„Wir glauben nach wie vor fest an die Marke Comedy Central“

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Bild: © Phongphan Supphakank - Fotolia.com
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Leipzig – Ab 1. Januar 2009 strahlen Comedy Central und Nick ihr Programm über eine gemeinsame Plattform aus. Über die Gründe und damit einhergende Veränderungen sprach DIGITAL FERNSEHEN mit Karola Bayr, Director Channel & Program Management Comedy Central, und Stefan Liebig, Director Network Developement MTV Networks Germany.

Dabei betonte Karola Bayr, dass sie nach wie vor fest an die Marke Comedy Central glaubt, sich jedoch „die Rahmenbedingungen im Markt inzwischen geändert haben“. Daher sei Comedy Central in der Zukunft „auf einem reichweitenstarken Kanal mit Nick besser aufgestellt als zum jetzigen Zeitpunkt“.

Spekulationen darüber, dass künftig MTVN HD über den frei werdenden Astra-Analogtransponder aufgeschaltet werden könnte, lässt Stefan Liebig keinen Raum, da der Transponder an SES Astra zurück geht. MTVN HD könne laut Liebig erst dann in Deutschland verbreitet werden, wenn eine „wirtschaftlich tragfähige Vereinbarung mit einem Plattformbetreiber“ gefunden werde.

DIGITAL FERNSEHEN: Herr Liebig, werden beide Sender sowohl analog als auch digital zusammengelegt?
 
Stefan Liebig: Das analoge Angebot unterscheidet sich nicht vom digitalen Angebot. Durch die Konzentration auf drei Feeds im Free-TV werden wir unsere Reichweite massiv verbessern. Heute sind Nick und Comedy Central im Kabel häufig partagiert, das heißt, sie teilen sich den Kabelplatz mit einem anderen Sender. Zukünftig werden Nick und Comedy Central fast ausschließlich ganztägig, also rund um die Uhr gemeinsam verbreitet.
 
DF: Wenn dies so ist, wird einer der beiden Astra-Analogtransponder frei.
Plant Viacom diesen Transponder selbst weiter zu nutzen?
 
Stefan Liebig: Der freiwerdende Transponder 7 auf 19,2 Grad fällt an SES Astra zur weiteren Vermietung zurück.
 
DF: Kann somit mit einer Aufschaltung von MTVN HD auf Astra 19,2 Grad Ost gerechnet werden?
 
Stefan Liebig: Für die Verbreitung von MTVN HD in Deutschland kommt es primär auf eine wirtschaftlich tragfähige Vereinbarung mit einem Plattformbetreiber an. Sobald wir eine solche Vereinbarung geschlossen haben, werden wir den Sender in Deutschland verbreiten und anbieten.
 
DF: Wie wirkt sich der Sendezeitpunkt auf das Angebot von Nick Premium innerhalb der Premiere Star Plattform aus?
 
Stefan Liebig: Nick Premium bleibt von den Veränderungen im Free-TV unberührt und bleibt was es ist: Hier gibt es auch weiterhin exklusive TV-Premieren von Shows und Cartoons wie „iCarly“, „Barnyard – der tierisch verrückte Bauernhof“, „Mighty B! Hier kommt Bessie“ oder die neusten Folgen von „SpongeBob Schwammkopf“ – den beliebtesten Nick Formaten exklusiv vorab, bevor sie im Free-TV erscheinen.
 
DF: Plant MTV auch einen separaten Pay-TV-Kanal zum Thema Comedy in Deutschland?
 
Stefan Liebig: Aktuell liegt der Schwerpunkt unseres Engagements darauf, die Verbreitung von MTV Entertainment und Nick Premium zu verbessern – auch der Start eines weiteren Kinderkanals im Pay-TV ist denkbar. Ein zusätzliches Comedy-Pendant ist gegenwärtig nicht geplant.
 

DF: Der ehemalige Chef Markus Andorfer hatte bereits für das Jahr 2007 einen Marktanteil von 0,8 Prozent bei den Vierzehn- bis Neunundvierzigjährigen versprochen. Diese hochgesteckten Ziele wurden bei weitem nicht erreicht.Ist Comedy Central damit gescheitert?
 
