Olympia: Harte Verhandlungen von ARD ZDF mit Eurosport

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Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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Nach der Pleite um die Vergabe der TV-Rechte für die Olympischen Spiele ab 2018 verhandeln ARD und ZDF nun mit Eurosport über Sublizenzen. Im Zentrum steht dabei die Frage, welche Sportarten auf welchem Sender übergetragen werden. Allerdings wird ein Teil der Berichterstattung nicht frei empfangbar sein.

Die Olympischen Spiele ab 2018 – auf welchen TV-Sendern können die Zuschauer sie live verfolgen? Nachdem das US-Unternehmen Discovery den Öffentlich-Rechtlichen hierzulande die TV-Rechte wegschnappte, stehen ARD und ZDF nun in Verhandlungen mit dem Eurosport-Mutterkonzern über die Sublizenzen der Olympia-Übertragung. Details darüber wurden nun auf einer Podiumssitzung in Berlin bekannt, bei der Vertreter beider Seiten anwesend waren.
 
Bei der Debatte zeigte ARD-Sport-Intendant Ulrich Wilhelm vom Bayrischen Rundfunk seinen Glauben an eine Einigung mit Eurosport: „Wir haben durchaus Einschätzungen bei Eurosport, dass man sich ARD und ZDF vorstellen kann als Sublizenznehmer, aber wie wir das genau lösen in den Gesprächen, ist noch offen.“

Auch auf Seiten von Eurosport signalisierte man Gesprächsbereitschaft. „Zum zweiten treten wir natürlich an mit der Verpflichtung, dass wir auch sublizenzieren“, erklärte Werner Starz, Eurosport-Manager. „Die Öffentlich-Rechtlichen haben in Deutschland, ARD und ZDF lange Jahre bei Olympia eine sehr gute Arbeit geleistet. Das ist etwas, was wir anerkennen, was man anerkennen muss. Wir sind natürlich bereit, mit nationalen Partnern über Lizenzen zu sprechen.“
 
In Bezug auf die Ausstrahlung der Olymischen Spiele im Free-TV zeigte sich Starz zuversichtlich, stellte jedoch klar, dass ein Teil der Spiele nur im Pay-TV zur Verfügung stehen wird: „Es wird sicherlich viele verschiedene Verbreitungswege geben, über die Sie Olympia empfangen können, und da gibt es Verbreitungswege, die sind frei empfangbar, und es gibt Verbreitungswege, die sind Pay-Verbreitungswege, das heißt: da wird es ein kommerzielles Modell geben.“
 
Mit den erworbenen TV-Rechten geht für den Spartensender die selbst auferlegte Verpflichtung einher, den Zuschauern mehr Sportübertragungen anzubieten als bisher. „Die Zielsetzung muss und wird sein natürlich, dass mehr Olympia zu sehen sein wird“, so Starz im Berlin. „In der Stundenanzahl, in der Anzahl der Möglichkeiten, die einzelnen Ereignisse zu verfolgen, das ist der Anspruch, an dem wir uns sicherlich auch messen lassen werden: ist es uns gelungen, mehr Kanäle aufzumachen, mehr Möglichkeiten, dass mehr Technologien zur Verfügung stehen, über die man Olympia sehen kann.“
 
Discovery hatte sich die TV-Rechte für die Olympischen Spiele der Jahre 2018 bis 2024 gesichert und dafür rund 1,3 Milliarden Euro auf den Tisch gelegt. Diese Summe muss nun refinanziert werden. Bisher liegt der Marktanteil des deutschsprachigen Discovery-Senders bei 0,9 Prozent, ARD und ZDF erzielten in der Vergangenheit durch die Übertragung der Olympischen Spiele Quoten von 24 Prozent. Ob dies bei dem Spartensender Eurosport ähnlich sein wird, bleibt fraglich.
 
Im Zentrum der Gespräche zwischen Eurosport und den öffentlich-rechtlichen TV-Sendern steht nun die Frage, welche Sportarten auf welchem TV-Sender zu sehen sein wird. Die Öffentlich-Rechtlichen gehen dabei mit recht klaren Vorstellungen in die Verhandlungen mit dem deutschen Sportsender. So forderte ZDF-Chefredakteur Peter Frey die redaktionelle Freiheit bei der Auswahl der zu übertragenden Sportsender: „Natürlich ist es für uns nicht denkbar, dass wir bei den Sportarten, die für die Deutschen am wichtigsten sind, dazu gehört die Leichtathletik, aber auch Schwimmen, Biathlon im Winter, auch Rudern, und auf diese Dinge werden wir nicht verzichten.“ Bei der Frage nach den Sportarten zeigte Frey wenig Verhandlungsspielraum. Die Übertragung der Olympischen Spiele ohne die wichtigsten Sportarten scheint für ihn undenkbar. „Also wir können nicht nur beim Vorspiel dabei sein, und wenn es zum Höhepunkt kommt, dann muss man umschalten“, so Frey.
 
Im Fall des Scheiterns der Gespräche sieht Frey nur eine Möglichkeit: die der „alternativen Olympischen Spiele“, bei der parallel zu Olympia eigene Wettkämpfe organisiert werden, die dann bei ARD und ZDF übertragen werden – nach dem Vorbild der European Sports Championships. Diese werden 2018 zeitgleich zu den Europameisterschaften in Leichtathletik, Schwimmen, Radsport, Rudern, Triathlon, Turnen und Golf ausgetragen. Die zeitgleiche Übertragung in Europa werden die Kanäle der öffentlich-rechtlichen Europäischen Rundfunk-Union EBU übernehmen. [kw]

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  • Medien_Maerkte_Artikelbild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com

57 Kommentare im Forum

  1. "bei dem Spartensender Eurosparten" "bei der Auswahl der zu übertragenden Sportsender" "welche Sportsender auf welchem TV-Sender zu sehen sein wird." Kann den Text nicht erst einmal jemand lesen, bevor er veröffentlicht wird. Ist ja grauenvoll.
  2. Können sie auch. Während beide dann wohl über DVB-T2 in 1080p werbefrei Olympia senden, bietet ES den FreeTV Deutschen 2022 vermutlich auf 60' UHD OLEDs 576i, alle 7min Werbung und keine regional geprägte Übertragung. Welches Angebot ist wohl für die Mehrheit der Zuschauer besser? Zudem ist es nachvollziehbar, dass die ÖR auf die paar Entscheidungen bestehen, wo Deutsche überhaupt noch eine Rolle spielen. Wenn ES sublizensieren will, geht es nur an die Öffis. Das wissen die auch. Für ES gibts also nur Verkauf an die Öffis oder Steinzeitübertragung selber machen. Vielleicht gibts ja dann bei Media Markt für 4 Wochen Telefunken Röhren zur Leihe für bestes Bild bei der ES Olympiaübertragung.
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