Hendrik Hey: „Welt der Wunder war immer eine freie Marke“

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Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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Schon am Mittwoch wird Hendrik Hey mit Welt der Wunder TV seinen eigenen Free-TV-Sender an den Start bringen. DIGITAL FERNSEHEN sprach mit dem Programmdirektor über den Senderstart, das geplante Programm und die Notwendigkeit einer Free-TV-Verbreitung.

Herr Hey, die Zulassung für Welt der Wunder TV wurde schon vor einigen Jahren bei der Bayerischen Landesanstalt für neue Medien beantragt. Warum ist gerade jetzt der richtige Zeitpunkt, um mit der Satellitenausstrahlung zu starten?
 
Hendrik Hey: Geplant war der Start tatsächlich schon seit 13 Jahren. Als die ersten Pläne aufkamen, träumten wir von einer Art deutschem Discovery Channel – und zwar noch bevor Discovery Channel selbst in Deutschland auf Sendung war. Als kleines unabhängiges Unternehmen waren wir bei unseren Plänen natürlich davon abhängig, dass uns jemand auf diesem Weg unterstützt. Das ist uns damals nicht gelungen, weshalb wir in den folgenden Jahren den Markt sehr genau beobachtet haben, um einen geeigneten Zeitpunkt für den Start dieses Projektes abzupassen.
 
Dass der Zeitpunkt jetzt geeignet erscheint, hat grob gesehen zwei Gründe: Zum einen haben wir uns gesagt, dass wir genügend Material in unserem Archiv haben, um ein Programm zu füllen. Zum anderen haben wir Menschen gefunden, die uns auf unserem Weg unterstützen, sodass wir es jetzt endlich als unabhängige Produktionsfirma wagen können, diesen Schritt zu gehen.
 
Wie genau liefen die Vorbereitungen für den Senderstart ab?
 
Hey: Wir haben bereits in den letzten Jahren unglaublich viel in Plattformen investiert, vornehmlich im digitalen Bereich. Zudem haben wir die Smart-TV-Welt für uns erobert, wo der Sender ja bereits seit einem Jahr läuft. Und auch über die sogenannten Second Screens, also Tablets und Smartphones, haben wir uns bereits positioniert. Im Prinzip fehlte uns jetzt nur noch die Front-Plattform – ein eigener Sender.

Zum aktuellen Zeitpunkt im Herbst 2013 hatte uns unser technischerProvider ORS geraten. Erfahrungsgemäß gibt es im Herbst noch einmalzahlreiche Änderungen auf dem Satelliten, sodass viele Zuschauer einenSendersuchlauf vornehmen. Für uns hat das den strategischen Vorteil,dass wir dadurch hoffentlich zumindest unter die ersten 200 Kanäle inden Senderlisten kommen, damit man uns zumindest finden kann. Letztlichkam die Entscheidung für das genaue Startdatum dann ziemlich kurzfristigzustande. Wir hatten dem ORS einen Launch zu den Medientagen inMünchen vorgeschlagen. Dort hat man uns eigentlich sofort grünes Lichtgegeben. In den letzten zwei, drei Wochen haben dann alle nochmal vielgeschwitzt, damit es jetzt los gehen kann.
 
Mit welchen Inhalten dürfen denn die Zuschauer auf dem neuenSender rechnen? Sie haben ja bereits angesprochen, dass genugArchivmaterial vorliegt, was nach 17 Jahren auf Sendung auch kaumverwunderlich ist. Wie wird mittelfristig das Verhältnis zwischenArchivmaterial und neu produzierten Inhalten sein?
 
Hey: Wir beginnen mit einer solidenProgrammstruktur, die sich wirklich vor keinem Sender zu versteckenbraucht. Das Material kommt dabei natürlich aus unserem Bestand. Wennich dabei von Archiv spreche, handelt es aber auch um viel Material, dasnoch nie gezeigt wurde. Wir wollen davon abgesehen aber auch so schnellwie möglich neue Sendestrecken an den Start bringen. Ich gehe davonaus, dass das Verhältnis zwischen Archiv und Neu irgendwann in einemVerhältnis 2:1 stehen wird, wie das bei anderen Sendern in etwa auch derFall ist. Der Weg dorthin wird allerdings einen Entwicklungszeitraumbrauchen.

