Phoenix wehrt sich gegen geplanten Bundestagssender

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Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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Mainz – Die erneute Forderung des CDU-Bundestagspräsidenten Nobert Lammert nach einem Parlamantskanal ist bei Phoenix auf erbitterte Kritik gestoßen. Grund: Phoenix berichtet bereits ausführlich von den Bundestagsdebatten.

Laut einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ herrscht bei Phoenix Ratlosigkeit über diese Pläne. Dabei verwiesen die beiden Geschäftsführer Klaus Radke (WDR) und Christoph Minhoff (ZDF) auf ihre „kontinuierliche, journalistisch gelungene und zeitlich gut platzierte Parlamentsberichterstattung“. Phoenix habe man seinerzeit ausdrücklich zur Stärkung des Parlamentarismus gegründet.

Minhoff drohte sogar Konsequenzen, sollte es tatsächlich zu einer deutschlandweiten Ausstrahlung des Parlamentssenders kommen. „Wenn der Bundestag einem bundesweiten Parlamentskanal zustimmt, dann muss Phoenix daraus den Schluss ziehen, dass wir aus der Chronistenpflicht der Parlamentsberichterstattung entlassen sind“.
 
Phoenix hat laut eigenem Bekunden im vergangenen Jahr an jedem Sitzungstag live oder in Zusammenfassungen berichtet. Dabei seien insgesamt mehr als 380 Sendestunden auf den Bundestag angefallen. Die Befürworter des Parlamentskanals argumentieren jedoch, dass Phoenix der deutschen Politik nicht mehr genügend Beachtung schenke. Deswegen soll der Parlamentskanal, der bisher im Internet, im Berliner Kabelnetz und verschlüsselt über Satellit ausgestrahlt wird, nun frei zugänglich werden.

Dafür würde letztlich der Zuschauer zahlen: Phoenix finanziert sich aus Rundfunkgebühren (Jahresetat 35 Millionen Euro), und der Parlamentskanal aus Steuergeldern (bislang eine Million Euro jährlich).
 
Die Anfrage bei der Kommission zu Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) ruht derzeit – so hat die Medienkonzentrationsbehörde bereits Bedenken ob der großen Staatsnähe des Parlamentskanals geäußert. Dieses Problem möchte der Bundestag umgehen, indem er das Programm nicht als Rundfunk sondern als Öffentlichkeitsarbeit sieht. Derweil will die KEK nur unkommentierte Live-Berichterstattung in voller Länge von den Debatten zulassen, Gesprächsrunden oder Interviews wären dann nicht erlaubt. [lf]

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  • Medien_Maerkte_Artikelbild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com

7 Kommentare im Forum

  1. AW: Phoenix wehrt sich gegen geplanten Bundestagssender Jetzt muss ich doch mal pro ÖRR werden. Eine richtige Haltung, dagegen zu kritisieren. Einen zusätzlichen Parlamentskanal braucht es nicht wirklich, das schickt Phonix dann ins ad absurdum. Soviel Realitätssinn hätte ich von userem Bundestagspräsidenten doch eigentlich erwarten können, - schade!
  2. AW: Phoenix wehrt sich gegen geplanten Bundestagssender Bin da eigentlich genau gegenteiliger Meinung. Anders gesehen kann man dann nämlich sagen, dass Phoenix überflüssig ist. Und inhaltlich ist eine unzensierte unbearbeitete Version eine Parlamentskanals besser als eine Übertragung von bestimmten Teilen versetzt mit Interviews mit ausgewählten Personen.
  3. AW: Phoenix wehrt sich gegen geplanten Bundestagssender Ich sehe das genau andersrum: Ich bin sonst ein großer Verfechter der Öffentlich-Rechtlichen und auch ein Fan von Phoenix. Aber wenn der Bundestag meint, er müsse sein Parlamentsfernsehen bundesweit verbreiten, dann geht das Phoenix überhaupt nichts an. Es ist ja auch keine direkte Konkurrenz für Phoenix, wenn das Parlamentsfernsehen nur die ungefilterten Debatten zeigt. Eine journalistische Begleitung und Einordnung gäbe es weiterhin nur bei Phoenix (und in eingeschränktem Maße bei n-tv/N24).
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