Karola Bayr: Wir liegen im Oktober 2008 to date (28.10.) bei 0,6 Prozent Marktanteil- weiteres massives Wachstum ist in dieser Konstellation jedoch schwer zu erreichen, deshalb haben wir das Verbreitungsmodell optimiert. Comedy Central ist keinesfalls gescheitert, aber die Rahmenbedingungen im Markt haben sich inzwischen geändert. Comedy Central ist für die Zukunft auf einem reichweitenstarken Kanal mit Nick besser aufgestellt als zum jetzigen Zeitpunkt. Wir glauben nach wie vor fest an die Marke Comedy Central. Das unterstreichen wir auch mit unseremProgramminvestment, welches im Jahr 2009 höher sein wird als 2008. Erste Erfolge zeigen sich bereits. Mit dem furiosen Start von „The Sarah Silverman Program“ haben wir am 23. Oktober 1,3 Prozent Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen erreicht und am darauf folgenden Samstag, den 25. Oktober, direkt mit dem erfolgreichsten Tag seit Sendestart mit 1,1 Prozent nachgelegt.
 
DF: Frau Bayr, in einem Interview sagten sie unlängst, dass es nächstes Jahr erst einmal keine neuen Eigenproduktionen geben werde – es sei denn, sie finden einen Werbepartner, der sich für das Konzept interessiert. Planen Sie für die Zeit danach bereits Programm in Eigenproduktion?
 
Karola Bayr: Unsere Marken werden immer Raum für lokale Produktionen bieten, seien es Eigenproduktionen oder auch lokale Lizenzprodukte. Diese sind von großer Bedeutung für den Erfolg beim Publikum und bei Werbekunden. So werden wir uns beim Publikum auf besonders beliebte Formate konzentrieren und zum Beispiel „Night Wash“ auch weiterhin ausstrahlen. Vorerst konzentrieren wir uns auf das aktuelle Geschäft, konkrete Planungen von lokalen Produktionen für 2010 gibt es zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
 
DF: Neben dem fehlenden Geld für hauseigene Sendungen haben sich bereits Komödianten über die branchenunterdurchschnittliche Entlohnung beschwert. Ist Comedy Central das Geld ausgegangen?
 
Karola Bayr: Vielleicht liegt das in der Natur der Sache? Es sind Comedians. Auch Kurt Krömer verarbeitet die Sparzwänge beim rbb oder den späten Sendeplatz seiner Show im Ersten in seinem Bühnenprogramm. Letztendlich muss Qualität nicht zwangsläufig damit zu tun haben, wie viel Geld wir investieren, der Fokus liegt auf Qualität und Kreativität. Spaß muss nicht teuer sein.
 
DF: Besteht durch die Zusammenführung der beiden Sender die Möglichkeit, Übertragungskosten zu sparen?
 
Stefan Liebig: Das liegt auf der Hand. Durch die Nutzung von nunmehr drei anstatt vier analogen Transpondern für unsere Sendergruppe sparen wir natürlich einen Teil der Verbreitungskosten ein.
 
DF: Planen Sie für die nächste Zeit gemeinsame Produktionen zwischen Comedy Central und Nick?
 
Karola Bayr: Nein, das ist nur schwer vorstellbar. Es handelt sich hier um zwei völlig eigenständige Marken. Nick ist ein Kinder- und Familiensender, Comedy Central richtet sich an eine erwachsenere Zielgruppe, da gibt es keine Überschneidung und wir möchten auch keine schaffen. Der einzige Anknüpfungspunkt ist der nahtlose Übergang von Nick zu Comedy Central in der Primetime: Wir werden uns mit der sehr erfolgreichen „SpongeBob Schwammkopf“-Schiene von Nick in die Primetime verabschieden und die Zuschauer dann mit einem ebenso prominenten Cartoon wie „Futurama“ im Comedy-Central-Abend abholen.
 
DF: Frau Bayr, Herr Liebig, vielen Dank für das Interview.
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Das Interview gibt die Meinung des Interviewpartners wieder. Diese muss nicht der Meinung des Verlages entsprechen. Für die Aussagen des Interviewpartners wird keine Haftung übernommen.

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