Nach der ersten Programmschiene, die noch sehr ähnlich dem bereits verfügbaren IPTV-Sender ist, planen wir derzeit schon erste Umstrukturierungen. Wir entwickeln neue Magazine, die in Zukunft auch monothematischer gebündelt werden sollen. Neben diesen, in Zukunft als Ankerprogrammen geplanten Formaten, senden wir zwischenzeitlich viele Reportagen, Dokumentationen oder auch ab und an Sendestrecken mit kürzeren Clips, die wir „Viele kleine Wunder“ nennen. Für das kommende Jahr reden wir dann auch schon von ganz neuen Formaten, von denen wir hoffen, dass sie so bisher noch nicht gemacht worden sind.
 
Gestartet wird Welt der Wunder TV im Free-TV. Der Sender wird also auf eine klassische Werbefinanzierung setzen?
 
Hey: Ja, der Sender muss auf Werbefinanzierung setzen, eben weil es Free-TV sein muss. „Welt der Wunder“ war immer eine freie Marke und wir möchten jeden Zuschauer erreichen können. Das setzt natürlich eine klassische Finanzierung über Werbung voraus. Die Werbeflächen im TV möchten wir jedoch daneben auch zur Vorstellung unserer eigenen Produkte, wie etwa das „Welt der Wunder“-Printheft, nutzen.
 
Wie würden Sie denn die mittelfristigen Ziele formulieren, die Sie mit dem neuen Sender erreichen wollen?
 
Hey: Vor allem möchten wir ein Gegenprogramm zu den vielen Sendern bieten, die mittlerweile auf reines Unterhaltungsprogramm setzen. Hier wollen wir uns vor allem mit Themen aus und um den deutschsprachigen Raum beschäftigen. Auch im Doku- und Wissensbereich findet man inzwischen einige gut aufgestellte Spartensender. Diese zeigen allerdings sehr viel an internationalem Programm. Wir wollen eine Nische füllen für Themen, die in Deutschland oder auch in Österreich und der Schweiz stärker relevant sind. Im Gegensatz zu anderen Sendern, wo diese Themen vielleicht nur vereinzelt behandelt werden, haben wir dann mit einem eigenen Sender die Möglichkeit, diese zu vertiefen.
 
In Ihrer Pressemitteilung vom Montag hatten Sie bereits angekündigt, dass Sie auch eine Verbreitung im Kabel planen. Wie weit sind die Planungen dabei schon vorangeschritten?
 
Hey: Wir befinden uns da aktuell schon in Gesprächen. Mit einigen Netzbetreibern habe ich auch schon telefoniert. Einige kleinere haben sogar bereits angekündigt, uns ohne Gebühren einfach mit an Bord zu nehmen. Andere haben zumindest angedeutet, uns diesbezüglich ein Stück weit entgegen zu kommen. Klar ist, dass wir irgendwann ein regulärer Vollzahler sein wollen, aber am Anfang brauchen wir hier einfach noch ein wenig Unterstützung. Wir wollen nichts geschenkt, aber wir können auch nicht gleich alles auf einmal.
 
Die Frage nach einer HD-Verbreitung von Welt der Wunder TV wird zum Sendestart für Sie sicherlich noch nicht so aktuell sein. Ich weiß jedoch, dass auch dies unsere Leser interessiert. Daher frage ich einfach mal direkt nach: Ist ein HD-Ableger mittel- oder langfristig eine Perspektive für Sie?
 
Hey: Wir sind in der Richtung absolut offen. Alles, was wir seit vielen Jahren produzieren, liegt faktisch bereits in HD vor. Viele Produzenten haben ja schon viel früher angefangen hochauflösend aufzuzeichnen, als Sender in HD gesendet haben. Wir starten mit einem SD-Signal, auch weil HD noch einmal eine andere Kostenfrage bedeutet. Allerdings werden wir mit einem starken Signal ausgestattet sein, sodass wir ein qualitativ gutes Bild liefern können. Perspektivisch sind wir jedoch HD-ready und sobald wir uns das leisten können, wollen wir natürlich auch in HD senden. Irgendwann wird ohnehin alles in HD sein.
 
Vielen Dank für das Gespräch.[ps]

Das Interview gibt die Meinung des Interviewpartners wieder. Diese muss nicht der Meinung des Verlages entsprechen. Für die Aussagen des Interviewpartners wird keine Haftung übernommen.

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1 Kommentare im Forum

  1. AW: Hendrik Hey: "Welt der Wunder war immer eine freie Marke" Das Teil hat doch jetzt schon Programm.
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