Sport1: „Zuschauer sind dankbar für ESPN-Ersatz“

58
32
Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
Anzeige

Mit Sport1 US hat Constantin Medien erst vor wenigen Wochen einen neuen Pay-TV-Kanal für US-Sport aus dem Boden gestampft, der den eingestellten Kanal ESPN America ersetzt. DIGITAL FERNSEHEN sprach mit Olaf Schröder, Programmchef von Sport1 und Matthias Kirschenhofer, General Counsel bei Constantin Medien, über die Strategie im Pay-TV-Bereich und den neuen Radiosender Sport1.fm.

In den vergangenen Monaten hat sich bei Sport1 viel getan. Vor allem im Pay-TV- Bereich hat sich die Sendergruppe mit neuen Rechten zuletzt deutlich stärker aufgestellt. Hatten Sie diese Ausrichtung von Anfang an im Sinn?
 
Matthias Kirschenhofer: Pay-TV im deutschsprachigen Raum wächst weiter: Die aktuelle Pay-TV-Studie des VPRT zeigt, dass die Zahl der Pay-TV-Abonnenten im deutschsprachigen Raum im vergangenen Jahr auf rund 6,8 Millionen gestiegen ist. In diesem Wachstumsmarkt wollen wir unsere Position als relevanter Player weiter stärken. SPORT1+ hat sich seit dem Start im Oktober 2010 hervorragend entwickelt mit gut 1,8 Millionen Abonnenten – hinzu kommen noch die Subscriber, die wir über die Plattform von Sky Deutschland erreichen. SPORT1+ zeigte im vergangenen Jahr rund 2.900 Live- und Erstausstrahlungen von sportlichen Top-Events, davon rund 1.900 Stunden exklusive Inhalte – ein stattliches Volumen, das wir auch in diesem Jahr anstreben. Mit dem Start unseres neuen Pay-TV-Senders Sport1 US bauen wir unser Engagement im Pay-TV-Bereich darüber hinaus noch weiter aus.
 
Einen regelrechten Blitzstart hat Sport1 US als Pay-TV-Senderfür US-Sportarten hingelegt. Nur wenige Tage nach der offiziellenAnkündigung war der neue Sender bereits on Air. Gab es bei denPlanungen für den Sender einen längeren Vorlauf oder haben Sietatsächlich die Gelegenheit beim Schopfe gepackt, nachdem ESPN seinenRückzug aus Europa verkündet hatte?

Kirschenhofer: Wir haben auf Sport1+ in der Vergangenheit ja bereits ausgewählte Spiele aus der NFL und NBA gezeigt. Diese Rechtepakete haben wir nun noch einmal deutlich aufgestockt: In den kommenden beiden Spielzeiten übertragen wir live auf Sport1 US pro Woche aus der NFL bis zu sieben statt vier Partien und aus der NBA drei statt zwei Begegnungen. Zudem schließen wir auch die durch den Wegfall von ESPN America entstandene Lücke, indem wir das attraktive ESPN-Rechtepaket mit NCAA College Football und College Basketball sowie der IndyCar Series erworben haben. Und auch die Major League Soccer läuft ab 2014 auf Sport1 US. Mit diesem breiten Angebot an hochklassigem US-Sport wollen wir auf Sport1 US die große Zahl an US-Sport- Begeisterten in Deutschland, Österreich und der Schweiz bedienen. Nachdem wir den Start unseres neuen Senders Ende Juli verkündet hatten, war das Feedback von Zuschauerseite entsprechend positiv – ob der zuvor herrschenden Ungewissheit über die Zukunft von US- Sport im TV.

Auch für Sport1+ konnten Sie sich in den vergangenen Monaten attraktive neue Rechte europäischer Fußballligen sichern. Glauben Sie, dass das Interesse deutscher Zuschauer an ausländischen Sportevents in den letzten Jahren generell größer geworden ist?
 
Olaf Schröder: Ja – aus diesem Grund haben wir Anfang Juni für SPORT1+ auch diese Rechte an internationalen Top-Fußballligen erworben bis einschließlich der Saison 2014/15, unter anderem für die italienische Serie A, die französische Ligue 1 und die brasilianische erste Liga. Groß ist das Interesse natürlich wegen der internationalen und insbesondere der deutschen Stars, die in diesen Ligen spielen: In der Serie A stehen vor allem die deutschen Nationalstürmer Miroslav Klose und Mario Gomez mit ihren Klubs Lazio bzw. Florenz im Fokus. In der Ligue 1 sind die Blicke auf Paris St. Germain und dem AS Monaco, die mit stark umworbenen Stars wie Ibrahimovic oder Falcao enorm aufgerüstet haben. Das gestiegene Interesse an internationalen Sportarten und -Ligen lässt sich auch beim US-Sport beobachten – mit positiven Effekten für Sport1 US als „Schaufenster“ Richtung Nordamerika: Speziell die wachsende Zahl deutscher Sportler jenseits des Atlantiks – Sebastian Vollmer und Björn Werner in der NFL oder Dirk Nowitzki und die NBA-Neulinge Dennis Schröder, Elias Harris und Tim Ohlbrecht – wird für eine steigende Popularität hierzulande sorgen.
 
