Nach Curiosity-Erfolg: ESA plant eigene Marsmission

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Bild: © jim - Fotolia.com
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Nicht nur die Amerikaner wollen auf den Mars, sondern auch die Europäer. Daher war die erfolgreiche Landung des Marsrovers Curiosity auch für die Mitarbeiter der ESA ein großer Erfolg, denn der Rover, der nun nach Wasser und Leben auf dem roten Planet sucht, liefert den europäischen Wissenschaftlern wichtige Erkenntnisse für ihre eigenen Marsmissionen.

Zugegeben, gute Voraussetzungen sehen anders aus: Etliche Marsmissionen sind bislang gescheitert, das neueste Manöver ist nur am Computer erprobt worden und furchtbar komplex, der Landeplatz rund 250 Millionen Kilometer von der Erde entfernt. Trotzdem herrscht am Montagmorgen eine geradezu aufgeräumte Stimmung bei den Wissenschaftlern der Europäischen Raumfahrtagentur (ESA), bevor das ferngesteuerte NASA-Roboterfahrzeug Curiosity auf dem Mars aufsetzt – nach mehr als acht Monaten Flug.

„Das ist die Ruhe vor dem Sturm“, sagt ein Experte im SAa-Kontrollzentrum in Darmstadt, das etwa so groß ist wie ein Tennisplatz. Prall gefüllt mit Flachbildschirmen, auf denen Fotos des Planeten Mars, komplizierte Diagramme und natürlich standesgemäß der Countdown bis zur Landung zu sehen sind.

Mit der Landung des Rovers Curiosity fällt auch den Darmstädter Experten ein Stein vom Herzen. Kurzer Applaus brandet auf, Umarmungen hier und dort: „Natürlich ist man glücklich, wenn man bedenkt, was alles schiefgehen kann bei so einer Mission“, sagt der frühere Astronaut Thomas Reiter, der heute den ESA-Bereich Bemannte Raumfahrt und Missionsbetrieb leitet. Sein Zentrum in Darmstadt ist so etwas wie das „back-up“, die Absicherung für das Ereignis.

Weil nicht alles immer reibungslos verläuft, haben die US-Amerikaner die ESA um Hilfe gebeten: Daher zeichnet die seit 2003 im All kreisende Esa-Sonde Mars Express in den entscheidenden Momenten wichtige Daten über die Eintritts- und Landephase auf und liefert sie an die NASA-Kollegen. Auch bei der Definition des Landeplatzes hatte sie schon geholfen. „Wir sind für die NASA so etwas wie ein Ass im Ärmel“, sagt Manfred Warhaut, seit 2006 Leiter der ESA-Abteilung für den Missionsbetrieb.

Denn Curiosity selbst kann aus der Mars-Atmosphäre zunächst nur wenige Informationen an die Erde schicken. Wobei diese unscharfen Schwarz-Weiß-Fotos und piepsenden Töne wenige Momente nach der Landung bereits ausreichen, um auch die Darmstädter Forscher glückselig zu machen.

Die erfolgreiche Mission zum Roten Planeten hat auch einen hohen Stellenwert für die europäische Raumfahrt: „Auf die Daten, die Curiosity sammeln wird, können auch wir zugreifen und unsere eigenen Projekte entsprechend weiter entwickeln“, sagt Mark McCaughrean, der ESA-Leiter für Forschungs- und Wissenschaftsunterstützung. „Bei uns stehen in den kommenden Jahren selbst zwei Mars-Missionen an, darunter eine Landung 2018.“

Im Rahmen des ExoMars-Projektes der Weltraumorganisation soll auch nach Wasser gegraben werden, deshalb sei es wichtig, dass Curiosity Erfolg habe. „Für uns ist die derzeitige Mission eine weitere Säule, auf der wir aufbauen können“, sagt McCaughrean nach der erfolgreichen Landung. Außerdem wecke das Mars-Projekt das Interesse der Öffentlichkeit – und der Geldgeber – für die Raumfahrt.

„Curiosity wird auch der ESA einen Schub geben“, ist auch Ulrich Christensen überzeugt. Schließlich sei die ESA auch bei ihren eigenen Mars-Missionen auf die Zusammenarbeit mit den US-Amerikanern angewiesen, sagt der Experte vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (Katlenburg-Lindau).

Bereits in Curiosity steckt europäische Technik. So hat bei der Entwicklung des Marsrovers ein Programm des Konzerns Siemens geholfen. Gemeinsam mit der Nasa hatte das Unternehmen eine Art elektronisches Reißbrett gebaut, mit dem der Marsrover digital entworfen wurde und seine Funktionen schon vor dem Bau simuliert werden konnten.

Ein 1,5 Kilogramm schweres Messgerät von Curiosity, dass unter anderem von Forschern der Universität Kiel und des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) entwickelt wurde, überprüfte bereits die Strahlung beim Flug durch das All. Der rund 1,3 Millionen Euro teure sogenannte Radiation Assessment Detector (Rad) soll in den kommenden Jahren unterschiedliche Strahlen auf dem Mars messen.

In dem Moment, in dem das erlösende „touchdown completed“ der NASA auch nach Südhessen übertragen wird, hat sich eine wichtige Arbeit der europäischen Mars-Sonde für Curiosity erstmal erledigt. Ein paar Stunden lang werden noch Informationen gesammelt, dann verschwindet der Mars-Express wieder aus dem Umfeld, um sein eigentliches Programm für die ESA abzuspulen. Denn auch ohne die Nasa ist der Orbiter in den kommenden Jahren ausgelastet: „Unsere Auftragsbücher sind voll, wir können uns über Arbeit nicht beklagen“, sagt Warhaut. [dpa/fm]

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53 Kommentare im Forum

  1. AW: Nach Curiosity-Erfolg: ESA plant eigene Marsmission Lächerlich. Die ESA bekommt doch kein Geld. Die NASA hat auf Knien gebettelt, dass ATV so umkonstruiert wird, dass es Personen transportieren kann. Projekt abgelehnt mangels Förderung.
  2. AW: Nach Curiosity-Erfolg: ESA plant eigene Marsmission Richtig. Von einem Projekt wie Curiosity kann die ESA nur träumen. Mehr als eine kleine Marssonde ist da nicht drin. Wichtiger wäre es, Finanzen und Know-How zu bündeln, statt Miniprojekte parallel zu verfolgen.
  3. AW: Nach Curiosity-Erfolg: ESA plant eigene Marsmission Und warum nur die 'westliche Welt'? Speziell wenn es um die Entdeckung neuer Lebensräume geht, ist es sinnvoll, alle Nationen mit ins Boot zu holen, schon aus finanzieller Sicht ... Beim neuen Meteoriten Abwehrprojekt arbeiten NASA und ESA ja auch mit den Russen, Indern und China zusammen ...
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