TV-Messe MIPCOM in Cannes – Druck auf klassische Sender nimmt zu

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Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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Zwei Mal im Jahr treffen sich in Cannes die Rechtehändler aus der Fernsehszene in aller Welt, um TV-Ware zu kaufen und zu verkaufen. Zunehmend mischen aber auch andere Anbieter auf dem Sektor mit.

Alle wollen ins TV, und das wird eng. Vor allem für die klassischen Fernsehsender wie ARD, ZDF, RTL und Sat.1. Denn noch nie gab es so viele Angebote und Anbieter für Serien, Filme sowie Shows. Und sie werden immer mehr.

Das zeigt die weltgrößte TV-Messe der Welt, die MIPCOM, die an diesem Montag (16. Oktober) im südfranzösischen Cannes beginnt. Doch nicht nur die traditionellen TV-Anbieter sind auf der MIPCOM vertreten, zunehmend mischen auch andere Unternehmen den Markt auf.

Zum Beispiel sind auch Mitarbeiter der Deutschen Telekom dabei. Ihr Ziel: der Einkauf von Inhalten, die exklusiv auf der eigenen Plattform Entertain gezeigt werden. Die Bonner sind ein weiterer Angreifer. Netflix, Amazon und Co. bedrängen schon seit einigen Jahren öffentlich-rechtliche und private Sender beim Kampf um die Gunst der Zuschauer. Und dazu bieten sie ihrem Publikum die Möglichkeit, jederzeit das zu schauen, was sie gerade möchten.

Rund 500 Einkäufer solcher Internet-Plattformen sind in diesem Jahr an der Côte d’Azur unterwegs. Und sie kaufen nicht nur ein, sondern suchen internationale Partner, um selbst eigene Ware zu produzieren.

„Das Interesse an unseren Veranstaltungen ist größer denn je, genauso wie das globale Wettrennen um internationale Verbindungen und Allianzen. Das hat mit dem verstärkten Aufkommen von hochwertig hergestellten Serien zu tun, um die alle im Wettbewerb stehen“, sagte Messechefin Laurine Garaude der Deutschen Presse-Agentur.

Allianzen und Programm-Marken

Auch ganz neue Allianzen entstehen. So wie bei der bisher teuersten deutschen Serie aller Zeiten, „Babylon Berlin“, die in Südfrankreich einem großen internationalen Publikum vorgestellt wird: Um die Finanzierung von rund 40 Millionen Euro zu stemmen, haben nicht nur der Pay-TV-Anbieter Sky, die ARD und verschiedene Fördereinrichtungen, darunter die Film und Medienstiftung NRW, das Mammut Projekt finanziert. Auch Netflix trägt zum wirtschaftliche Erfolg bei, indem es die Rechte für den US-Markt erworben hat.

Für die Deutsche Telekom hat der Einstieg gerade erste begonnen. Einen „niedrigen“ dreistelligen Millionenbetrag wollen sie in ihr Programmaktivitäten investieren. „Die nächsten logischen Schritte sind für uns auch Eigen- oder Koproduktionen“, sagte Telekom-Sprecher Malte Reinhardt. Im Frühjahr 2018 beispielsweise beginnen die Dreharbeiten zur deutsch-französischen Serie „Germanized“ mit Christoph Maria Herbst in der Hauptrolle. Koproduzent: die Telekom.

„Programm-Marken sind das, was zählt“, fasste René Jamm, Chef der Deutschland-Filiale des US-Unternehmens Warner Bros. TV, die Lage zusammen. Für ihn sind es gute Zeiten, denn sein Produktionsunternehmen („Friesland“, „Der Bachelor“, „Wilsberg“, „Marie Brand“) ist inzwischen sowohl für klassische TV-Sender als auch für Internetportale ein gefragter Ansprechpartner – auch auf der MIPCOM in Cannes.

Die Messe zeigt, was schon bald in Millionen Wohnzimmern über die Bildschirme flimmert. Die Veranstalter erwarten 14 000 Verantwortliche von Sendern, Produktionsfirmen, Programmvertrieben, Internetplattformen und Medienkonzernen aus aller Welt. Sie alle werden die Strandpromenade Croisette und das Palais des Festivals in Cannes bevölkern, um hier geeignete Programme zu suchen und zu finden. [dpa]

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  • Medien_Maerkte_Artikelbild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com

9 Kommentare im Forum

  1. Endet das, wie mit den Fußballrechten? Es sind ja nicht nur mehr "Anbieter", die such tummeln, sondern auch "Nachfrager" Startrek-Discovery bei Netflix, außer Folgen, die an einem Montag spielen, die kommen bei Amazon Video? Wenn das noch unüberschaubarer wird, wird das dem Besorgen der Inhalte aus illegalen Quellen bestimmt Vortrieb verschaffen...
  2. Das Schlimme ist, daß die neuen Serien Discovery und Orville wohl kaum ein deutscher TV-Sender kaufen wird. Das wird denen zu teuer sein und die Quoten werden eh schlecht sein, weil Fans die Serien längst woanders gesehen haben, zumal ohne Werbung. Wie soll man sie denn sonst sehen...? Sich dafür extra VoD zu besorgen, paßt gar nicht.
  3. Mein letzter Satz.... Kommt mir vor, wie in der Anfangszeit der Eisenbahn, wo es in manchen Städten ein Dutzend Bahnhöfe gab, weil es so viele kleine Eisenbahngesellschaften gab, die immer nur einige Strecken betrieben haben... Ob es mir aber gefallen würde, wenn es nur noch einem Monopol-Anbieter von Video-Streaming geben würde?
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