Neuer ZDF-Intendant Bellut will Hauptprogramm modernisieren

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Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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Bei seiner Antrittserklärung hat der neue ZDF-Intendant Thomas Bellut eine deutliche Modernisierung des Programms angekündigt. Auch zu den von der KEF geforderten Sparmaßnahmen und deren Konsequenzen äußerte er sich.

Wie der ZDF in einer Mitteilung vom Freitagmittag bekanntgab, soll das Hauptprogramm des ZDF im Rahmen einer strategischen Programmoffensive deutlich modernisiert werden. Das kündigte ZDF-Intendant Thomas Bellut am Freitag in seiner Antrittserklärung vor dem Fernsehrat in Mainz an.

„Die Zielgruppe des ZDF ist die ganze Gesellschaft. Deshalb müssen wir mit unserem Programm verstärkt jüngere Zuschauer erreichen“, sagte Bellut. Die Erfolge der Digitalkanäle und Onlineangebote reichten dafür allein nicht aus. „Es wird keine krampfhaften Verjüngungsversuche geben, sondern eine konsequente Modernisierung, die alle Altersgruppen anspricht“, so der neue Intendant. Man werde das Programmschema überprüfen und in kleinen Schritten optimieren.
 
Im Qualitätswettbewerb, so Bellut weiter, messe sich das ZDF an der ARD. „Wir konkurrieren um die besten Nachrichtensendungen, die besten Dokumentationen, die besten Fernsehfilme, die besten Unterhaltungssendungen und vieles mehr.“ Mit seiner zentralen Organisation und der damit verbundenen großen Flexibilität habe das ZDF als der nationale Sender den Anspruch, im Qualitätswettbewerb die Nummer eins im deutschen Fernsehen zu sein.Vermeidung von Doppelprogrammierungen

An die ARD appellierte Bellut, im Sinne der Zuschauer mehr Bereitschaftzur gegenseitigen Abstimmung zu zeigen und holte damit zum Seitenhiebauf die Streitereien um das Silvesterkonzert im vergangenen Dezember aus(DIGITALFERNSEHEN.de berichtete).
 
Nun kündigte Bellut an, auf die ZDF-Übertragung des diesjährigen Silvesterkonzertes aus Dresden zu verzichten. Stattdessen gebe es am 30. Dezember eine Konzertübertragung. „Damit gehe ich in die Vorleistung, um auch hier den Streit zu beenden und ab dem kommenden Jahr eine jährlich abwechselnde Übertragung der Silvesterkonzerte möglich zu machen“, sagte er. Das, obwohl die ARD ihr Konzert direkt gegen die jahrzehntelang etablierte Konzertübertragung im ZDF programmiert habe.
 
Außerdem liege ein auf Ebene der Chefredakteure ausgearbeiteter Vorschlag für eine klare Regelung zur Vermeidung von Doppelübertragungen royaler Ereignisse vor, dem die ARD nur noch zustimmen müsse, sagte der neue ZDF-Intendant.
 
Auch zu den anstehenden Einsparungen im Personalbereich, die sein Vorgänger Markus Schächter bereits angekündigt hatte, äußerte sich Bellut am Freitag. „Das ZDF ist mit seiner erfolgreichen Digitalstrategie im Wettbewerb der TV-Anbieter gut aufgestellt. Aber wir haben Hausaufgaben zu machen“, sagte Bellut entschieden.
 
Er werde mit der Geschäftsleitung in den nächsten Wochen einen Personalentwicklungsplan erarbeiten, über den er dann mit der KEF ins Gespräch kommen wolle. „Die Einsparungen werden das ganze Unternehmen und alle Beschäftigungsformen betreffen, und sie werden nicht ohne Konsequenzen für das ZDF-Angebot bleiben“, ist sich Bellut sicher.
 
Ohne die Einstellung eigenproduzierter Sendungen etwa werde das nicht gehen. Die bevorstehenden Entwicklungen im Rahmen der Modernisierung des Programms, der Schemaentwicklung und der Sparvorschläge werde er in enger Abstimmung mit den Gremien vornehmen, so Bellut.
 
