Ist HDTV einfacher als gedacht?

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Bild: © lassedesignen - Fotolia.com
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Unter der Überschrift „HDTV: einfacher als gedacht!“ weisen die Verbraucherschützer aus Rheinland-Pfalz derzeit auf das hochauflösende Fernsehen hin. Dabei richtet sich der Blick der Verbrauerzentrale vor allem auf frei empfangbare Sender bei Kabelnetzbetreibern und über den Satellitenbetreiber Astra.

Viele Verbraucher wüssten gar nicht, dass mit einem HDTV-Fernseher automatisch viele Sender in brillanter HD-Qualität zu empfangen sind, so die Erfahrungen der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. „In Sachen HDTV gibt es aber auch erschreckend häufig falsche Annahmen“, berichtet Michael Gundall, Fernsehexperte der Verbraucherzentrale. Leider verbänden viele Verbraucher irrtümlich HDTV mit Pay-TV, also Bezahlfernsehen. „Dabei sind sehr viele HDTV-Fernsehsender frei und ohne Zusatzkosten zu em­pfangen.“ Sei man an das Kabelnetz angeschlossen, so können beispielsweise beim Kabelnetz­betreiber Kabel Deutschland bis zu 14 öffentlich-rechtliche Sender sowie zwei Privatsender unverschlüsselt und ohne Zusatzkosten in HD-Qualität empfangen werden – auch mit dem alten „analogen“ Kabelvertrag.

Was der Fernsehexperte nicht weiter ausführt: Auch beim „analogen“ Vertrag muss dazu ein HDTV-tauglicher Kabelreceiver angesteckt werden oder der Fernseher intern schon über einen HD-Kabeltuner (DVB-C) verfügen. Der Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland wird die Ausführungen nicht gern hören, will er doch neue Digitalverträge verkaufen. Außerdem empfängt man, wie der Vebraucherschützer richtig bemerkt, nur einen Teil der HD-Programme, nämlich nur die frei empfangbaren. Wem das reicht, der kann in der Tat auch hier ohne weitere Bezahlung HDTV-Programme im Fernsehen erleben. Zu erwähnen wäre allerdings durchaus, dass der Kabelnetzprovider die HD-Signale der öffentlich-rechtlichen Sender in magerer Qualität ausstrahlt. Im Vergleich zur Bildqualität per Satellit schauen die Kabel Deutschland-Kunden ein HD-Programm der 2. Klasse.
 
Dass es HD auch per Satellitendirektempfang gibt, weiß auch die Verbrauerzentrale: Beim Satellitenfernsehen seien über Satelliten auf Astra 19,2 Grad Ost insgesamt 53 Sender in HD frei und unverschlüsselt zu empfangen. Hierbei bildeten die öffentlich-rechtlichen Sender den größten Teil des Angebots mit insgesamt 32 HD-Sendern – sofern die Regionalvarianten der dritten Programme mit eingerechnet werden.
 
Wer darüber hinaus noch die beiden großen Sendergruppen von ProSiebenSat.1 oder der Mediengruppe RTL in hochauflösender Qualität empfangen möchte, käme meist nicht um zusätzliche Kosten herum, so Verbraucherschützer Gundall weiter. Was mit „meist“ gemeint ist, bleibt dabei für den Kunden im Dunkeln.
 
Während bei Kabel Deutschland ein solcher Zusatzvertrag mindestens 3,90 Euro pro Monat koste, sei es im Satellitenbereich etwas teurer. Der Anbieter HD Plus verlange regulär 60 Euro pro Jahr für eine Freischaltung, so Gundall. Die Verbraucherzentrale kritisiert dabei, dass der Fernsehgenuss der privaten Sendergruppen in Sachen Aufnahmemöglichkeiten sehr eingeschränkt ist.
 
Nicht von den Verbraucherschützern erwähnt wird hierbei, dass es insgesamt nahezu 100 HD-Sender für den deutschen Markt allein über Satelliten auf Astra 19,2 Grad Ost gibt, die zwar zum Teil im Bezahlfernsehen ausgestrahlt werden, aber von den Kunden gegen Bezahlung durchaus gewollt sind. Es gibt Fernsehzuschauer, die gern oder nicht gern Pay-TV Kunden in Deutschland sind. Tendenz: stark steigend. Wie sonst wäre der Anstieg der Bezahlkunden bei Telekom, Sky und weiteren Plattformen zu erklären?
 
Außerdem zeigt der Trend ganz klar weg vom klassischen, linearen Fernsehangebot, was vom Verbrauerschutz unerwähnt bleibt, aber in diese Diskussion hinein gehört. Nicht nur neue Anbieter wie Watchever und Co. suchen Kunden. Die Horizon-Box des Kabelnetzbetreibers Unitymedia hat eine eigene Videothek mit HD-Filmen, ein Videoportal horizon.tv, die Horizon App. Die Deutsche Telekom hat Videoload mit HD-Filmangebot, von Partner-Videoportalen auf deren IPTV-Plattform noch ganz zu schweigen. Amazon hat mit seinem Prime-Angebot HD-Filme auf Abruf. Einige weitere Anbieter stehen noch in den Statlöchern, siehe Netflix. Sky hat sich mit Snap, Sky Anytime und Sky Select positioniert. Das alles sind nur Beispiele. Und wir reden über rund 30 öffentlich-rechtiche Programme, die zur Primetime häufig nur die „Tagesschau“ auf mehreren Kanälen parallel in HD abfeiern?
 
Das HD-Angebot ist riesig, auch wenn es zum Teil etwas kostet. Aber öffentlich-rechtliches, so genanntes Free-TV, kostet uns alle ja auch im Schnitt 17,98 pro Monat. Insofern ist auch das nicht kostenlos, auch wenn es machem Fernsehzuschauer so erscheinen mag. Insoweit kann man dem Satz nur zustimmen: „In Sachen HDTV gibt es erschreckend häufig falsche Annahmen“. [Kommentar von Torsten Herres, Herausgeber]

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17 Kommentare im Forum

  1. Verbraucherschutz ist öffentlich finanziert und bedient auch nur Lobbying für öffentlich-rechtliche HD-Sender. Das war doch klar, dass die nur HD in Free-TV erwähnen. Dass die andere Arten als herkömmliches Fernsehen nicht kennen, verwundert bei selbst ernannten "Fernsehexperten" des Verbraucherschutzes auch nicht.
  2. AW: Ist HDTV einfacher als gedacht? Jedem Lobbyisten sein Ding. Ich sage nur Analoge Kabelabschaltung in Sachsen.
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