Würden Sie der Aussage zustimmen, dass das Pay-TV-Geschäft gegenüber dem Free-TV tendenziell an Bedeutung für Sport1 gewonnen hat?
 
Kirschenhofer: Es ist richtig, dass wir mit Sport1+ und Sport1 US unser Pay-TV-Engagement in den vergangenen Jahren ausgebaut haben. Das geschieht allerdings nicht auf Kosten unseres Free-TV-Senders – im Gegenteil: Wir haben das Profil von Sport1 in den zurückliegenden Monaten mit einer Vielzahl von Maßnahmen wie dem Erwerb neuer Rechte, der Einführung neuer Formate und der Öffnung der Daytime bereits ab 14:30 Uhr gestärkt. Die positive Marktanteilsentwicklung zeigt, dass wir hier auf einem guten Weg sind: Mit 1,7 Prozent Marktanteil in der Kernzielgruppe Männer 14 bis 49 Jahre und 1,0 Prozent in der Zielgruppe Zuschauer Gesamt erzielte Sport1 im zweiten Quartal die höchsten Marktanteile seit vier Jahren. Dieser positive Trend setzte sich auch im Juli mit einem Marktanteil von 1,41 Prozent in der Kernzielgruppe Männer 14 bis 49 Jahre fort– dem besten Juli-Marktanteil seit 2008.
 
Abseits von Fernsehen und Internet hat sich die Marke Sport1 mit dem Radiosender Sport1.fm erstmals auf ein völlig neues Geschäftsfeld gewagt. Welches Potential sehen Sie für Sport1 auf dem Radiomarkt?
 
Schröder: Mit unserem neuen 24/7-Sportradio Sport1.fm bauen wir das digitale Portfolio unter unserer Multimedia-Dachmarke weiter aus und erreichen unsere Zielgruppe nun auch über Radio – neben Free-TV und Pay-TV, Online und Mobile. Sport1.fm ist rein werbefinanziert und somit für die Hörer kostenlos nutzbar. Perspektivisch peilen wir 2 Millionen User monatlich für die Verbreitung von Sport1.fm an. Der Start Mitte Juli ist bereits sehr gut gelaufen – unsere Sport1.fm-App im App Store bei iTunes war zum Beispiel von Freitag bis Sonntag deutschlandweit die Free-App mit den meisten Downloads.
 
Für die terrestrische Verbreitung von Sport1.fm über DAB Plus wurde eine Kooperation mit Radio Energy eingegangen. Neben dem Start von Sport1 US noch so ein „Coup“, mit dem wohl die Wenigsten im Vorfeld gerechnet hatten. Wie wichtig war es Ihnen, neben Internetstream und Apps direkt zum Start auch über DAB Plus präsent zu sein?
 
Schröder: Es war uns in der Tat sehr wichtig, auch eine entsprechende Möglichkeit für die Digitalradio-Hörer zu realisieren – angesichts der Tatsache, dass derzeit keine freien Frequenzen auf dem bundesweiten Multiplex vorhanden sind. Die zahlreichen Anfragen zum Empfang über DAB Plus im Vorfeld des Senderstarts haben uns darin weiter bestärkt. Unsere Programmzulieferungs-Kooperation mit Energy zur Ausstrahlung der Sport1.fm-Liveübertragungen auf Energy DAB Plus ist also eine echte „Win-Win-Win-Situation“ für die Hörer, Energy und uns.
 
Vielen Dank für das Gespräch.[ps]

Das Interview gibt die Meinung des Interviewpartners wieder. Diese muss nicht der Meinung des Verlages entsprechen. Für die Aussagen des Interviewpartners wird keine Haftung übernommen.

Bildquelle:

  • Medien_Maerkte_Artikelbild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com

58 Kommentare im Forum

  1. AW: Sport1: "Zuschauer sind dankbar für ESPN-Ersatz" Dankbar schon aber ihr müsst euch erst beweisen ob ihr wirklich ein Ersatz für ESPN seid. MLB und NHL fehlt noch immer. Das Nachtprogramm ist bisher nur ein Schatten von ESPN America.
  2. AW: Sport1: "Zuschauer sind dankbar für ESPN-Ersatz" Da dort angesprochen wird, dass sport1US ab 2014 auch die MLS zeigt und deren Spiele oft nachts (unserer Zeit) stattfinden, sehe ich schwarz, was MLB und NHL angeht...
Alle Kommentare 58 im Forum anzeigen

Kommentieren Sie den Artikel im Forum