„Verschlüsselung bringt auch für Free-TV Vorteile“

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Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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München- DIGITAL FERNSEHEN sprach mit Marcus Ammon, dem Managing Director des MGM Channels, über die Vor- und Nachteile der Grundverschlüsselung.

DF: Wie wichtig ist die Verschlüsselung innerhalb einer digitalen Plattform für die Realisierung Ihres eigenen Angebotes?

Da wir als Pay-TV-Anbieter unsere Erlöse zum größten Teil aus Zuschauerentgelten generieren, ist die Verschlüsselung unseres Angebotes die unabdingbare Voraussetzung für unser Geschäftsmodell.
 
DF: Welche Vorteile, welche zusätzlichen Optionen bringt Ihnen die Verschlüsselung im Rahmen einer solchen Plattform? Was hat der Zuschauer davon?
 
Die Verschlüsselung schafft die technische Basis für neue Geschäftsmodelle und die individuelle Adressierung von Angeboten. Das gilt übrigens nicht nur für Pay-, sondern auch für Free-TV-Angebote. Für beide ist eine Verschlüsselung aus diesem Grund sinnvoll. Es liegt generell im Interesse aller Inhalteanbieter, dass eine Grundverschlüsselung für alle Übertragungswege mit einem offenen und diskriminierungsfreien, einheitlichen Standard Möglichkeiten für unterschiedlichste Geschäftsmodelle schafft. Eine Grundverschlüsselung ist die Voraussetzung dafür, dass die Potenziale, die die Digitalisierung für neue Businessmodelle bietet, auch tatsächlich erschlossen werden. An dieser Stelle möchte ich gerne mit einem Missverständnis aufräumen: Es wird in der öffentlichen Diskussion häufig zu Unrecht Verschlüsselung mit Pay-TV gleichgesetzt. Eine Grundverschlüsselung von Programmen hat zunächst nichts mit deren Finanzierungsmodellen zu tun. Sie schafft für den Zuschauer die Möglichkeit, Pay-Angebote in Anspruch nehmen, aber er kann dies frei entscheiden.
 
 
DF: Haben Digitalisierung und Verschlüsselungsmöglichkeit Konsequenzen für den Lizenzhandel auf dem Fernsehmarkt?
 
Hinsichtlich einer Diversifizierung des Lizenzhandels haben die Digitalisierung und Verschlüsselungsmöglichkeiten schon heute erhebliche Auswirkungen. Filmrechte werden zunehmend nur unter Auflagen zum Digital-Rights-Management (DRM) verkauft und vergeben. Nur wenn Anbieter ihre Programme verschlüsseln, ist eine Beschränkung des Sendegebiets entsprechend der lizenzierten Rechte und ein wirkungsvoller Schutz vor Piraterie möglich. Sehr absehbar wird es privaten Anbietern daher nur noch bei einer Verschlüsselung ihrer Angebote möglich sein, überhaupt noch hochwertige Inhalte erwerben zu können.
 
DF: Wie sehen Sie die Zukunft oder Renaissance des Free-TV in Europa?
 
Sehr wichtig für die klassischen Free-TV-Sender wird das Ergebnis der Novelle der EU-Fernsehrichtlinie sein. Hier drohen bei dem derzeitigen Diskussionsstand in dem eh schon schwierigen Werbemarkt noch weitere Einschränkungen der Werbemöglichkeiten, gleichzeitig gibt es immer neue Wettbewerber, die mit neuen Angebotsformen praktisch keiner Werberegulierung unterliegen. Ein weiterer Rückgang der Werbeerlöse droht durch die Entwicklung hin zu Video-On-Demand und Near-Video-On-Demand-Diensten und der Möglichkeit, Programme zeitversetzt und unter Ausblendung von Werbung über einen digitalen Festplattenrekorder anzusehen. In diesem Umfeld werden neue Erlösmodelle jenseits der Werbung für die Sender immer wichtiger werden. Dabei werden die starken Free-TV-Marken und im Free-TV bekannte Programmmarken sich auch auf neue digitale Angebotsformen erfolgreich übertragen lassen. Ohne solche Strategien werden heutige Free-TV-Angebote absehbar nicht mehr wirtschaftlich erfolgreich zu betreiben sein. [sch]

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  • Medien_Maerkte_Artikelbild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com

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