Panasonic TX-65CZW954 im Test: Der perfekte OLED-TV?

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Bild: © lassedesignen - Fotolia.com
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OLED-Fernseher gibt es nicht erst seit Einführung des TX-65CZW954, doch Panasonic verspricht, dass bisherige OLED-Nachteile ausgemerzt wurden. Hält Panasonic Wort?

Als die ersten OLED-Fernseher in größerer Stückzahl auf den Markt kamen, war die Euphorie groß: Eine Bildbrillanz auf gutem Edge-LED-LCD-Niveau gepaart mit einer perfekten Schwarzdarstellung und superben Farbwiedergabe hoben die Filmdarstellung auf ein neues Level. Einige Plasma-TV-Besitzer sahen aber nicht nur Vorteile durch OLED: Helle, eigentlich farblose Flächen, zeigten mit OLED-TVs Verfärbungen, die von Cyan bis Magenta reichten. Dunkle Flächen zierten dagegen Schattenmuster.
 
Obwohl die Schwarzdarstellung das Nonplusultra darstellt, bemängelten Filmfans fehlende Abstufungen, was die Detailwiedergabe in dunklen Szenen schwierig gestaltete. Zudem konnte die Farbbalance nicht durchweg überzeugen: Mal erschien der Eindruck zu rötlich, grünlich oder bläulich. Zu allem Überfluss konnten OLED-TVs eine künstliche Randabdunklung aufweisen, vergleichbar mit einem Vignettierungseffekt in der Fotografie. Kurzum: Viele Plasmabesitzer ließen sich noch nicht vom OLED-Fieber anstecken und warten immer noch auf den ersten OLED-TV, der die beschriebenen Fehler nicht aufweist.

Panasonic verspricht mit dem TX-65CZW954 Großes, will man doch genau jene Fehler beseitigen, die andere OLED-Fernseher bislang aufweisen. Panasonics Vorgehen klingt allerdings abenteuerlich: Die eingekauften OLED-Panels sind vom Grundaufbau nicht von anderen UHD-OLED-Panels zu unterscheiden, eine Vorselektion soll Qualitätsschwankungen aber auf ein Minimum reduzieren. Um die eigentlichen Bildfehler auszumerzen, setzt Panasonic auf Rechenpower und Bild-Know-how: Prozessor, Software und Bildansteuerung sollen aus dem TX-65CZW954 eine Präzision auf Studiomonitor-Niveau herauskitzeln. Die Testredaktion des HDTV-Magazins überprüfte Panasonics Aussagen im Testlabor.
 
HDTV-Chefredakteur Christian Trozinski gibt Einblicke in den Test: „Die bislang von uns getesteten UHD-OLED-Fernseher zeigten bereits Fortschritte im Vergleich zu den Full-HD-Geräten im letzten Jahr, allerdings schnitt in unserem Test ein 55-Zoll-UHD-OLED besser ab, als das baugleiche Modell in 65 Zoll. Das Panel des TX-65CZW954 ist somit der ultimative Prüfstein für die Panasonic-Ingenieure und meiner Meinung nach haben die Entwickler ein kleines Wunder vollbracht.
 
Die auffällige Randabdunklung ist nahezu komplett verschwunden, die Bildausleuchtung gelingt nun in jeder Filmsituation fehlerfrei. Mehr noch: Über die Helligkeits- und Gamma-Regler lassen sich dunkle Details millimetergenau auspegeln, sodass man für jeden Geschmack die passende Detailwiedergabe in dunklen Bildbereichen erreichen sollte. Auch die sichtbaren Verfärbungen bei helleren Flächen hat Panasonic exzellent in den Griff bekommen – mit Testbildern sind sie marginal sichtbar, im Filmbetrieb konnte ich keine Defizite erkennen. Ein großer Pluspunkt der OLED-Technik bleibt selbstverständlich auch beim TX-65CZW954 bestehen: Durch die pixelgenaue Helligkeitsansteuerung gelingt die Bildausleuchtung auch in außergewöhnlichen Bildkompositionen (Farbflächen + Overlay-Elemente) fehlerfrei, während Local-Dimming-LED-LCDs unter Umständen die Wirkungsweise des LED-Rasters offenbaren können.
 
