MA HSH: DVB-H ist die beste Technik für lokales Mobil-TV

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Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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Leipzig – Im Gespräch mit DIGITAL FERNSEHEN schaut Thomas Fuchs, Direktor der Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein, auf die Höhepunkte des Jahres 2008 zurück und gibt einen Ausblick auf die Herausforderungen dieses Jahres.

So waren 2008 die Lizenzverlängerungen für RTL Nord und Sat 1 Norddeutschland ebenso Meilensteine für die MA HSH wie die erweiterten Aufgaben im Jugendmedienschutz. Auch das schwierig gestartete Handyfernsehen DVB-H will Fuchs nicht aufgeben, sondern sieht hier erhebliches Potenzial.
 
DIGITAL FERNSEHEN: Herr Fuchs, wie ist das Jahr 2008 für die Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein gelaufen? Sehen Sie die Erwartungen und Ziele, die sich die MA HSH für 2008 gesetzt hatte, als erfüllt?
 
Thomas Fuchs: Bedingt durch Fusion und Umzug war 2007 ein schwieriges Jahr für die MA HSH. Aber im Laufe des Jahres 2008 sind wir gut in Norderstedt angekommen und zusammengewachsen. Ich freue mich sehr, dass die Medienschaffenden, die Bürgerinnen und Bürger und die politisch Verantwortlichen aus Hamburg und Schleswig-Holstein wieder den Weg zu uns finden. Von den Unternehmen der Medienbranche werden wir natürlich immer noch als Aufsicht, aber immer mehr auch als kompetente und faire Berater, als Partner und Unterstützer wahrgenommen.

DF: Was sind im Rückblick die Höhepunkte Ihrer Arbeit im vergangenen Jahr?
 
Fuchs: Die Lizenzen für RTL Nord und Sat 1 Norddeutschland wurden von uns im Jahr 2008 um sieben Jahre verlängert – für die Sicherstellung einer qualitativ hochwertigen Regionalberichterstattung und für den Medienstandort Hamburg/Schleswig-Holstein ein wichtiger Schritt.
 
Der Schwerpunkt unserer Arbeit verlagert sich immer mehr Richtung Internet. Die MA HSH übernimmt Aufsichtsaufgaben beim Jugendmedienschutz, bei Impressumsverstößen oder Spam-Mails. Im Jahr 2008 gab es zum Beispiel über 50 Verstöße gegen den Jugendmedienschutz-Staatsvertrag im Bereich der Telemedien. Außerdem wird das Internet als Verbreitungsweg für Rundfunkangebote immer stärker genutzt. 40 Prozent mehr Zulassungen der MA HSH in den letzten 18 Monaten gegenüber den 20 Jahren davor belegen dies.
 
DF: Welche Pläne haben sie für 2009? Welche besonderen Höhepunkte und Herausforderungen kommen in diesem Jahr auf die MA HSH zu?

Fuchs: Das Thema Werbung bzw. Werberegulierung wird in diesem Jahr eine bedeutende Rolle spielen. Hier gilt es, das Liberalisierungspotenzial der neuen europäischen Richtlinie für audiovisuelle Mediendienste auszuschöpfen und sich zudem gegen neue Werbeverbote zu wehren.
 
Ein weiteres Top-Thema werden die neuen Anläufe im Bereich der Digitalisierung sein: zum einen der zweite Versuch, DVB-H einzuführen, diesmal gleich im Regelbetrieb, zum anderen die aus meiner Sicht letzte Chance, die Einführung des digitalen Radios umzusetzen, und schließlich die Förderung des weiteren Ausbaus des digitalen Kabels unter Beachtung von Zugangschancen neuer Sender und Programme im Rahmen der Plattformregulierung.
 
Uns als MA HSH wird im Rahmen einer Evaluierung die Frage beschäftigen, welche Rolle wir künftig in Norddeutschland spielen sollen. Ich bin überzeugt: Ein starker Medienstandort braucht eine starke Medienanstalt.

DF: Welchen Stellenwert hat das Thema Medienkompetenz in der Arbeit des kommenden Jahres?
 
