Interview: „Sportdigital TV“ will zu Premiere Star

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Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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Hamburg – Über das interessante Verhältnis zu Premiere, die zukünftigen Pläne des neuen Sport-Spartensenders und die Aufschaltung auf weitere Übertragungswege hat der Sportdigital-TV-Geschäftsführer Gisbert Wundram DIGITAL FERNSEHEN Rede und Antwort gestanden.

Im Vordergrund stand dabei die brisante Konstellation, dass man einerseits auf die Premiere-Star-Plattform anschalten möchte, andererseits aber bei der Vergabe der Bundesliga-Lizenzen mit Premiere in Konkurrenz treten könnte.

DIGITAL FERNSEHEN: Stimmt es, dass Sportdigital TV erwägt, auf „Premiere Star“ zu starten?
 
Gisbert Wundram: Ja, wir führen schon seit einigen Wochen intensive Verhandlungen mit Premiere-Star – konnten allerdings in der ersten Launch-Phase nicht berücksichtigt werden. Daher sind wir zunächst über Entavio als so genanntes „Stand-Alone-Angebot“ buchbar. Premiere hat uns signalisiert, die Gespräche ab 2008 fortzuführen, wir werden sehen…
 
DF: Wie gestalten sich die Gespräche mit Premiere nach Ihrer Ankündigung, eventuell um die Bundesliga-Rechte mitzubieten? Haben Sie den Eindruck, dass Premiere Sie als Konkurrenz empfindet?
 
Wundram: Wir haben bisher noch nicht den Eindruck vermittelt bekommen, dass diese Thematik unsere Gespräche beeinflussen würde. Im Übrigen hat unser Partner Sportfive hierzu klargestellt, dass zunächst erst einmal die Ausschreibung der DFL erfolgen muss und erst nach Prüfung der entsprechenden Ausschreibungsunterlagen entschieden werden kann, ob seitens Sportfive ein Angebot abgegeben wird. Insofern gilt es zunächst einmal diesen Prozess abzuwarten, wobei die Fußball-Bundesliga natürlich immer ein interessantes Thema ist.
 
DF: Internetfernsehen (IPTV) ist ein interessanter und aufstrebender Verbreitungskanal – auch für „Sportdigital TV“?
 
Wundram: Das ist korrekt, wir führen Gespräche mit der Telekom, Hansenet und auch Arcor und planen für Anfang 2008 eine adaptive Verbreitungsform in Kooperation mit einem oder mehreren IPTV-Anbietern. Auch hierüber werden wir uns sehr eng mit unseren Partner abstimmen. Übrigens sind wir auch mit Maxdome in fortgeschrittenen Verhandlungen.
 
DF: Als Pay-TV-Programm dürften weitere Inhalte für Sie interessant sein. Abgesehen von der Bundesliga, gibt es derzeit Pläne, das Sportprogramm auszubauen? Welche Sportarten sind im Gespräch?
 
Wundram: Zunächst einmal können wir auf den Rechtebestand unseres Projektpartners Sportfive zurückgreifen. Immerhin ist Sportfive Europas führender Sportrechtevermarkter, so dass hier ausgesprochen interessante Bestandsrechte zur Verfügung stehen, die unser Programmangebot sicherlich noch deutlich optimieren können. Über laufende Verhandlungen mit weiteren Content-Inhabern können wir zurzeit leider keine Auskunft geben.

DF: Sehen Sie sich als Konkurrenzsender zum Sport-Programm von Premiere? Ist dies für die Zukunft geplant?
 
Da wir völlig anders als Premiere nicht auf eine exklusive Verwertung der bei uns im Programm befindlichen Sportarten bestehen, sondern Kooperationen mit weiteren TV-Sendern mit der Zielsetzung des Aufbaus maximaler Reichweiten für die Individualsportart suchen, können wir schon von der Konzeption her keine Konkurrenz für Premiere sein. Wir sehen uns vielmehr als eine Ergänzung zu den bestehenden TV-Sendern in der Medienlandschaft.
 
DF: Erfahrungsgemäß fallen Prognosen zu Abonnentenzahlen häufig schwer. Können Sie uns dennoch verraten, welches Ziel Sie sich selbst gesteckt haben?
 
Wundram: Wir kalkulieren kurz- bis mittelfristig mit einer 5-stelligen Abonnentenzahl im unteren Bereich und bewegen uns dann im Rahmen der von uns gesteckten Ziele.
 
DF: Wie viele Abonnenten brauchen Sie nach gegenwärtigem Stand der Dinge, um die Gewinnzone zu erreichen?
 
Wundram: Die isolierte Betrachtung hinsichtlich der Refinanzierung von Abonnenten ist für unser Projekt nicht sinnvoll, da es sich um ein ganzzeitliches Projekt handelt, in dessen Rahmen wir über die gesamte Verwertungsstruktur von Rechten verfügen. Abo-Gebühren sind daher nur ein kleiner Bestandteil.
 
Insgesamt sieht unser Verwertungskonzept die Sublizenzierung von Rechten, national wie international, die Integration von Sponsor- und Presentingpartner – wie zum Beispiel Toyota in der Handball-Bundesliga, die Integration von Werbemaßnahmen analog dem Rundfunkstaatsvertrag sowie die Verbreitung über alle Verwertungsplattformen wie Internet, Fernsehen und Mobilaplikationen vor. Erst über die Gesamtheit dieser Einzelmaßnahmen wird unser Projekt refinanzierbar.
 
DF: Wie eng sind die Verbindungen zu Sportfive? Die Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) stuft Sportfive als für das Programm mitverantwortlich ein, obwohl Sie alleiniger Gesellschafter bei Sportdigital TV sind. Werden Sie ausschließlich Sportarten übertragen, die bei Sportfive unter Vertrag sind?
 
Wundram: Sportfive ist im Rahmen unseres Joint-Ventures für alle Maßnahmen hinsichtlich der Akquistion von Lizenzrechten und für die Vermarktung der Programminhalte zuständig. Unser Job besteht in der technischen und redaktionellen Umsetzung der Programminhalte und des Sendebetriebs – insofern sind die einzelnen Aufgabengebiete klar definiert.
 
DF: Herr Wundram, vielen Dank für das aufschlussreiche Interview. [lf]

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  • Medien_Maerkte_Artikelbild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com

17 Kommentare im Forum

  1. AW: Interview: "Sportdigital TV" will zu Premiere Star Scheinbar ist Premiere ja ganz gelassen was die Sache betrifft wenn man sich erst 2008 wieder zusammensetzen will. Eigentlich hätte P-Star solche Sender wie Sportdigital.TV nötig. Aber scheinbar geniessen die Verhandlungen für Sender wie lettra, romance, e.clips oder vllt. auch Alpenglühn höher Priorität.
  2. AW: Interview: "Sportdigital TV" will zu Premiere Star Mal sehen wie lang der Atem von Sportdigital TV ohne nennenswerte Reichweite via Satellit ist...
  3. AW: Interview: "Sportdigital TV" will zu Premiere Star Ändert sich durch Deine angefressene Tonlage etwas daran, daß Sportdigital via Satellit die technische Reichweite und das massenwirksame Exklusivprodukt fehlen ?
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