Für Filmfans ist natürlich auch eine funktionierende Zwischenbildberechnung wichtig und hier bietet Panasonics TX-65CZW954 ebenfalls mehr als andere OLED-TV-Hersteller: Vorbei sind die Zeiten der Bildruckler und Aussetzer, die Zwischenbildberechnung arbeitet stabil und nahezu artefaktfrei. In niedriger Stufe bleibt sogar der Kinolook erhalten, in mittlerer Stufe kommt es zum „Hobbit“-Effekt und Kameraschwenks erscheinen fließend – besonders im 3D-Modus ein Erlebnis. Nur im Film „Gravity“ konnte ich bei schnellen, diagonalen Schwenks kleine Fehler ausmachen, sodass der Sternenhimmel unter Umständen etwas unscharf erschien. Dies sind aber Extremsituationen (im Film „Interstellar“ konnte ich den Effekt z.B. nicht beobachten) und somit nicht zu verallgemeinern.
 
Ein in meinen Augen riesiger Vorteil des OLED-Panels ist das komplette Fehlen von künstlichen Nachzieheffekten in dunklen Bildbereichen. Während z.B. Panasonics LED-LCD TX-65CXW804 Defizite aufwies (Kameraschwenk über Hogwarts-Schloss in „Harry Potter 7.2″), bleibt das Bild des TX-65CZW954 komplett sauber“, so Trozinski weiter.
 
„Die Farbstabilität in dunklen Bereichen konnte Panasonic ebenfalls verbessern, sodass der TX-65CZW954 keine störenden Farbschimmer im Filmbetrieb zeigt. Das Endresultat hängt aber wie so oft von der Bildkalibrierung ab: Einsteigern empfehle die THX-Modi (die den Farbraum leider etwas stark eingrenzen) für eine natürliche Bilddarstellung, Profis können sich im True Cinema oder den professionellen Modi austoben. Mein Tipp: Versuchen Sie so viel wie möglich über die 2-Punkt-Regler auszupegeln und versuchen Sie nicht jede Abweichung mit den 10-Punkt-Reglern kompensieren zu wollen – das hat meist unkalkulierbare Folgen.
 
Die einzige echte Steigerungsmöglichkeit für die Zukunft sehe ich in der Ausleuchtung von dunklen Flächen, hier kann man im Extremfall eine leichte vertikale Streifenbildung erkennen. Im Filmbetrieb ist sie mir nur dreimal aufgefallen: einmal im ersten Szenenstück von „Pina“, dann beim Kameraschwenk über das nächtliche Hobbingen in „Der Hobbit“ und zuguterletzt beim Schwenk über die Riesenwelle in „Interstellar“. Natürlich lässt sich dieser Effekt durch Testbilder provozieren, für den Praxisbetrieb halte ich ihn allerdings nicht für schwerwiegend (auch bei Fußballinhalten nicht).
 
Das Thema Nachleuchteffekte sollte man ebenfalls nicht zu eng sehen: Wir können den Effekt bereits nach wenigen Sekunden provozieren, wenn wir helle Details einblenden und dann blitzschnell auf eine dunkle Farbfläche wechseln. Da es im Schwarz allerdings keinerlei Nachleuchteffekte gibt und komplett einheitliche dunkle Farbflächen höchst selten sind, dürfte es in der Praxis schwerfallen, Nachleuchteffekte überhaupt wahrzunehmen.
 
Mein Fazit hinsichtlich der OLED-Panel-Optimierung fällt fast vollständig positiv aus: Panasonic gelingt es vom Start weg, die Randabdunklung, die Ausleuchtungsdefizite in dunklen Bereichen, die Farbstabilität und die Zwischenbildberechnung in den Griff zu bekommen. Nur die Panel-typischen Muster bei dunklen einheitlichen Flächen lassen sich vermutlich nicht nachträglich kompensieren. Hält man sich vor Augen, dass der TX-65CZW954 der erste OLED-TV von Panasonic überhaupt ist, so muss man vor diesen Leistungen den Hut ziehen. Sollten Plasmabesitzer die OLED-Technik bislang kritisch beäugt haben, so könnte der TX-65CZW954 der erste OLED-TV sein, der die letzten verbliebenen High-End-Plasmas endgültig in Rente schickt.“
 
Lesen Sie morgen im fünften Teil unseres XXL-Specials: Der perfekte Fernseher? Ist Panasonics TX-65CZW954 der ultimative Alleskönner oder am Ende doch nur ein Spezialist für Kinofilme?
 

Der Test im Überblick:
 
Teil 1: Die Verwirklichung eines Traums
Teil 2: Leuchtende Bilder dank perfektem Schwarz?
Teil 3: Der Filmwiedergabe verpflichtet
Teil 4: Der perfekte OLED-TV?[ct]

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1 Kommentare im Forum

  1. AW: Panasonic TX-65CZW954 im Test: Der perfekte OLED-TV? YES! Mein Ziel ist es, in zwei Jahren einen neuen TV zu kaufen. Wenn die Entwicklung so weitergeht, könnte das aufgehen.
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