„CI Plus Jugendschutz nicht sicherer als bei CI 1.0 Modulen“

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Bild: © lassedesignen - Fotolia.com
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Einige Hersteller planen derzeit zusammen mit Kabel Deutschland und Kabel BW die Etablierung der neuen Common Interface Spezifikation „CI Plus“.

Bisherige Receiver und Digital-Fernseher sind hierfür jedoch nicht kompatibel. Denn „CI Plus“-Module funktionieren erst mit künftigen Geräten, die spezielle Kopierschutzhardware und Software integriert haben und damit den Anforderungen des möglichen künftigen Standards entsprechen. DIGITAL FERNSEHEN sprach zu diesem Thema mit dem Erfinder des AlphaCrypt-CI-Moduls und Geschäftsführer von Mascom, Heinz Gruber.

DIGITAL FERNSEHEN: Wird Mascom auch den „CI Plus“ Standard unterstützen und ein entsprechendes neues CI-Modul anbieten?
 
Heinz Gruber: „CI Plus“ ist derzeit noch gar kein Standard und technisch nicht umgesetzt, sondern nur eine Spezifikation einiger im sogenannten „CI+ Forum“ zusammengeschlossenen Hersteller. Ein Standard ist hingegen die DVB CI Norm 1.0, die seit Mitte der 90er Jahre in Millionen von Set-Top-Boxen und Fernsehern mit Digitaltuner eingebaut ist und für die es seit Jahren viele CI-Module im Handel gibt. Ich verstehe nicht, weshalb man nun einen neuen Standard einführen möchte, der alle bisherigen Receiver und Fernseher zu Elektronikschrott macht.
 
DIGITAL FERNSEHEN: Weil die Pay-TV-Anbieter beim aktuellen CI-Standard z.B. den Jugendschutz nicht gewährleistet sehen …
 
Heinz Gruber: Das war doch bisher immer nur ein Alibi-Argument, weil man CI-Module generell nicht unterstützen wollte. Bei allen unseren eigenproduzierten CI-Modulen können wir bei Bedarf einen von den Landesmedienanstalten akzeptierten Jugendschutz gewährleisten, der auf Transportstromebene arbeitet und sogar sicherer ist als der Jugendschutz in den zertifizierten Pay-TV-Boxen. Im Internet gibt es z. B. für viele Premiere-Receiver Patches, mit denen man den Jugendschutz umgehen kann. Die Modulsoftware kann man hingegen nicht beeinflussen.
Das AlphaCrypt-CI-Modul gewährleistet z. B. bei Arena Sat und Prima TV (Kabelangebot der Primacom) sicher den gesetzlichen Jugendschutz. Bei dem bereits eingestellten Easy-TV hatten wir sogar eine intelligente Jugendschutz-Variante in Betrieb, je nachdem ob eine deutsche oder österreichische Easy-TV-Karte eingesteckt war. Es geht also, wenn die Pay-TV-Plattformen wollen.
 
DIGITAL FERNSEHEN: Das zweite Argument für eine neue CI-Norm ist dann noch das Thema des bisher fehlenden Kopierschutzes …
 
Heinz Gruber: Beim analogen Fernsehen gab es auch keinen wirksamen Kopierschutz, warum muss es diesen denn unbedingt beim digitalen Fernsehen geben? Viele Zuschauer wären bereit für einen nicht geschützten Film oder Kanal auch etwas mehr zu zahlen. Die Pay-TV-Betreiber müssen nur die Rechte entsprechend erwerben, dann ist das alles kein Problem. Man wälzt das Unvermögen verbraucherfreundliche Verträge mit Rechteinhabern zu machen auf den Verbraucher und die Geräteindustrie ab.
 
 
DIGITAL FERNSEHEN: Angeblich würden die Hollywood-Studios aber den Content nur bei gewährleistetem Kopierschutz verkaufen…
 
Heinz Gruber: Dass es auch anders funktionieren kann, beweist die Musikindustrie. Jahrelang versuchte man den Konsumenten einen nervigen DRM-Kopierschutz aufzudrängen, den der Markt nicht akzeptiert hat. Jetzt, wo es Musik auch ohne Kopierschutz elektronisch zu kaufen gibt, steigen massiv die Umsätze und es gibt so gut wie keine Reklamationen mehr. Die Onlineanbieter konnten deswegen sogar Call-Center schließen, weil die Kunden nun zufrieden sind. Das gleiche wäre auch im digitalen Fernsehen möglich. Mehr Umsätze durch Wegfall des Kopierschutzes und Nutzung des bisherigen CI-Standards.
 
DIGITAL FERNSEHEN: Was raten Sie Zuschauern, die bereits einen CI-Receiver oder Digital-TV mit CI-Schnittstelle im Wohnzimmer haben?
 
Heinz Gruber: Die Zuschauer sollten von den Kabelnetzbetreibern und Pay-TV-Anbietern ein voll kompatibles Modul für Ihre existierenden Geräte einfordern und gegebenenfalls mit Kündigung drohen. Der zahlende Kunde entscheidet letztendlich über den Erfolg eines Pay-TV Veranstalters. Ob der „CI Plus Standard ein Erfolg wird, steht noch in den Sternen. Ich glaube nicht, dass sich Zuschauer freiwillig einen neuen Fernseher mit eingebautem Kopierschutz kaufen wollen. So wird die Digitalisierung nur behindert statt beschleunigt. [ft]

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124 Kommentare im Forum

  1. AW: "CI Plus Jugendschutz nicht sicherer als bei CI 1.0 Modulen" Heinz Gruber ist einfach Topp Endlich mal jemand, der weiß wovon er redet. Der Mann ist mir außergewöhnlich sympathisch - weiter so! Ist mir nur schleierhaft, warum ein solcher Mann, der die Wünsche der Kunden respektiert, (im Gegensatz zu der sonstigen Unterhaltungsindustrie) auf DF interviewt wird? Ansonsten wird da eh nur über Gängelware und Krüppelhardware berichtet (und als innovative Erfindung angepreißt)....
  2. AW: "CI Plus Jugendschutz nicht sicherer als bei CI 1.0 Modulen" Applaus Applaus Applaus! Sehr gut gesprochen
  3. AW: "CI Plus Jugendschutz nicht sicherer als bei CI 1.0 Modulen" Naja, was sollte er auch sagen. Aber recht hat er.
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