Münsteraner Unternehmen produziert Fernseh- und Videountertitel

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Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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Münster – Mit einem Pan-Tau-Film fing alles an.

„Pan Tau, Alarm in den Wolken“ – mit dem seltsamen Herrn im Frack, der zwar zaubern konnte, aber kein einziges Wort sprach – war 1982 der erste Film, den der Westdeutsche Rundfunk (WDR) von der Untertitel-Werkstatt in Münster für Hörgeschädigte untertiteln ließ. „Mit dieser Arbeit ging unsere Untertitel-Werkstatt an den Start“, sagt Geschäftsführer Bernhard Brämswig. „Heute sind wir mit unserem Angebot deutschlandweit marktführend.“
 
Über 2 200 TV- und Video-Produktionen hat das zwölfköpfige Unternehmen mit Textzeilen versehen und über 110 000 Sendeminuten für Hörgeschädigte produziert. Zu den Arbeiten zählen unter anderem Krimis wie „Tatort“ und „Rosa Roth“, Filme wie „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“, die Dokumentation „Die Deutschen“ oder die Kindersendung „Löwenzahn“.

Wichtig sei bei der Produktion, dass der Zuschauer der Geschichte folgen kann, betont Brämswig. Untertitel, die über die Fernbedienung angewählt werden können, müssten kürzer und prägnanter als der Originalwortlaut sein. Auch die Atmosphäre dürfe nicht außer Acht gelassen werden. Mit „Stille“, „Schritte“ oder „Musik“ werde sie in den Untertiteln beschrieben.
 
Manchmal muss die Werkstatt einen Beitrag noch für denselben Tagproduzieren. „Vor kurzem schickte uns das ZDF an einem Dienstagmittag eine Folge der Sendung ’37 Grad'“, erzählt der 55-Jährige. Sechs Mitarbeiter machten sich daraufhin sofort an die Arbeit. „Am Abend ging der untertitelte Beitrag auf Sendung“, berichtet Brämswig.

Rund 3 000 Euro kostet das Untertiteln eines 90-minütigen Films im Durchschnitt. Zum Service der Untertitel-Werkstatt gehört aber auch das Untertiteln von Live-Sendungen. Hier ist die Nachfrage der Sender aber gering. „Wenn wir das Material 20 Sekunden vor der Ausstrahlung bekämen, könnten wir eine ganze ‚Tagesschau‘ für den Gehörlosen übertragen. Wir haben die Technik“, versichert der Geschäftsführer. Dabei wiederholt ein Sprecher in Münster die Worte des Nachrichtensprechers, der Computer erkennt sie und überträgt sie in Schriftform. Schnell liest ein Mitarbeiter den Text gegen und schickt ihn – mit einer Verzögerung von wenigen Sekunden – übers Internet zum Sender.
 
Rund 100 000 gehörlose oder gehörgeschädigte Menschen gibt es derzeit in Deutschland. „Gehörlosigkeit ist eine Behinderung, die man nicht sieht. Es gibt keine Betroffenheit“, erklärt Brämswig.
 
Der Anteil untertitelter Filme am gesamten TV-Programm liegt laut dem Deutschen Gehörlosen-Bund bei drei Prozent. „Deutschland ist damit im Vergleich zu Großbritannien ein Entwicklungsland“, beklagt Brämswig. Den eigentlichen Bedarf für die Untertitelungen sieht er zudem bei den rund 15 Millionen Menschen mit Hörproblemen in Deutschland: „Viele ältere Menschen brauchen Unterstützung, um einem Fernsehbeitrag folgen zu können.“
 
Kira Knühmann-Stengel, Dozentin am Landesinstitut für Gebärdensprache NRW in Essen, teilt diese Einschätzung. Das Angebotfür Hörgeschädigte im Fernsehen – auch in Bezug auf die Gebärdensprache – reiche „vorne und hinten nicht“. Unter dem Motto „Recht auf 100 Prozent Untertitel“ habe es im Sommer eine Großdemonstration in Köln und im Oktober eine Unterschriftensammlung der Gehörlosenverbände gegeben.
 
Geschäftsführer Brämswig beschäftigt sich auch mit anderen Hilfen für Hörgeschädigte. So hat er ein Gerät entwickelt, das gehörlosen Museumsbesuchern anstelle der Audio-Guides als Hilfe an die Hand gegeben werden kann. Mit Hilfe von Texten und Gebärden kann der Behinderte so Wissenswertes über die Exponate einer Ausstellung erfahren. [mth]

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  • Medien_Maerkte_Artikelbild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com

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