Strammer Gegenwind für deutsches Hulu von RTL und ProSiebenSat.1

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Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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Eine gemeinsames Videoportal der privaten Fernsehsender-Riesen ProSiebenSat.1 und RTL im Internet wird wohl ins Wasser fallen. Das Düsseldorfer Oberlandesgericht folgte am Mittwoch der Argumentation des Bundeskartellamts, dass das Vorhaben vor gut einem Jahr verboten hatte.

Die konkurrierenden TV-Sendergruppen ProSiebenSat.1 und RTL wollten eine gemeinsame senderoffene Internet-Plattform nach Vorbild des in den USA von NBC, Fox und Disney/ABC gemeinsam betriebenen Joint-Ventures Hulu durchsetzen, auf dem – ähnlich den Mediatheken der öffentlich-rechtlichen und privaten Sender in Deutschland – nachträglich verpasste Sendungen als Online-Videostream abgerufen werden können.
 
Das Bundeskartellamt hatte im vergangenen Februar argumentiert, dass damit das „marktbeherrschende Duopol der beiden Sendergruppen“ auf dem Markt für Fernsehwerbung in Deutschland verstärkt werde. Auf dem bundesdeutschen Fernsehwerbemarkt verfügten beide Unternehmen zusammen über einen Marktanteil von 80 bis 90 Prozent.
 
Zwar liege ihr Marktanteil bei den gesehenen Videos im Internet bei insgesamt lediglich etwa fünf Prozent, aber die Rückwirkung auf den Fernseh-Werbemarkt sei entscheidend, befanden jetzt auch die Düsseldorfer Richter. „Das bestehende Duopol wird verstärkt. Wir halten das im Ergebnis für zutreffend“, sagte der Vorsitzende Richter Jürgen Kühnen.
 
Mit ihrer Beschwerde beim Düsseldorfer Oberlandesgericht greifen die Sender die Entscheidung der Kartellwächter an. Rückendeckung hatten die Privatsender zuletzt von den zuständigen Landesmedienhütern in Nordrhein-Westfallen erhalten. Die LfM hatte das Kartellamts-Verbot offen kritisiert: Es spiele lediglich Anbietern wie Hulu und Google in die Hände. Schließlich hätten auch die öffentlich-rechtlichen Sender entsprechende „Mediatheken“, auf denen man nachträglich verpasste Sendungen sehen könne.

Die beiden Medienunternehmen sehen ihrerseits keinen Kartellverstoß und argumentieren, dass von einem Duopol auf dem Werbemarkt keine Rede sein könne, weil zwischen beiden Unternehmen Wettbewerb bestehe. Außerdem könnten sich auf der Plattform auch kleinere Anbieter präsentieren. Beide hatten sich bereits im April vergangenen Jahres zur Einreichung einer Klage entschieden. Die Entscheidung des Düsseldorfer Oberlandesgerichts soll am 20. Juni verkündet werden. 
 
ARD und ZDF hatten vor kurzem angekündigt, Ende April in Berlin eine gemeinsame Video-on-Demand-Plattform zu gründen, die in der Vorbereitung unter dem Arbeitstitel „Germany’s Gold“ läuft. Um die Chancen auf eine positive Prüfung des Bundeskartellamts zu erhöhen, hatten die öffentlich-rechtlichen Vertreter ausdrücklich auch Privatsender und andere Anbieter zu einer Beteiligung an dem Projekt eingeladen (DIGITALFERNSEHEN.de berichtete).
 
Das Marktvolumen für den Online-Werbemarkt im Internet wird auf 70 bis 220 Millionen Euro beziffert. Im Vergleich zu den Umsätzen im Fernsehen ist das bescheiden, doch das Online-Geschäft gilt als Zukunftsmarkt mit entsprechendem Wachstumspotenzial.
 
Die Anwälte der privaten Sendergruppen zeigten sich von der vorläufigen Rechtsauffassung des Gerichts enttäuscht: „Wir bleiben bei der Meinung: Das Duopol gibt es nicht“, sagte ihr Verhandlungsführer. Zwischen beiden großen Sendergruppen herrsche scharfer Wettbewerb. Außerdem sei nicht ersichtlich, wieso eine gemeinsame technische Plattform für die kleineren Sender nachteilig sein sollte. Schließlich würden ihnen damit zusätzliche Umsätze ermöglicht. „Es kann nicht zu einer Verschlechterung kommen.“[ar]

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24 Kommentare im Forum

  1. AW: Strammer Gegenwind für deutsches Hulu von RTL und ProSiebenSat.1 Alles was gut ist, ist in Deutschland verboten. Schlimmer, wie in der DDR.
  2. AW: Strammer Gegenwind für deutsches Hulu von RTL und ProSiebenSat.1 Tja,nicht die Bundesrepublick ist zu der DDR gekommen,sondern umgekehrt ,die DDR ist zu uns gekommen.
  3. AW: Strammer Gegenwind für deutsches Hulu von RTL und ProSiebenSat.1 Wenn ich das richtig verstehe geht es um das Werbemonopol, welches dabei entstünde, und gar nicht um den Inhalt oder das Programm. Wer sagt denn dass so ein Monopol "gut" wäre?
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