Telekom könnte für mehr Wettbewerb am Kabelmarkt sorgen

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Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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Nachdem sich die Kabelnetzbetreiber in der jüngeren Vergangenheit erfolgreich auf dem Telekommunikations- und Internet-Markt etabliert haben, rüstet sich die Deutsche Telekom nun offenbar zum Gegenschlag. Für den deutschen Kabelmarkt könnte dies mehr Wettbewerb bedeuten.

Offener Netzzugang zu fairen Konditionen – dieses Kredo hat sich die Deutsche Telekom mittlerweile auf ihre Fahnen geschrieben. Das soll auch und ganz besonders für den deutschen Kabelnetzmarkt gelten. Denn während die Telekom regulatorisch dazu verpflichtet ist, ausgehend von der einstigen Monopolstellung auch anderen Anbietern die eigenen Netze zur Verfügung zu stellen, gilt dies für die Kabelnetzbetreiber nicht. Dabei treten gerade diese auch auf dem Breitband-Internet Markt immer häufiger als Monopolisten auf. Den Kunden bleibt oft nur die Möglichkeit, den Internetanschluss bei dem Anbieter zu buchen, der sein Haus über das Kabelnetz versorgt. Gerade mit so genannten Tripple-Play-Angeboten, also Paketen, die Fernsehen, Telefon und Internet beinhalten, machen diese der Telekom zunehmend Konkurrenz.

Seit längerem fordert der Telekom-Vorstandsvorsitzende René Obermann deshalb mehr Regulierung für die deutschen Kabelnetze. Auch bei der Bundesnetzagentur ist die sich verändernde Marksituation längst angekommen. Bereits im Juni 2012 mahnte der Präsident Jochen Homann die Kabelnetzbetreiber an, freiwillig die Netze für andere Anbieter zu öffnen.

Vor diesem Hintergrund ist auch das steigende Engagement der Deutschen Telekom auf dem Kabelnetzmarkt zu beobachten. Während die großen Betreiber Kabel Deutschland und Liberty Global (Unitymedia Kabel BW) dabei sind, den Markt unter sich aufzuteilen, kann und möchte man in Bonn nicht untätig sein. Bereits im März dieses Jahres gab die Telekom ihre Pläne bekannt, gemeinsam mit der Deutsche Annington Immobilien AG insgesamt 171 000 Haushalte bundesweit mit neuen Glasfaseranschlüssen zu versorgen. In der vergangenen Woche wurde zudem die Kooperation mit der Antec Servicepool GmbH bekannt gegeben, um in Zukunft 33 000 Haushalte im Großraum Hannover über Glasfasernetze der Telekom mit Fernsehen und Internet zu versorgen.

Das die Telekom es mit Ihrem Engagement auf dem Kabelmarkt durchaus ernst meint, wird aus zahlreichen Pubikationen deutlich, die das Unternehmen in den vergangenen Monaten auf seiner Internetseite veröffentlicht hat. In einem Telekom-Internet-Blog vom Freitag (16. August 2012) machte Bloggerin Luisa Vollmar keinen Hehl aus den Absichten des Telekommunikationsriesen. Einerseits setze man auf den Ausbau der Infrastrukturen und das eigene IPTV-Angebot Entertain. „Zum anderen greifen wir die Kabler mit unserem Wiedereinstieg in den deutschen Kabelmarkt in ihrem Kerngeschäft an“, so Vollmar.

Damit wird sehr deutlich, dass die Deutsche Telekom lägst auf Angriff geschaltet hat, um künftig stärker auf dem Kabelmarkt mitzumischen. So sagte Telekom-Vorstandsmitglied Niek Jan van Damme im Rahmen der Ankündigung der Kooperation mit der Antec Servicepool GmbH bereits, dass man sich durchaus weitere Kooperationen dieser Art vorstellen könne. Auch Spekulationen um das Übernahmeangebot von 250 bis 280 Millionen Euro für den ostdeutschen Kabelnetzbetreiber Primacom müssen vor diesem Hintergrund sehr ernst genommen werden.

Interessant werden könnte die aktuelle Entwicklung auf dem Kabelmarkt dabei in mehrfacher Hinsicht. Mit der Deutschen Telekom könnte den etablierten Anbietern nicht nur ein potenter Mitbewerber gegenüber stehen, auch wird die Bundesnetzagentur gefragt sein, die derzeitigen Regulierungsmodelle zu überdenken wenn die Grenzen zwischen Telekommunikations- und Kabelnetzanbieter noch weiter verwischen. [ps]

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16 Kommentare im Forum

  1. AW: Telekom könnte für mehr Wettbewerb am Kabelmarkt sorgen ... auch die Kabelnetzbetreiber müssen in den Bereichen, in denen sie über eine vorherrschende Marktmacht verfügen, auch anderen Anbietern den Netzzugang ermöglichen. In Sachen Internet und Telefonie verfügen die Kabelnetzbetreiber genausowenig über eine vorherrschende Marktmacht, wie die Telekom im TV-Bereich über eine vorherrschende Marktmacht verfügt ... ... wie kommt man in der DF-Redaktion zu dieser Erkenntnis ? Internet über die Telefondose kann unabhängig vom Kabelnetzbetreiber genutzt werden. Dass die Telekom jetzt wieder in Kabel-TV-Geschäft einsteigt, ist nahe liegend. Zum Einem weil aus Kabel- und Telefonnetz Telekommunikationsnetze wurden und zum Anderen weil die Telekom die Konkurrenz durch die Kabelnetzbetreiber eindämmt. Ein weiterer Vorteil für die Telekom: sie verfügt im Gegensatz zu Kabelnetzbetreiber über ein bundesweites Telekommunikationsnetz. Für die beiden große Kabelnetzbetreiber wächst da ein mächtiger Konkurrent heran. Wenn die Telekom Erfolg hat, dürfte einer Fusion von UMKBW und KDG zu einem bundesweiten Kabelnetzbetreiber nichts mehr im Wege stehen ...
  2. AW: Telekom könnte für mehr Wettbewerb am Kabelmarkt sorgen Da die Meldung ausschließlich im Kontext zum Kabelanschluss steht, stimmt die Aussage diesmal versehentlich. Ansonsten ist das keine Strategie der neuen Medien, sondern der erneute Versuch, verpennte Entwicklungen im Multimediabereich nachzuholen. DSL mittlerweile im Vergleich zum Kabel lahm und störanfällig. VDSL nahezu eine Totgeburt, das Glasfasernetz in Gebieten, wo schon teilweise bis zu 2 Konkurrenz Glasfasernetze liegen und mehr als 90% der Wohnungseigentümer langfristige Verträge mit den Konkurrenten haben. Möcht mal wissen was die Strategen bei der Telekom so im Monat verdienen. Und nun also wieder Rolle rückwärts und rein ins Kabel, was man damals wegen angeblicher Unrentabilität und den großen Milliarden für Flopgeschäfte abgestoßen hat.
  3. AW: Telekom könnte für mehr Wettbewerb am Kabelmarkt sorgen So selbstverständlich ist das nun auch wieder nicht, hier hatte man das Feld kampflos KD überlassen, schaue ich jetzt in den Verfügbarkeitscheck, dann wird mir von den Telekomikern inzwischen eine Datenverbindung mit bis zu 6 kBit/s angeboten, "Entertain" wird mir nur via Sat angeboten und das in einem Gebiet, wo man keine Schüssel anbringen darf.
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