Smartcard-Schadensersatzprozess: Premiere gibt nach

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Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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München/Hamburg – Zwei Wochen vor einem Gerichtstermin zu Schadensersatzzahlungen wegen nicht zurückgeschickter Smart Cards an Premiere hat der Pay-TV-Sender eingelenkt und sich mit den Klägern außergerichtlich geeinigt.

Nach Informationen der Verbraucherzentrale Hamburg, die eine Sammelklage für die Verbraucher geführt hat, zahlt Premiere die bisher angefallenen Anwalts- und Gerichtskosten. Auch werden den 86 Klägern die Schadensersatzzahlungen zurückerstattet. Damit ist der Gerichtstermin vom 30. Mai am Amtsgericht München hinfällig geworden.

Über die Gründe, warum Premiere sich zu diesem Schritt entschlossen hat, konnten die Verbraucherschützer nur spekulieren: „Möglich, dass Premiere ein negatives Urteil vermeiden wollte, möglich auch, dass man hofft, mit der stillschweigenden Zahlung eine noch größere Klagewelle zu vermeiden.“ Eine diesbezügliche Anfrage an Premiere hat DIGITAL FERNSEHEN gestellt, sobald wir eine Antwort haben, informieren wir Sie sofort.
 
Ende November erklärte Premiere gegenüber DF noch, dass die Hauptursache für die Probleme sei, dass ehemalige Premiere-Kunden häufig ihre Smartcards an die falsche Adresse versandt hätten. Wer glaubhaft versichern könne, die Karte versandt zu haben, würde aus Kulanzgründen nicht von Premiere belangt, versprach der Pay-TV-Anbieter damals.
 
Die Verbraucherschützer werten den Rückzug von Premiere als großen Erfolg, wollen hier jedoch längst nicht aufhören. So bereitet man in Hamburg bereits die nächste Sammelklage vor und ruft in diesem Zusammenhang weitere ehemalige Kunden, die trotz Rücksendung ihrer Smartcard eine Schadensersatzforderung erhalten haben, sich zu melden. „Nach der Erledigung des Pilotverfahrens halten wir die Aussichten, das Geld zurück zu bekommen, für ausgezeichnet“, zeigten sich die Hamburger in einer Mitteilung zuversichtlich.
 
Die Premiere-Verträge verlangen von ehemaligen Kunden, dass Sie nach Beendigung der Laufzeit ihre Smartcards zurückschicken. Im vergangenen Jahr häuften sich die Beschwerden ehemaliger Premiere-Kunden, dass sie von dem Münchener Pay-TV-Unternehmen eine Schadensersatzforderung erhalten haben, obwohl sie die Smartcards zurückgeschickt hätten.
 
Die Schadensersatzforderungen von Premiere beliefen sich auf 35 Euro, mit den Mahn- und Bearbeitungsgebühren des von Premiere beauftragten Inkasso-Unternehmens Infoscore wurden schnell 75 Euro fällig. Aufgrund der vielen Beschwerden hat die Verbraucherzentrale Hamburg sich im November 2006 entschlossen, eine Sammelklage anzustreben. [lf]

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3 Kommentare im Forum

  1. AW: Smartcard-Schadensersatzprozess: Premiere gibt nach Seit wann gibt es in Deutschland Sammelklagen? Wäre mir jedenfalls neu, dass sowas jetzt möglich wäre.
  2. AW: Smartcard-Schadensersatzprozess: Premiere gibt nach Das wird solid aber freuen Endlich ist die Meldung da
  3. AW: Smartcard-Schadensersatzprozess: Premiere gibt nach Spät, aber besser als nie. Klaro, falsch addressiert Briefe. Da haben die Kunden die Karten wohl alle an DF1 in Hamburg geschickt und keinen Absender auf den Brief geschrieben. Schön das die Verbrauchschützer sich nicht auf dem jetzigen Zustand ausruhen wollen. Vllt. kann man mal höchstrichterlich feststellen lassen ob die Leute wirklich alle die Briefe nur falsch adressiert hatten. Ich würde ein definitives Urteil begrüssen.
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