Mobil-TV: Vorboten des Scheiterns

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Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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Im Mai 2008 wurde eine Akte namens Digital Multimedia Broadcasting (DMB) geschlossen. Das Projekt wurde zugunsten von DVB-H aufgegeben. Doch auch hier lief nicht alles rund. Vor fünf Jahren war das Scheitern des mobilen Fernsehens in Deutschland offensichtlich.

Im Mittelpunkt stand das Konsortium Mobile 3.0 und dessen Präsident Rudolf Gröger. Der wollte bis Ende 2008 eine DVB-H-Abdeckung von 35,2 Prozent erreichen. Dieses Ziel musste er im April 2008 allerdings bereits revidieren. Es war nur noch die Rede von 20 Prozent Abdeckung. Im Mai hieß es dann, man werde lediglich die Landeshauptstädte mit mobilem Fernsehen via DVB-H versorgen können. Das entsprach damals einer Bevölkerungsabdeckung von gerade einmal 10 Prozent.

Mobil-TV war ins Stocken geraten. Schuld waren wie so häufig immer die anderen. Gröger war sauer auf die Landesmedienanstalten, die seiner Meinung nach die Verhandlungen mit den Programmanbietern erschwert haben sollen. Die Medienwächter hingegen hegten einen Groll gegen ARD und ZDF, die das Frequenzzuweisungsverfahren durch ein Schreiben an die Staatskanzleien lahm legten. Zudem versuchte RTL II mit allen Mitteln, ebenfalls ins DVB-H-Bouquet zu kommen. Es gab also weitaus mehr als nur atmosphärische Störungen zwischen allen Beteiligten.

Zu allem Überfluss stellten sich die Mobilfunker gegen Gröger auf. Mobile 3.0 hatte zuvor den Zuschlag für den Sendenetzbetrieb erhalten. Die Mobilfunker gingen leer aus und waren entsprechend bedient. Anstatt sich am DVB-H-Projekt zu beteiligten, setzten sie auf DVB-T. Die damalige T-Mobile sowie Vodafone präsentierten im Mai 2008 Handys mit integriertem DVB-T-Tuner. Eine offensichtliche Breitseite gegen DVB-H, denn mit DVB-T wären das mobile Fernsehen unverschlüsselt aufs Handy gekommen, während gerade den Privatsendern mit DVB-H eher verschlüsselte und kostenpflichtige Angebote vorschwebten.

Das Ende vom Lied war das Aus für mobiles Fernsehen über einen Broadcast-Standard. DVB-T wird heute überwiegend stationär genutzt. Für den mobilen Videokonsum setzen die Mobilfunker lieber auf LTE. Das mag für non-lineare Inhalte funktionieren, doch eine Rundfunkverbreitung über einen Mobilfunkstandard halten Experten für ineffizient. Fest steht aber auch, dass niemand mehr über DVB-H oder andere mobile DVB-Standards spricht.

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[mh]

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3 Kommentare im Forum

  1. AW: Mobil-TV: Vorboten des Scheiterns Hahahahahahahaha Es gab auch so manche Diplomarbeiten darüber. Und uns wurde noch 2008 erklärt, was DVB-H für eine rosige Zukunft hätte... FH Salzburg - Ergebnisliste
  2. AW: Mobil-TV: Vorboten des Scheiterns Wenn man nicht zuästzlich Gebühren verlangt hätte, dann wäre es auch ein Erfolg geworden. In Österreich hat z.B. RedBullMobile immer noch Handy-TV und es ist vor Allem eine Inklusivleistung.
  3. AW: Mobil-TV: Vorboten des Scheiterns ...unter der Voraussetzung es gibt genug Endgeräte. Bei DVB-H warens ja nur 2... da kann es nur scheitern DAB-Endgeräte gibt es eindeutig mehr.
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