[Hintergrund] Experte: Fußball-Urteil nutzt Verbrauchern kaum

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Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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Das Urteil des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) zu Übertragungen im Bezahlfernsehen dürfte nach Ansicht von Experten Zuschauern nur wenig Vorteile bringen. Der Erwerb EU-weiter Übertragungsrechte durch einen einzelnen Anbieter dürfte in der Praxis an den finanziellen Rahmenbedingungen scheitern.

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Zwar stehen jetzt theoretisch Anbieter in verschiedenen Ländern im Wettbewerb miteinander, sagte die Medienexpertin der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG, Prof. Vera-Carina Elter, am Dienstag in einem Gespräch. Ob das Auswirkungen auf die Preise haben wird, sei aber noch offen.
 
„Ich glaube, dass die Auswirkung nicht so erheblich sein wird“, sagte Elter. Nur bei großen und wichtigen Sportrechten gebe es angesichts der regional stark unterschiedlichen Medienmärkte überhaupt eine europaweite Nachfrage. „Ein Zuschauer, der nichts anderes als Fußball sehen will, kann nun in Europa nach dem günstigsten Anbieter suchen“, sagte Elter. Das Urteil besagt lediglich, dass Fernsehzuschauern der Zugang zu europäischen Pay-TV-Alternativen im Heimatland nicht verwehrt werden dürfe. Das übrige Fernsehangebot etwa eines französischen oder italienischen Senders werde den deutschen Kunden allerdings kaum interessieren.
 
Nicht geklärt hätten die Richter etwa die Frage, ob der Verkauf nationaler Rechte überhaupt weiterhin zulässig ist. Und dass etwa die Fußball-Ligen in Europa künftig nur noch einem einzigen Anbieter ein Recht für die EU verkaufen könnten, hält Elter für unwahrscheinlich. Es fehle schlicht an einem Sender, der ein so großes Paket finanziell stemmen und für die Verbreitung in allen Ländern sorgen könnte.

„Das wird spannend sein, wie die Rechte bei den anstehenden Verhandlungen zugeschnitten werden“, erklärte Elter. Für sie mache ein EU-weites Senderecht wirtschaftlich wenig Sinn, denn die Sehgewohnheiten in den einzelnen Ländern seien einfach zu unterschiedlich. „Ein solches EU-Senderecht lässt sich nicht teilen. Und da es keinen in alle Länder ausstrahlenden Sender gibt, kann es ohnehin nicht europaweit vermarktet werden“, sagte die Beraterin.
 
Dass etwa ausländische Sender Bundesliga-Rechte für die Verbreitung in Deutschland kaufen werden, sei ebenfalls kaum wahrscheinlich, weil sie im Gegenzug eine gewisse Zuschauerreichweite in Deutschland garantieren müssten – was etwa für einen griechischen Sender kaum machbar sei. Rechteinhaber könnten möglicherweise den Sendern künftig keine Exklusivität mehr zusagen, sagte Elter.
 
Marketing-Experte Hartmut Zastrow erwartet nach dem EuGH-Urteil über die Exklusiv-Vermarktung von TV-Rechten im Profi-Fußball unterdessen „kein Erdbeben“ für die Bundesliga. „Die Bundesliga muss nicht zittern“, sagte der Vorstand des Sportmarketing- Unternehmens „Sport + Markt“ am Dienstag. Die Bundesliga müsse eher „mit homöopathischen Einnahmenseinbußen“ durch den Wegfall der TV-Vermarktung in Europa rechnen. „20 bis 25 Millionen Euro sind da in Gefahr, das wäre zu verkraften“, meinte Zastrow.
 
Der englischen Premier League prophezeite er dagegen ein „massives Problem“. Englands Eliteklasse könnte durch Auslandsvermarktung 300 bis 400 Millionen Euro pro Jahr verlieren, so Zastrow. Langfristig könne dieses Urteil sogar ein Vorteil für die Bundesliga sein, „denn alles, was andere große Ligen in ihrer TV-Vermarktung beschränkt, in der die Bundesliga nicht so hohe Einnahmen aufweist, ist gut für die DFL“.
 
Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hatte am Dienstag in Luxemburg entschieden, dass ausländische Decoderkarten zum Empfang von Übertragungen im Bezahlfernsehen nicht verboten werden dürfen (DIGITALFERNSEHEN.de berichtete). Das Urteil wird zu einer Änderung der Vermarktung von Sportrechten führen. Die Richter kamen zu dem Schluss, dass „nationale Rechtsvorschriften, die die Einfuhr, den Verkauf und die Verwendung ausländischer Decoderkarten untersagen, gegen den freien Dienstleistungsverkehr verstoßen“. Ein System von exklusiven Lizenzen verstößt auch gegen das Wettbewerbsrecht der Union, so der Spruch. [Sebastian Raabe]

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28 Kommentare im Forum

  1. AW: [Hintergrund] Experte: Fußball-Urteil nutzt Verbrauchern kaum Da sich keine Nachteile ergeben, sind zwangsläufig nur Vorteile möglich. Und wenn sie auch noch so klein ausfallen werden.
  2. AW: [Hintergrund] Experte: Fußball-Urteil nutzt Verbrauchern kaum Na wen das kein Vorteil ist? Was dann?. Aber so wie ich die Strolche kenne, werden sich ganz zufällig die Preise angleichen. Eine Krähe hakt der anderen kein Auge aus.
  3. AW: [Hintergrund] Experte: Fußball-Urteil nutzt Verbrauchern kaum Warum immer nur Fußball? Das geht weit über Fußball hinaus! Ich kann jetzt z.Bsp. über den Rhein fahren und das französische Pay TV legal trotz deutschen Wohnsitz abonnieren oder ein BSKYB-Abo direkt ohne dubiose und teure Umwege erwerben, mit oder ohne Fußball. Ein guter Tag für Europa.
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