Skripted-Reality – Gefährliches Spiel mit Klischees

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Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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Bei den Medientagen München wurde in den vergangenen Tagen viel über das Thema Skripted-Reality gesprochen. Dabei wurde unter anderem auch thematisiert, was für Gefahren solche Sendungen verursachen, was für Maßnahmen deshalb notwendig werden und was diese große Bandbreite von Skripted-Reality überhaupt begünstigt.

Die viel diskutierten Skripted-Reality-Formate wurde auch auf den Medientagen München zum Thema gemacht. Die Leiterin des Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen München, Dr. Maya Götz, erklärte am Mittwoch in einer Keynote zum Thema, das es sich bei Scripted-Reality nicht um eine feste Gattung von Sendungen handle. Neben den fiktionalen Formaten im dokumentarischen Stil, wie besipielsweise „Familien im Brennpunkt“ oder „X-Diaries“, die trotz Drehbuch den Eindruck vermitteln wollen, im „echten Leben“ stattzufinden, gebe es auch Formate, die klar erkennbar im Studio spielen – die Grenzen zwischen den Formaten seien also fließend. Die Vielzahl von Unterformaten stelle Götz zufolge komplexe soziale Themen in vereinfachten Gut-Böse-Rollen dar. Problematisch sei die Aufmachung der Sendungen – man habe zu oft das Gefühl, einem Dokumetarfilm über die intimsten privaten Angelegenheiten der gezeigten Personen zu sehen.

Vor allem Kinder und Jugendliche werden von dieser „emotionalen Realität“ der Skripted-Reality-Formate erreicht, so Götz weiter. Problematisch sei dabei, dass eine großer Teil der jungen Zuschauer glauben würde, die Protagonisten würden mit Kameras im Alltag begleitet werden. Stefan Cordes, Geschäftsführer der Produktionsfirma Filmpool Köln, widersprach der Vorspiegelung von Realität durch Skripted Reality. „Realismus ist etwas anderes als Realität“, lies er das Publikum wissen.
 
Allerdings würden sich die Produktionsbedingungen auch in den Formaten selbst widerspiegeln: Ein knappes Budget und die standardisierte Entwicklung der Drehbücher würde in der Tat dazu beitragen, die Handlung auf komplexitätsmindernde Klischees zu reduzieren. Der Anspruch an solcher Formate ist laut Christian Rudnitzki, Abteilungsleiter Unterhaltung/Scripted Program bei RTL2, von Senderseite ganz klar definiert. „Wir wollen Unterhaltung und gute Geschichten“, sagte er.
 
In den Augen von Winfried Engel, Vorsitzender der Versammlung der hessischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (LPR), ergebe sich aus der ganzen Diskussion um Skripted-Reality auch eine medienethische Fragestellung. Die Arbeit mit Laiendarstellern und dem ihnen teilweise aufgezwungenen Menschenbild verpflichte zur Verantwortung, stellte sie fest. Derartige Formate müssten durch eine deutliche Kennzeichnung als Fiktion ausgewiesen werden, so Engel. Zudem brauche es einer umfassenden Kommunikation zwischen den Sendern, Produzenten und Jugendschutzeinrichtungen sowie der jungen Zielgruppe selbst. Auch eine intensivere Vermittlung von Medienkompetenz in den Medien sei notwendig, schloss Engel ab. Produzent Cordes und Medienpädagogin Götz stimmten ihm zu. [hjv]

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  • Medien_Maerkte_Artikelbild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com

6 Kommentare im Forum

  1. AW: Skripted-Reality - Gefährliches Spiel mit Klischees Wenn man es als reine Unterhaltung nimmt schlägt die eine oder andere Sendung jede Comedy.Wer aber den Kram als Realität ansieht wird sicherlich Probleme im echten Leben haben.
  2. AW: Skripted-Reality - Gefährliches Spiel mit Klischees Wer den Kram als Realität ansieht ist so dumm, dass er von seinen Problemen gar nichts merkt. Beati pauperes spiritu.
  3. AW: Skripted-Reality - Gefährliches Spiel mit Klischees Vielleicht hilft es dabei sich besser zu fühlen. Einfach weil man eben da noch nicht angekommen ist oder es aber anscheinend Leute gibt, welche die selben Probleme haben.
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