RTL-Chef Hoffmann will kein Gebührengeld aber mehr Anerkennung

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Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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Anlässlich der Münchner Medientage gab der Senderchef von RTL Frank Hoffmann ein kleines Interview zum Auftrag des Privatfernsehens. Darin erklärt er auch das Profil von RTL.

So sieht Hoffmann im Interview mit „turi2.tv“ den Auftrag des Privatfernsehens ganz selbstverständlich im Shareholder Value, also dem Streben nach Profit, aber auch im Public Value, dem (nicht materiellen) Wert für die Öffentlichkeit sozusagen. Nach seiner Meinung bringt RTL beides auf einen Nenner. Der Sender sei hochprofitabel, könne aber daneben auch mit hochwertigem Journalismus aufwarten.

Hierfür führt Hoffmann ins Feld, dass der Sender täglich fünf Stunden News und Magazine zeigt, einschließlich aufwendiger Investigativ-Formate wie „Team Wallraff“ oder auch dem „Jenke-Experiment“ bis hin zu Dokumentationen über Brustkrebs zur Prime Time. Um der Qualitätsfrage solcher Formate vorzugreifen, sagt er infolgedessen weiter, dass der Kulturbegriff von Menschen der – wie der Senderchef es nennt – „Bildungselite“ zu eng definiert sei: „Und für mich ist Kultur Bayreuth, aber eben auch Wacken.“

Entgegen der Forderungen von Sat.1 und ProSieben fordert der RTL-Chef für den Public Value keine Beteiligung an den Gebührengeldern. Für ihn ist die beste Voraussetzung für einen unabhängigen Journalismus auch finanzielle Unabhängigkeit.

In der Abgrenzung zu Netflix und Amazon verweist der Senderchef auf die Mischung von News und Unterhaltung. So werden auch in den täglichen Serien relevante Gesellschaftsthemen wie häusliche Gewalt, Mobbing oder Organspende behandelt. Die Streaming-Anbieter können das in dieser Form (noch) nicht.

Die Degeto-Chefin Christine Strobl hat eine Kooperation der Öffentlich-Rechtlichen mit RTL vor kurzem nicht ausgeschlossen. Hoffmann sieht derzeit aber kein solches Projekt in Aussicht. Im Blick auf die Sender-eigene Mediathek TV Now sagt er: „Wir haben gerne die komplette Rechtekette, die wir auswerten möchten“.

Oder in anderen Worten: RTL will sein Ding machen. Hierfür werden dann auch keine Forderungen an öffentliche Geldtöpfe gestellt. So bleibt man dann auch imstande seinen eigenen Kulturbegriff definieren zu können und muss auch keine Antwort darauf geben werden, ob „GZSZ“ wirklich genauso so sehr „Kultur“ ist wie Bayreuth und Wacken es sind. [jrk]

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  • Medien_Maerkte_Artikelbild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com

27 Kommentare im Forum

  1. Es wäre ja auch noch schöner wenn RTL sich für sein schlechtes Programm auch noch aus öffentlichen Geldtöpfen bedienen dürfte. Wenn RTL ein besseres Programm und keine Werbung bringen würde, dann sollte auch RTL etwas vom öffentlichen Geldtopf abbekommen aber in seiner heutigen Situation darf RTL nicht abbekommen von öffentlichen Geldern. Damals in den 80gern, da war RTL echt noch super aber heute kann man den Sender total vergessen. Nur leider will man das bei RTL einfach nicht wahr haben.
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