Medienforum NRW: Wild-West-Digitalisierung

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Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers hat heute das 18. Medienforum NRW in Köln eröffnet. Auch die TV-Prominenz diskutierte im Fernsehgipfel über aktuelle Probleme.

In seiner Eröffnungsrede äußerte Rüttgers die Befürchtung, die Digitalisierung bringe einen „Wilden Westen “ nach Deutschland.

Er forderte daher einen fairen und gerechten Umgang bei der „Verteilung der Fahrkarten“ für den Zug in Richtung digitales Fernsehen, sprach sich zugleich aber für einen Rückzug der Politik aus der Medienregulierung aus.
 
Im anschließenden Fernsehgipfel kamen die Senderchefs zu Wort, die sich allesamt der neuen Konkurrenz durch die Telekommunikationsunternehmen, die in den Bereich Fernsehen hineinstoßen, gegenüber sehen. „Wir haben zum ersten Mal einen echten Wettbewerb der Infrastrukturen“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Premiere AG, Georg Kofler, und forderte, dass unabhängige Programmanbieter im Kabel zu den gleichen Bedingungen wie die eigenen TV-Sender des Netzbetreibers eingespeist werden.
 
Kofler fürchtet, dass sich Kabelnetzbetreiber in die Paketierung fremder Programme einmischen könnten. Auch RTL-Geschäftsführerin Anke Schäferkordt sprach sich für einen diskriminierungsfreien Zugang zu allen Plattformen aus. „Verschlüsselung ist die Eintrittskarte ins digitale Fernsehen“, sagte Schäferkordt auf dem Medienforum.

ZDF-Intendant Markus Schächter hingegen widersprach der Notwendigkeit einer Verschlüsselung. Bis 2014 müssen ARD und ZDF keine Sportübertragung verschlüsseln. „Warum sollen wir freiwillig das Haupt aufs Schafott legen?“, so Schächter. Dem Vorteil durch Verschlüsselung das Schwarzseherproblem zu lösen, hielt WDR-Intendant Fritz Pleitgen das seiner Meinung nach höhere Gut des Datenschutzes entgegen. „Adressieren heißt, den gläsernen Kunden herzustellen“, pflichtete ihm Schächter bei.
 
Guillaume de Posh, Vorstandsvorsitzender der ProSiebenSat.1 Media AG, forderte eine deutliche Trennung der Finanzierungswege im dualen TV-System mit öffentlichen Gebühren auf der einen und Werbung bzw. Pay-TV-Gebühren auf der anderen Seite. „Deutschland ist eine Ausnahme in Sachen Verschlüsselung“, verwies de Posh auf den Großteil des europäischen Auslands, in dem die Vielzahl der TV-Sender verschlüsselt sei.
 
Der Fernsehgipfel macht deutlich, dass es heute darum geht, die Mautstellen der digitalen TV-Zukunft zu besetzen. Bei allen Betieligten geht die Angst um, dabei zu kurz zu kommen. [sch]

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  • Medien_Maerkte_Artikelbild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com

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