Sport bleibt TV-Technologietreiber

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Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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München – Die Frage bleibt: Welche neuen Technologien sind sinnvoll, um den Eindruck einer Sportart einzigartig herüberzubringen, und was erfüllt nur einen Selbstzweck? Über diese Frage diskutierten Sport-TV-Experten auf den Medientagen München.

„Wir sind dankbar für alle technischen Neuerungen, die unsere redaktionellen Vorhaben unterstützen“, erklärte Wolf-Dieter Poschmann, ZDF-Chefreporter und Moderator des Aktuellen Sportstudios. „In der Sportberichterstattung wollen wir den Zuschauern die Wirklichkeit in Bild und Ton so nahe wie möglich bringen. Alles was das unterstützt ist willkommen.“

Die ZDF-Sportredaktion lehne es jedoch ab, zu idealisieren und zu stilisieren, wie dies andere Sender teilweise machten. Auch seien letztlich die sportlichen Erfolge der akteure das entscheidende. „Wir wollen keine Effekthascherei und keine Show“, sagte Poschmann. Technologien könnten im Sportfernsehen auch kontraproduktiv genutzt werden.
 
Das sei etwa der Fall, wenn beim Skispringen mitfahrende oder -fliegende Spezialkameras eingesetzt würden. Dadurch ginge beim Zuschauer das Gefühl für die Steilheit der Schanze und das Tempo des Springers verloren. „Der realistische Blick auf den Sport und seine Dynamik muss erhalten bleiben“, forderte der ZDF-Moderator. Technische Verbesserungsmöglichkeiten bei Sportübertragungen sieht Poschmann vor allem noch beim Ton.
 
Die Produktions-Firmen sehen dies selbstverständlich etwas anders. Ziel sei es, so Zeljko Karajica, Geschäftsführer Plazamedia, den Zuschauern etwas zu bieten, was sie so noch nicht gesehen hätten. Durch den Einsatz neuer Technologien könne man sich im Wettbewerb von anderen Produktionsdienstleistern absetzen. „Zuschauer gewöhnen sich an eine neue Bildsprache. Wir müssen deshalb ständig daran arbeiten und immer wieder neue Sachen ausprobieren“, meinte er.
 
„Optisch aufpeppen bringt nichts“, konterte Poschmann die Argumente des Plazamedia-Chefs. „Wir müssen uns auf das Wesentliche konzentrieren. Mit technischen Tricks kann man leicht den Sport anders darstellen als er in Wirklichkeit ist“. Ganz ähnlich sieht es Frank Meissner, technischer Geschäftsführer von N24 und verantwortlich für Sportproduktionen in der ProSiebenSat.1-Gruppe. Auch Meissner wehrt sich gegen „Technikfestspiele beim Sport“. „Spezialkameras sind nette Gimmicks. Deren Bilder machen aber höchstens zehn Prozent einer Sportproduktion aus“, wandte er ein. [lf]

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  • Medien_Maerkte_Artikelbild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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