Raff: „Es ist zu erwarten, dass es anschließend zum Streit kommt.“

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Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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Remagen- Der ARD-Vorsitzende Fritz Raff glaubt nicht an eine gütliche Einigung beim zwölften Rundfunkänderungsstaatsvertrag, dessen endgültige Fassung die Ministerpräsidenten im Oktober beschließen wollen.

„Es ist wohl eher zu erwarten, dass es anschließend zum Streit kommt“, sagte Raff im Interview mit dem Medienmagazin journalist. Das Hauptproblem sieht Raff dabei in unterschiedlichen Interpretationsmöglichkeiten einzelner Vertragspassagen – etwa der Frage, was genau unter dem von Verlegern geforderten Verbot von „elektronischer Presse“ zu verstehen ist.

„Da werden die Fronten auf den letzten Metern so verhärtet sein, dass es lediglich Kompromissformeln geben wird. Und Kompromissformeln bedeuten Unklarheit“, so Raff. „Bisher wurde immer versucht, Unklarheiten in Brüssel zu lösen. In diesem Fall wird man deutsche Gerichte beschäftigen.“
 
Skeptisch äußerte sich Raff auch zu dem zuletzt diskutierten „Drei-Stufen-Test“, mit dessen Hilfe künftig neue Digitalangebote der öffentlich-rechtlichen- Sender geprüft werden sollten. „Man hat ja fast den Eindruck, die Verleger und kommerziellen TV-Veranstalter fordern das Recht ein, über neue Programme mitzuentscheiden“, so der 60-Jährige. Statt eines „offenen“ Drei-Stufen-Tests favorisiert der ARD-Vorsitzende nun ein „geschlossenes“ Kontrollsystem, bei dem neue Programmpläne direkt im Staatsvertrag festgeschrieben würden.
 
Was das Programmangebot seiner Senderfamilie angeht, wünscht sich der ARD-Vorsitzende mehr Experimentierfreude. „Wir sollten wieder öfter den Mut entwickeln, manche neuen Wege eher unter einem Werkstattcharakter zu sehen“, so Raff. In Sendungen wie „Südwild“ (BR) sieht Raff zwar gute Ansätze, aber „es gibt natürlich auch die Programmkompromisse“. Ein Ärgernis im Sendeschema des Ersten soll laut Raff demnächst behoben werden: die unterschiedlichen Anfangszeiten der „Tagesthemen“. „Man muss das lösen. Ich nehme an, das wird noch in diesem Jahr geschehen.“[mg]

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  • Medien_Maerkte_Artikelbild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com

4 Kommentare im Forum

  1. AW: Raff: "Es ist zu erwarten, dass es anschließend zum Streit kommt." Ich glaube nicht, wie hier dargelegt, das "Electronische Presse" verboten werden soll. Das klingt so allumfassend. Es soll warscheinlich verhindert werden, das mit Gebühren verschwenderisch umgegangen und damit den privaten Verlagen das Wasser abgegraben wird.
  2. AW: Raff: "Es ist zu erwarten, dass es anschließend zum Streit kommt." Die armen privaten Verlage... überparteilich sind da nur die Gehälter der Chefredakteure. Letztlich geht es doch nur darum, wirtschaftliche Einflussnahme auszubauen. Die rückläufigen Leserzahlen im Printbereich liegen nicht nur am Internet. Zahlreiche Redaktionen werden verkleinert, bringen nur noch (fast unbearbeitete) Tickermeldungen und anspruchsvolle Reportagen und journalistisch neutrale Berichterstattung sind Glückssache. Mal ganz abgesehen von bezahlten vorgefertigten Artikeln oder viralem Marketing. Sicherlich passt sich das Niveau der Leserschaft an. Aber parteiische Sudelblätter wie BLÖD und Locus können ja kein Vorbild sein - dass da Leser auf alternative und vermeintlich neutrale Quellen wie das Internet oder die ÖR ausweichen ist verständlich.
  3. AW: Raff: "Es ist zu erwarten, dass es anschließend zum Streit kommt." Es ist immer wieder erstaunlich mit wie viel persönlichem Engagement die chefs beim ör aktiv sind.
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