonen des Alls“ waren. Befürworter und Gegner von Kosmonautinnen halten sich heute im russischen Internet die Waage. „Für eine Eroberung des Weltalls sind alle menschlichen Qualitäten nötig: die der Männer und die der Frauen“, schreibt ein User. „Frauen am Steuer eines Raumschiffs? Bitte nicht, die können doch schon auf der Erde nicht einparken“, meint dagegen ein anderer ironisch.
 
„Frauen sind bestimmt keine schlechteren Raumfahrer“, sagt „Privatastronautin“ Sonja Rohde aus Hagen (Nordrhein-Westfalen) der Nachrichtenagentur dpa. Die 36-Jährige erwarb für 200 000 Dollar (144 000 Euro) ein Ticket beim Raumflugprojekt des US-Milliardärs Richard Branson und hat gute Aussichten, die erste deutsche Frau im All zu werden. „Anders geht es derzeit wohl nicht“, meint die Diplomkauffrau. Dabei inspirierten weibliche Raumfahrer schon Filmpionier Fritz Lang: In „Frau im Mond“ (1929) präsentierte er die Sternreisende „Friede Velten“ als tatkräftige und der Technik aufgeschlossene Frau.
 
Im Kalten Krieg war der Flug von Valentina Tereschkowa am 16. Juni 1963 auch ein politischer Triumph für die Sowjetunion. Immerhin hatte Moskau damit nach dem ersten Flugkörper (Sputnik, 1957) und dem ersten Mann (Gagarin, 1961) auch die erste Frau ins All geschickt. Einen „Beweis für die Gleichberechtigung der Geschlechter im Sozialismus“ nannte Kremlchef Nikita Chruschtschow den Flug. In der Praxis sah das anders aus: Tereschkowa blieb bis zur Mission von Swetlana Sawizkaja 1982 zwei Jahrzehnte lang die einzige Frau im All.
 
Den nächsten Start einer Sojus-Raumkapsel hat Roskosmos übrigens auf den 14. November festgelegt. An Bord sind dann – drei Männer. [Wolfgang Jung]

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2 Kommentare im Forum

  1. AW: Frauenmangel: Männer dominieren Russlands Raumfahrt Die meisten US-Astronautinnen können keine Kinder mehr bekommen. Weil sie einfach so alt sind. Die Astronauten sind auch gleichen alters, weil einfach keine 18 Jährige Kinder ins All kommen. Der Grund ist eigentlich ganz simpel: Zur NASA kommt man nur übers Militär. Und das ist bei den Russen genauso. Zudem wollen die Russen keine Frauen im Militär haben. Aus ähnlichem Grund sind Astronauten auch nicht öffentlich homosexuell. Mit Familienplanung hat das nicht mal im geringsten was zu tun.
  2. AW: Frauenmangel: Männer dominieren Russlands Raumfahrt Die Russen sind viel cleverer als die Amis. Die bilden keine Kosmonautinnen aus, sondern lassen Weltraumtouristinnen aus den USA für 20 Millionen Dollar ins All mitfliegen. Statt teurer Ausbildung und nur Kosten, bringen Frauen den Russen fette Dollars und sehen meist noch gut aus und bespaßen die Männer da oben optisch.
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