Als neuen Programmdirektor schlug Bellut dem Fernsehrat den Chef des Digitalkanals ZDFneo, Norbert Himmler, vor. Das Gremium entscheidet darüber am Nachmittag. Der 41-jährige Himmler ist ein echtes ZDF-Gewächs: Der promovierte Politologe fing 1997 als freier Mitarbeiter der „heute“-Redaktion an, volontierte beim ZDF und wurde 1999 Redakteur und Reporter im Landesstudio Rheinland-Pfalz. Nach anderen Stationen übernahm er 2002 die Leitung der Planungsredaktion. 2009 wurde Himmler Leiter der Hauptredaktion Spielfilm und ZDFneo.ZDF Marktführer in der Primetime

Neben seinen künftigen Aufgaben zeigte sich Bellut erfreut vom Zuschauererfolg vom ZDF. Der Mainzer Sender sei im Jahr 2011 in der Primetime zwischen 19.00 und 23.00 Uhr mit einem Marktanteil von 14,3 Prozent Marktführer gewesen. Am gesamten Abend zwischen 17.00 und 1.00 Uhr habe das ZDF 13,8 Prozent Marktanteil erreicht und sei damit gleichauf mit RTL an der Spitze gewesen.
 
Positiv hätte sich auch die Zuschauerakzeptanz der ZDF-Digitalkanäle entwickelt. ZDFneo konnte seinen Marktanteil im Vergleich zum Vorjahr auf 0,4 Prozent verdoppeln, in den Haushalten mit Digitalempfang erreichte der Digitalkanal 0,8 Prozent, ließ das ZDF wissen. Nach der Neuausrichtungen im vergangenen Jahr seien ZDFkultur auf 0,1 Prozent und ZDFinfo auf 0,2 Prozent Marktanteil gekommen. Im digitalen Markt habe ZDFinfo 0,4 Prozent erreicht.
 
Alle öffentlich-rechtlichen TV-Sender von ARD und ZDF hätten 2011 zusammen einen Marktanteil von 42,2 Prozent erreicht. „Damit bleibt das öffentlich-rechtliche Fernsehen in Deutschland eines der akzeptanzstärksten im europaweiten Vergleich“, sagte Thomas Bellut vor dem Fernsehrat.
 
Die Liste der meistgesehenen ZDF-Sendungen wird von den Übertragungen der Frauen- Fußball-WM 2011 angeführt. Am erfolgreichsten war das Viertelfinalspiel Deutschland – Japan mit 17,01 Millionen Zuschauern und einem Marktanteil von 59,2 Prozent. Außerhalb des Sports hatte der Showklassiker „Wetten, dass ..?“ mit bis zu 14,80 MillionenZuschauern die Nase vorn. Nach langem Hin und Her wird in diesem Jahr Markus Lanz die Nachfolge von Thomas Gottschalk antreten.
 
Als erfolgreichsten ZDF-Mehrteiler 2011 wies der Sender den Zweiteiler „Schicksalsjahre“ aus, welcher 8,38 Millionen Zuschauern erreichte. Mit „Neues aus der Anstalt“ habe das ZDF zudem die erfolgreichste Kabarett-Sendung im Programm (2,83 Millionen Zuschauer) und mit „Berlin direkt“ das meistgesehene politische Magazin (3,09 Millionen Zuschauer). [su/rh]

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  • Medien_Maerkte_Artikelbild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com

22 Kommentare im Forum

  1. AW: Neuer ZDF-Intendant Bellut will Hauptprogramm modernisieren Dann gibt es demnächst also schon Krimis von 2013 :-) Aber mal sehen was er daraus macht, es klingt schonmal nicht schlecht.
  2. AW: Neuer ZDF-Intendant Bellut will Hauptprogramm modernisieren Hoffentlich findet die Modernisierung auf einem hohen Niveau statt. Alle Altersgruppen anzusprechen und dafür Programmangebote für die geistige Unterschicht einzuführen wäre mit Sicherheit der falsche Weg.
  3. AW: Neuer ZDF-Intendant Bellut will Hauptprogramm modernisieren Ich will ja nicht unken, aber genau dieser Mann war die letzten zehn Jahre zuständig für die ZDF-Programmplanung und kommt jetzt als Intendant plötzlich auf die Idee das man das anders/besser machen könnte?
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