Schauspielerin Johanna von Koczian wird 75

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Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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Berlin – Es war einer der größten Ohrwürmer der 70er Jahre. „Das bisschen Haushalt … kann so schlimm nicht sein, sagt mein Mann“, trällerte Johanna von Koczian. ZDF-„Hitparaden“-Moderator Dieter Thomas Heck kehrte dazu mit dem Besen die Studiotreppe.

Johanna von Koczian als Schlagersängerin zu bezeichnen, wäre aber fast ehrenrührig – sie ist ein schauspielerisches Multitalent, vom Klassiker über den „Tatort“ bis zum Boulevardstück reicht ihr Repertoire. Ihre Theaterkarriere begann vor mehr als einem halben Jahrhundert, sie stand schon unter Gustaf Gründgens auf der Bühne. Sie drehte Filme mit Größen wie Paul Hubschmid, Johannes Heesters und Kurt Hoffmann. Morgen wird die gebürtige Berlinerin 75 Jahre alt.
 
Am 8. November wird von Koczian zum dritten Mal in ihrer Karriere mit dem Publikumspreis Goldener Vorhang geehrt, diesmal für „Oskar und die Dame in Rosa“, eine Inszenierung der Komödie am Kurfürstendamm. Damit schließt sich ein Kreis: In der Komödie am Kudamm absolvierte sie 400 Mal „Die Kaktusblüte“. Als junge Schauspielerin bekam sie 1958 für ihre Darstellung der Anne Frank den „Preis der Jungen Generation“ der Stadt Berlin. „Ganz Berlin ist in sie verliebt“, schwärmte Kritiker Friedrich Luft anno 1957. „Die deutsche Audrey Hepburn“ und „Ein Mädchen mit Zukunft“, jubelten andere.

Die Tochter eines ehemaligen österreichischen k.u.k. Rittmeisters wuchs in Berlin, Zagreb und Salzburg auf, wo sie mit 18 Jahren ihr Schauspielstudium am Mozarteum begann und mit Auszeichnung abschloss. Ihr Theaterdebüt gab sie in Tübingen, zu ihren Stationen gehörten das Residenztheater in München und das Theater in der Josefstadt in Wien. Sie spielte Kleist, Shakespeare und Lessing, aber auch viel Tournee- Theater und in Musical-Klassikern wie „My Fair Lady“ und „Kiss me, Kate“.
 
Ihre Karriere als Filmschauspielerin begann 1957 mit Karl Antons Farbfilm-Remake der Komödie „Viktor und Viktoria“. Den Durchbruch schaffte sie in Kurt Hoffmanns kritischem Blick auf das Nachkriegs- Deutschland „Wir Wunderkinder“ (1958), für ihre Rolle wurde sie mit dem Bundesfilmpreis ausgezeichnet. Mit Hoffmann drehte sie zudem die Dürrenmatt-Verfilmung „Die Ehe des Herrn Mississippi“ (1961).

Seit den 60er Jahren ist Johanna von Koczian im Fernsehen präsent. Sie war Moderatorin von „Erkennen Sie die Melodie?“, trat in Serien wie „Fragen Sie Dr. Cora“, „Praxis Bülowbogen“ und „Der Landarzt“ auf. Die Sopranistin mit Gesangsausbildung veröffentlichte mehrere Schallplatten, ihre Chansons textete sie zum Teil selbst. Sie schrieb Romane wie „Sommerschatten“ und „Das Narrenspiel“ sowie Kinder- und Jugendbücher. Dialekte beherrscht Johanna von Koczian „fast alle“, wie ihre Münchner Agentur schreibt. Sie war fast 40 Jahr lang mit dem 2004 verstorbenen Musikproduzenten Wolfgang Kabitzky verheiratet und hat eine Tochter. An ihrem Geburtstag ist die Schauspielerin nicht in Berlin, sondern auf Reisen. [mth]

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