Neues aus dem Testlabor: Die Tücken einer Kopfhörer-Bewertung

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Kopfhörer testet man am besten nicht allein und vom gleichen Prüfplatz aus. Wie Bewegungen, eine Brille und das eigene Blutrauschen einen Vergleich beeinflussen, dürfen wir immer wieder aufs Neue erfahren. In unseren Notizen aus dem Testlabor verraten wir Ihnen mehr über die Herausforderungen für unsere AUDIO TEST-Redakteure.

Während Lautsprechertests bei gleichbleibenden Hörbedingungen mit anderen Modellen vergleichbar sind, erhält man bei einer Kopfhörerrezension lediglich einen subjektiven Klangeindruck. Zwar zählt bei  Lautsprecher-Beurteilungen auch der persönliche Geschmack, dennoch erhebt das Ergebnis Anspruch auf Objektivität und ist auf weitere Personen übertragbar. Komplett gegensätzlich verhält es sich bei der Beurteilung von Kopfhörern, bei der nicht erwartet werden kann, dass unterschiedliche Testpersonen zu den gleichen Ergebnissen kommen. 
 
Dies beginnt bereits bei der Bauart der Testmodelle, die je nach System die körpereigene Physiologie beeinflussen und Geräusche wie das Blutrauschen verstärken. Dabei steigt die Hörschwelle der Hörer individuell stark an. Bezieht man unsere unterschiedliche Kopf- und Ohrgeometrie mit ein, führt dies zu verschiedenen Schalldruckpegeln in unseren Gehörgängen. Die Größe des Außenohrs ist dabei besonders relevant, da sie die Druckkammer, die bei aufgesetztem Kopfhörer direkt am Ohr entsteht, primär beeinflusst. Bereits geringste, unvermeidliche Öffnungen durch Haare oder ein Brillengestell führen zum Verlust tiefer Frequenzen, deren untere Grenzfrequenz vom Spaltmaß der Kammer vorgegeben wird. 

Ebenfalls klangbeeinflussend ist die unscheinbare Frage nach dem Tragekomfort. Da ein Kopfhörer weder rutschen noch drücken sollte, wird meist eine bequeme Haltung eingenommen, die in den wenigsten Fällen exakt reproduzierbar ist. Ein Verschieben um wenige Millimeter, das ebenso durch Kopfbewegungen zufällig hervorgerufen werden kann, führt zu einer Änderung der Dichte und damit zur Öffnung der Druckkammer. Auch hohe Frequenzen bleiben davon nicht unbeeindruckt und boykottieren eine objektive Vergleichbarkeit. Stehende Wellen, die sich zwischen der Kopfhörermembran und dem Gehörgang bilden, sorgen für hörbare Resonanzen, und beeinflussen die Membranauslenkung mit gegenphasigen Frequenzen. 
 
Das Verschieben des Kopfhörers bringt hier keine Vorteile, sondern versetzt die stehenden Wellen einfach mit. Zu guter Letzt entscheidet auch der Sitzplatz über den Klang des Kopfhörers. Da halboffene und offene Systeme ebenfalls nach Außen abstrahlen, werden die Schallwellen durch naheliegende Gegenstände oder Personen getreu des Reflexionsgesetzes an die Membran zurückgeworfen. Die Außenseite wird dabei belastet, was erneut zu einer Beeinflussung des Frequenzgangs führt.
 
Unter Beachtung der umsetzbaren Möglichkeiten mit gleichem Quellmaterial und identischem Testequipment wird solch ein Testdurchlauf in unserer AUDIO TEST-Redaktion von mehreren Personen durchgeführt. Die gesammelten Eindrücke werden als subjektiver Querschnitt angegeben, der das eigene Probehören vor der Kaufentscheidung jedoch nicht ersetzen kann.NEUES AUS DEM TESTLABOR – Alle Beiträge im Überblick
[Torsten Pless]

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