Private wollen Stück vom Sportwetten-Kuchen

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Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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RTL, Premiere, DSF und ProSiebenSat1 gründen den Arbeitskreis Sportwetten, um gemeinsam für eine Lockerung des Sportwettenmarkts einzutreten.

Wie die Financial Times Deutschland berichtete, wollen die privaten Rundfunkveranstalter auf die Politik einwirken, um zukünftig noch mehr am potentiellen fünf bis sechs Milliarden Euro Markt für Sportwetten in Deutschland mitzuverdienen.

Weiter zitiert das Wirtschaftsblatt aus einem gemeinsamen Schreiben an die Ministerpräsidenten, dass das diskutierte Verbot von privaten Wettanbieter „verheerende finanzielle Folgen“ für die Sender hätte, von einem Betrag „in deutlicher zweistelliger Millionenhöhe“ ist dabei die Rede.
 
Einmal würde nämlich die Werbung der Wettanbieter wegfallen und zum zweiten wollten die Privaten eigentlich bis zur WM selbst Wetten anbieten. Zwar dürften diese lukrativen Pläne mittlerweile begraben sein, dennoch möchte man so bald wie möglich Klarheit haben. Deswegen versuchen die Sender durch ihren Schulterschluss Druck auf die Politik auszuüben. Der Zeitpunkt ist hierfür bewusst gewählt, da sich die Regierungschefs der Länder bei einem Treffen am 22. Juni zum Thema Sportwetten auf eine gemeinsame Vorgehensweise verständigen wollen.
 
Auslöser für die vielen Spekulationen war ein Bundesverfassungsgerichtsurteil vom März, welches den Wettanbietermarkt gehörig durcheinander gewirbelt hat. Das BVerfG hatte entschieden, dass das staatliche Wettmonopol von Oddset verfassungswidrig ist. Nun muss der Gesetzgeber neue Regelungen schaffen, die in zwei Richtungen gehen könnten. Entweder bleibt das Wettmonopol beim Staat, dann muss dies aber zur Verringerung der Spielsucht beitragen, was das Oddset-Modell bisher nach Ansicht der Richter keineswegs tut. Oder aber der Sportwettenmarkt muss privatisiert werden.
 
Zur Zeit besteht also eine offene Gesetzeslage, sodass die privaten Unternehmen nicht wissen, ob sie in Zukunft weiterhin existieren dürfen oder nicht. Dazu kommt, dass einige Länder seither private Wettanbieter haben schließen lassen. Dagegen hat jetzt eines der betroffenen Unternehmen vor dem Verwaltungsgericht Minden geklagt und Recht bekommen.
 
Eine Präzisierung der Gesetzeslage ist daher dringend notwendig. Besonderen Gesprächsbedarf gibt es darüber hinaus noch bei Wettanbietern wie Betandwin, die mit einer DDR-Wettspiellizenz am Markt vertreten sind. Da das oberste deutsche Gericht der Politik auferlegt hat, eine gesetzliche Lösung bis 2007 zu schaffen, versuchen die Privatsender frühzeitig in den Entscheidungsfindungsprozess der Politik einzugreifen. [lf]

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  • Medien_Maerkte_Artikelbild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com

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