Samsung räumt 3D-Abstriche bei LED-LCD-TVs der 6000er-Serie ein

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Bild: © lassedesignen - Fotolia.com
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Der Unterhaltungselektronik-Riese Samsung hat erstmals öffentlich Stellung zu dem Umstand bezogen, dass die Modelle der hauseigenen LED-LCD-TV-Serie 6000 3D-Bilder nur in einer reduzierten Auflösung darstellen, obwohl mit einem „3D Full-HD“-Logo für die Geräte geworben wird.

Der Hersteller zieht sich dabei in dem der Redaktion von DIGITALFERNSEHEN.de vorliegenden Statement auf die Aussage zurück, dass es bislang „keinen anerkannten Industriestandard für die 3D-Full-HD-Wiedergabe“ gebe. Das sei auch den Unterlagen der Deutschen TV-Plattform zu entnehmen. So könnten die Definitionen der Hersteller und Prüfinstitute untereinander abweichen. 
 
Aufgrund des fehlenden Industriestandards und zur Vermeidung weiterer Unsicherheiten beim Konsumenten habe man sich „vorerst entschlossen“, das bisher verwendete 3D-Full-HD-Logo bei der hauseigenen Smart-TV-Serie LED D6000 nicht mehr einzusetzen, „auch wenn wir die Definition von Full HD im 3D-Modus als erfüllt sehen“. Samsung formulierte den Wunsch, damit „mehr Transparenz für die Verbraucher“ zu schaffen. 
 
Man stehe derzeit mit Zertifizierungsinstituten im Gespräch, um die TV-Geräte von unabhängiger Seite auf die 3D-Darstellung in Full-HD-Qualität prüfen zu lassen, hieß es. Dabei setzt Samsung offenbar auf ähnlich flexible Prüfer wie Konkurrent LG, dessen Fernsehern der VDE „Full-HD-Qualität im 3D-Modus“ attestiert, obwohl sich bei der eingesetzten Polfilter-Technik die Bildinformationen für das linke und rechte Auge zeilenweise aufsplitten, wodurch sich vertikale Auflösung und somit auch Gesamtauflösung faktisch halbieren.

Samsung räumte ein, dass bei der 6000er-Reihe technische Einschränkungen gegenüber den teureren 7000er- und 8000er-Modellen bestehen. Man wolle „den Verbrauchern ein intensives und entspanntes 3D-Erlebnis eröffnen – auch abseits der Premiumtechnologie“. Die flüssige, räumliche Bilddarstellung bei reduzierten Cross-Talk Effekten (Doppelkonturen) werde bei der Serie LED D6000 durch „eine spezielle Video-Technologie“ erzielt, „die die Bildwiederholungsrate erhöht und damit den Cross-Talk-Effekt weitestgehend minimiert“. 
 
Der Hersteller kommunizierte offen: „Diese Optimierungsweise hat den Effekt, dass bei der Serie LED D6000 im 3D-Betrieb im Vergleich zu den deutlich höherpreisigen Samsung Premium-3D-Fernsehern dezente Unschärfen entstehen können“. Für Kunden, die sich durch Werbeaussagen, etwa die bei Verfassen dieser Meldung nach wie vor in einigen Datenblättern angepriesene „2D- zu 3D-Konvertierung in Full HD zu jeder Zeit“, getäuscht sehen, hat Samsung unter der Rufnummer 0800/121 31 61 eine kostenlose Hotline eingerichtet.
 
Der Samsung D6500, der zu der von den 3D-Einschränkungen betroffenen Modellreihe gehört, ist einer der aktuell meistverkauften LED-LCD-TVs im deutschen Markt. Anhand von Testbildern konnten auch die Redakteure von HD+TV und DIGITAL TESTED im 3D-Modus eine Reduzierung der Zeilenauflösung von rund 50 Prozent nachvollziehen.
 Technischer Hintergrund für die Auflösungsreduzierung der Serie D6000:

 
In Samsungs D6000-Serie kommen 100-Hertz-Panels zum Einsatz, während in den Serien D7000 und D8000 200-Hertz-Panels zum Einsatz kommen. Da bei einem 100-Hertz-Panel der Crosstalk im 3D-Modus deutlich stärker ausgeprägt ist, als bei einem 200-Hertz-Panel, gibt es drei Möglichkeiten 3D darzustellen:

  1. Man nimmt den extremen Crosstalk in Kauf.
  2. Man erhöht die Verschlusszeit der Shutter-Brillen, um Crosstalk zu reduzieren, was die Bildhelligkeit aber drastisch reduziert.
  3. Man reduziert die Auflösung, damit die eingeschränkten Leistungsreserven zur Bildberechnung effektiver den Crosstalk vermindern können.

Samsung hat sich nach eigenen Angaben für den dritten Weg entschieden, um, im Vergleich zu 100-Hertz-Shutter-Geräten der Konkurrenz, den Crosstalk deutlich zu verringern. Dieser Kompromiss ist laut Samsung eine bessere Alternative, als Crosstalk in Kauf zu nehmen oder die Bildhelligkeit drastisch zu senken.  
 
Bildhaft gesprochen: Jeder verbaute Chipsatz kann pro Sekunde eine bestimmte Anzahl von Rechenoperationen ausführen. Samsung hat auf Seiten der Auflösung die Anforderungen reduziert, um auf Seiten der Bildinterpolation mehr Spielraum zu haben. [ar/ct]

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62 Kommentare im Forum

  1. AW: Samsung räumt 3D-Abstriche bei LED-LCD-TVs der 6000er-Serie ein Wenn´s rauskommt, dann kann man es immer noch zugeben .
  2. AW: Samsung räumt 3D-Abstriche bei LED-LCD-TVs der 6000er-Serie ein ja ja, "mehr Transparenz", deswegen wird auch mit LED TV geworben und nicht mit LCD / LED TV ... solch koreanischer Mist kommt mir nicht in Haus!
  3. AW: Samsung räumt 3D-Abstriche bei LED-LCD-TVs der 6000er-Serie ein Gibt es einen nachvollziehbaren Grund, warum man bei der Shuttertechnik die Auflösung im 3D Modus halbiert? Ist das Panel oder die Elektronik zu langsam um die Vollbilder in der hohen Bildrate zu erzeugen? Schon merkwürdig. Bei der Polfiltertechnik ist der Grund für die reduzierte Auflösung ja sehr leicht nachvollziehbar, aber bei der Shuttertechnik wundert es mich aus technischer Sicht schon ein wenig.
  4. AW: Samsung räumt 3D-Abstriche bei LED-LCD-TVs der 6000er-Serie ein Na toll! Eigentlich wollte ich mir den UE46D6500 gönnen. Damit sind meine Pläne wieder komplett übern Haufen geworfen. Vielleicht dann ja doch die 7er oder 8er Reihe!
  5. AW: Samsung räumt 3D-Abstriche bei LED-LCD-TVs der 6000er-Serie ein Immerhin spricht Samsung Klartext - auch wenn es recht PR lastig ist. andere Hersteller pappen ein Full HD Logo irgendeiner Organisation drauf und haben auch keine bessere Auflösung. Das sind einfach zu viele Marketinglügen. Insofern: Danke DF fürs Nachhaken. Schön wäre aber, das mal ins Verhältnis zu den anderen Herstellern zu setzen. Irgendwas habe ich dazu in der Digital Tested vor ein paar Wochen gelesen. Muß nochmal nachschauen, ob das Heft bei noch irgendwo rumfliegt.
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