Fußball-EM: Zwischen Willkür, Experten-Kritik und Jubel-Schreien

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Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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Mit dem Sieg der Portugiesen ist die Fußball-EM am Sonntag zu Ende gegangen. Was bleibt sind Erinnerungen an den großen Jubel der Sieger, die Willkür der UEFA, die nur zeigt, was sie will, und jede Menge Kritik an Experten.

Die Fußball-EM hat wie erwartet für Topquoten im Fernsehen gesorgt. In Deutschland wurde die magische Marke von 30 Millionen nur knapp verfehlt, beim Finale am Sonntag war dann etwas die Luft raus. In Frankreich brachte das Endspiel hingegen zwei Rekorde. Die Übertragungen lieferten jede Menge Gesprächsstoff.
 
Quoten: Meistgesehenes EM-Spiel in Deutschland war mit 29,82 Millionen Zuschauern das 0:2 des DFB-Teams im Halbfinale gegen Frankreich. Den höchsten Marktanteil mit 81,2 Prozent erzielte das Achtelfinale gegen die Slowakei. Das Endspiel zwischen Portugal und Frankreich belegte mit 17,68 Millionen Fans lediglich Platz acht in der EM-Hitliste 2016. Der TV-Allzeit-Rekord von 34,57 Millionen beim WM-Finale 2014 blieb unangetastet. Dennoch waren ARD und ZDF mehr als zufrieden. Sie profitierten davon, dass das Public Viewing anfangs nicht so gut lief

Frankreich: Die EM-Begeisterung hielt sich in Frankreich in Grenzen, das ließ sich auch an den meist bescheidenen TV-Quoten ablesen. Doch das Finale bescherte dem französischen TV-Sender M6 mit 20,827 Millionen Zuschauern und einem Marktanteil von 72,9 Prozent zwei Rekorde. Die 0:1-Niederlage der Franzosen gegen Portugal am Sonntagabend war das meistgesehene Spiel der EM in Frankreich und die erfolgreichste Übertragung in der Geschichte des privaten Senders.
 
Experten: Ohne Unterstützung von ehemaligen Profis scheint es nicht mehr zu gehen. Immer für einen Aufreger gut ist Mehmet Scholl, der sich dieses Mal für seine scharfe Kritik an DFB-Chefscout Urs Siegenthaler entschuldigen musste und von „Gehirn-Schluckauf“ sprach. „Diesen flapsigen Spruch Richtung Urs Siegenthaler hätte ich mir schenken können. Der war nicht angebracht“, sagte Scholl.
 
Auch beim Finale sorgte der ARD-Experte für Gesprächsstoff im Netz. Viele Twitter-Nutzer kritisierten Scholl, weil er das heftige Einsteigen gegen Cristiano Ronaldo nicht als Foulspiel bewertete. Oliver Kahn beim ZDF ist nicht so flapsig. Er redete aber auch Klartext, als er die Sturmmisere im DFB-Team ansprach und wirkte an der Seite von Oliver Welke deutlich entspannter als sonst.
 
UEFA-Ärger: Die UEFA zeigt, was sie will – und nicht das, was die Sender wollen. Die Verstimmung über fehlende TV-Bilder bei außergewöhnlichen Ereignissen wie Flitzern oder Schlägereien im Stadion war groß. ARD und ZDF protestierten beim Verband, der die Bilder zur Verfügung stellt. Die Sender schienen zunächst Erfolg mit ihrer Beschwerde zu haben, doch beim Finale musste ARD-Kommentator Gerd Gottlob erneut wie ein Hörfunk-Reporter über einen Flitzer berichten. Den von Gottlob beschriebenen „Flic-Flac“ hätten bestimmt mehr Menschen gerne gesehen.
 
Spätstarter: Eine merkwürdige Form von Ausblendung gab es im Halbfinale beim ZDF. Die Fans der deutschen Nationalmannschaft hatten sich beim Spiel Deutschland gegen Frankreich (0:2) am Donnerstag gewundert, weil der Sender etwa zwölf Sekunden zu spät aus der Werbung auf das Spiel wechselte. „Leider ist der ZDF-Regie ein Fehler beim Timing unterlaufen“, lautete die Entschuldigung des Senders.
 
Beckmann: Die Kritik zu „Beckmanns Sportschule“ war teilweise ätzend, die Quoten hingegen waren gut. Die Suche nach dem Geist von Malente verfolgten zu mitternächtlicher Stunde durchschnittlich 2,5 Millionen Zuschauer mit einem Marktanteil von 21,8 Prozent. Dafür musste sich Reinhold Beckmann als „Quälgeist“ verspotten lassen. „Wir sind ins Risiko gegangen und haben etwas Neues ausprobiert“, sagte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky zu der neuen Sendung. „Dass das extrem polarisiert, war klar. Es war zu erwarten, dass das nicht jedem gefällt.“[Michael Rossmann/Peter Hübner/fs]

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  • Medien_Maerkte_Artikelbild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com

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