[Kommentar] Filetstück Kabel BW liegt Malone schwer im Magen

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Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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Zeitungen, Fernsehsender und Filmstudios – das Firmenimperium des 70-jährigen US-Medienzaren John C. Malone ist weit verzweigt. Für die Galerie der 2004 abgespaltenen Kabelnetzsparte Liberty Global wäre die Übernahme der baden-württembergischen Kabel BW an der Seite der bereits geschluckten Unitymedia kein schlechter Streich gewesen.

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Die Nummer zwei und drei im deutschen Markt mit in Summe rund 12,3 Millionen anschließbaren Haushalten – das reicht, um den Platzhirschen Kabel Deutschland mächtig unter Druck zu setzen und Wachstumsfantasien bei den Anlegern zu schüren. 
 
Doch ganz so reibungslos läuft es für den cleveren Geschäftsmann aus Connecticut diesmal nicht. Nicht die auf Kuschelkurs bedachte Europäische Kommission wird den 3,16 Milliarden Euro schweren Transfer als reine Formsache abnicken. Seit Mitte Juni stand fest: Das Bundeskartellamt hat in Brüssel mit seinem Ansinnen Gehör gefunden, den „nationalen Kabelfall“ in Eigenregie unter die Lupe zu nehmen. 
 
Das bescherte Malone ein Wiedersehen mit alten Bekannten, die er wahrlich nicht in guter Erinnerung hat. Bereits zur Jahrtausendwende hatte der Mogul seine Fühler nach dem mächtigen deutschen Markt ausgestreckt und sich die sechs Regionalgesellschaften der heutigen Kabel Deutschland unter den Nagel reßen wollen. Doch die Kartellhüter stoppten damals den Deal, erst im November 2009 fiel mit Unitymedia ein kleineres Filetstück für Liberty Global ab.

Bombenalarm in Bonn 

 
Und auch diesmal läuft es nicht reibungslos. Am Freitagmittag ließen das Bundeskartellamt in Bonn eine Bombe platzen, die für den erfolgverwöhnten Medienzar dem Super-GAU gleichkommen muss: In der vorläufigen Bewertung kommt die Behörde zum Ergebnis, dass wettbewerbliche Bedenken gegen die Kabelhochzeit bestehen. Ein „marktbeherrschendes Oligopol“, das sich im Zusammenspiel mit dem Platzhirschen Kabel Deutschland von drei auf zwei Unternehmen verenge, könne entstehen, heißt es in der Begründung.
 
Kein Wunder, dass Malone dem Vernehmen nach tobte, als die EU die Zuständigkeit für den Deal seinerzeit nach Bonn überwies. Ein schwarzer Peter war schnell gefunden: Ex-Tele-Columbus-Geschäftsführer Herbert Leifker, inzwischen als Chief Commercial Officer bei Unitymedia an Bord, hat laut Branchengeflüster den geballten Zorn Malones auf sich gezogen. Er habe bei der Lobbyarbeit versagt, sei nicht früh genug bei der Europäischen Kommission vorstellig geworden, um das drohende Unheil zu verhindern, meldet der Flurfunk aus der Konzernzentrale im kalifornischen Englewood.
 
Trotz veränderter Marktsituation mit wachsendem Konkurrenzdruck von IPTV- und Satellitenplattformen: das Bundeskartellamt wird sich bei der weiteren Prüfung ganz genau überlegen, ob es nach dem Entwirren des Kabelmonopols zulässt, dass ein Global Player ausgerechnet die großen Flächenländer Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen gemeinsam unter seine Fittiche nimmt. Ob ein zugesagtes Maßnahmenpaket von Unitymedia und Kabel BW ausreicht, um die Bedenken zu zerstreuen, soll in den kommenden Monaten in einem Markttest auf die Probe gestellt werden.

Schlechte Zeiten für ausländische Heuschrecken

 
Keine Frage: Das Klima für Großinvestments aus dem Ausland hat im Heuschrecken-Zeitalter schon bessere Zeiten erlebt. Eine Erfahrung, die mit Rupert Murdoch gerade ein weiterer, bislang als unantastbar geltender Medienmanager sammeln musste. In trockenen Tüchern ist die Kabel-BW-Übernahme durch Liberty Global noch lange nicht. 
 
Die nächsten Monate, in denen das Bundeskartellamt auch Stellungnahmen von Konkurrenten einholen will, dürften für Malone und sein Team ein wahrer Eierlauf, wenn nicht sogar ein Tanz auf dem Vulkan werden. Zwar begrüßt Kabel Deutschland erwartungsgemäß den Zusammenschluss als Stärkung für die Kabelbranche, doch bei kleineren Netzbetreibern sind die Sympathien für einen neuen Goliath weitaus geringer. Und auch die Wettbewerber im IPTV- und Satellitenbereich sowie die klassischen Telekommunikations-Anbieter, die ebenfalls um Internet- und TV-Kunden buhlen, dürften noch gewichtige Gegenargumente in die Waagschale werfen.
 
Am 15. Dezember, dem Tag, an dem das Bundeskartellamt nach derzeitigem Stand seine abschließende  Entscheidung im Fall Kabel BW verkünden will, werden wir schlauer sein.
 
Alexander Rösch ist Chefredakteur von DIGITALFERNSEHEN.de und DIGITAL TESTED[Kommentar von Alexander Rösch, Chefredakteur DIGITALFERNSEHEN.de]

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  • Medien_Maerkte_Artikelbild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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3 Kommentare im Forum

  1. AW: [Kommentar] Filetstück Kabel BW liegt Malone schwer im Magen Wenn Malone so "getobt" haben soll, ist er ein äußerst schlechter Verlierer. Ich hoffe dass KBW nicht übernommen wird, kann man doch gerade an UM sehen wie kundenunfreundlich dort gewirtschaftet wird. Soetwas gilt es unbedingt zu verhindern!
  2. AW: [Kommentar] Filetstück Kabel BW liegt Malone schwer im Magen Um "Kundenfreundlichkeit" geht es ja gar nicht. "Wettbewerb" ist das Stichwort und zwar im Bereich der Wohnungsbauanschlüsse und außerdem bei den Einspeisegebühren für die Sender.
  3. AW: [Kommentar] Filetstück Kabel BW liegt Malone schwer im Magen Dass es nicht vordergründig um Kundenfreundlichkeit geht, ist schon klar. Aber das sollte durchaus auch eine Rolle spielen wenn man schon keine Wahl als Zwangsverkabelter hat! Dann sollte man es schon so angenehm und vielfältig wie möglich im Kabel gestalten und bei UM ist das alles nur Illusion. Es hängt alles zusammen, somit auch das. Denn ist die Masse bundesweit im Kabel unzufrieden, wird Kabel mit der Zeit bald keine Rolle mehr spielen. Dann brauch es das Kartellamt auch nicht mehr dafür.
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