Fuchs: Im kommenden Jahr werden wir einen klaren Schwerpunkt auf die Vermittlung von Medienkompetenz bei der Nutzung des Internets durch Kinder und Jugendliche legen. Eine vor kurzem von der MA HSH veröffentlichte Studie hat hier ganz erhebliche Defizite gerade in Hamburg und Schleswig-Holstein festgestellt.
 
Die Kompetenz von Jugendlichen und ihren Eltern im Umgang mit den neuen Medien wird zwar punktuell, aber nicht strukturiert angegangen. Dabei ist Medienkompetenz gerade im Internet unverzichtbar, um bei seiner längst selbstverständlichen und wichtigen Nutzung jugendgefährdende Inhalte zu erkennen, von denen es ungleich mehr gibt als bei Radio und Fernsehen.
 
DF: Die aufkommende Finanzkrise betrifft auch die privaten Medien. Sehen Sie auf die von ihrer Medienanstalt zugelassenen Unternehmen Schwierigkeiten zukommen? Und sehen Sie Möglichkeiten, den Unternehmen in einem solchen Fall helfen zu können?
 
Fuchs: Alle Medienunternehmen spüren den Rückgang auf dem Werbemarkt und haben ihre Budgets für das Jahr 2009 bereits entsprechend reduziert. Meines Erachtens wird der Print-Bereich etwas stärker betroffen sein als der Rundfunk. Die wirksamste Unterstützung der Unternehmen ist, Erlösmöglichkeiten nicht zum Beispiel durch Werbeverbote einzuschränken, sondern wo es geht zu sichern und gegebenenfalls auszuweiten.
 
DF: Der Handyfernsehstandard DVB-H hat sich bisher nicht wirklich durchsetzen können. Gibt es Interessenten, die sich zuletzt bei Ihrer Landesmedienanstalt hinsichtlich einer DVB-H-Verbreitung erkundigten oder sogar einen Antrag auf Verbreitung eines DVB-H-Programmes stellten?
 
Fuchs: Zurzeit bereiten die Landesmedienanstalten den zweiten Anlauf für die Einführung von mobilem Fernsehen mittels DVB-H in Deutschland vor. Wir werden sehen, wer diesmal den Zuschlag bekommt und welches Geschäftsmodell sich durchsetzen wird. Aufgeben sollten wir das Projekt aber auf keinen Fall.
 
Ich persönlich glaube fest an die Chancen mobiler TV-Formate, übrigens auch im lokalen Bereich. Und DVB-H ist dafür eindeutig die beste Technik und darüber hinaus quasi EU-Standard. Die Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM) hat eine Sondierungsgruppe zur Auslotung der Interessenlage eingesetzt, der ich angehöre. Und es gibt ernsthafte Interessenten, die realistische Marktchancen sehen.
 
DF: Gibt es in Ihrem Verantwortungsbereich Lizenzanträge neuer TV-Sender?
 
Fuchs: Ja. Im vergangenen Jahr haben wir rund 20 neue Zulassungen erteilt – davon ungefähr ein Viertel im Fernseh- und drei Viertel im Hörfunkbereich, vorwiegend für Internetprogramme. Im TV-Bereich sind hier unter anderem 4-Seasons, Republik Fußball TV oder Sportdigital.tv zu nennen.
 
DF: Herr Fuchs, vielen Dank für das Gespräch.

[mth]

Das Interview gibt die Meinung des Interviewpartners wieder. Diese muss nicht der Meinung des Verlages entsprechen. Für die Aussagen des Interviewpartners wird keine Haftung übernommen.

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  • Medien_Maerkte_Artikelbild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com

1 Kommentare im Forum

  1. DVB-H in not best for anything! MA HSH: DVB-H ist die beste Technik "Und DVB-H ist dafür eindeutig die beste Technik" The above statement does nothing but showing disrespect for the intellect of the readers. You may argue about many thing around DVB-H, but the DVB-H technology is 'eindeutig' not the best for any use. DVB-H is an outdated, inefficient and dying technology, that no one should ever think about resurrecting. Both the MediaFLO technology (God forbid) and the DVB-SH standard is very significantly better. But will there ever be a business case for Handy-TV ? during this crisis ? Lars
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