„Stand-by-Kosten haben die Verbraucher sensibilisiert“

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Bild: © lassedesignen - Fotolia.com
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Leipzig – In der aktuellen Ausgabe der DIGITAL TESTED, dem Schwestermagazin der DIGITAL FERNSEHEN, die ab Freitag im Handel erhältlich ist, gibt es erstmals einen „Öko-Check“.

Nicht nur auf der diesjährigen IFA in Berlin war ein zunehmender Einfluss der Öko-Diskussion zu bemerken. Immer mehr Kaufinteressenten sind an stromsparenden Geräten interessiert. Wieso der „Öko-Check“ eingeführt wurde, nach welchen Kriterien bewertet wird und ob Plasma, LCD oder Röhre besser ist, teilte Florian Kriegel, der stellvertretende Chefredakteur der DIGITAL TESTED (DT),im Interview mit.

DIGITAL FERNSEHEN: Herr Kriegel, ab sofort gibt es in der DIGITAL TESTED einen „Öko-Check“, warum?
 
Florian Kriegel: Eine Diskussion rund um das Thema Umwelt, darunter auch den Stromverbrauch, ist seit Jahren präsent und erreicht immer neue Dimensionen. Stand-by-Kosten, Einsparungen von hunderten von Euro im Jahr und die Auswirkungen auf die Ökologie haben die Verbraucher sensibilisiert. Auf der IFA 2008 hatte man als Besucher außerdem das erste Mal das Gefühl, dass die Hersteller den Trend endlich erkannt haben und nun, da wo es sinnvoll ist, auf geringe Stromverbräuche und positive Umwelteigenschaften achten. Der Trend zu Null-Watt-Stand-by, echten Netzschaltern und optimierter Leistungsaufnahme während des Betriebs ist nicht mehr zu leugnen und bringt für die Verbraucher viele Vorteile mit sich. Abgesehen vom gesparten Geld kann so jeder Konsument seinen Beitrag für die Umwelt leisten, ohne dabei auf moderne Technik und Leistungsfähigkeit der Geräte verzichten zu müssen.
 
Meist fällt es aber schwer, sich einen Eindruck über die entsprechenden Eigenschaften des Geräts zu verschaffen, häufig sind die Herstellerangaben, was z.B. den Stromverbrauch betrifft, viel zu ungenau und so bieten wir mit dem „Öko-Check“ unseren Lesern nun die Möglichkeit an, sich binnen weniger Augenblicke über die Verbrauchseigenschaften unserer getesteten Geräte zu informieren. Wichtig ist uns aber, dass diese Bewertung von der eigentlichen technischen Leistung des Geräts getrennt ist, denn ist es nicht unser Ziel, die Leser zu bevormunden. So wird auch ein leistungsstarkes Gerät, das nicht unbedingt ein Stromsparer ist, weiterhin seine gerecht hohe Bewertung erhalten und jedem Verbraucher sei es freigestellt, das Ergebnis des Öko-Checks in sein persönliches Testergebnis mit einfließen zu lassen oder auch nicht. Wir wollen eine Indikation auf die Geräteeigenschaften geben, die nicht nur Geld sparen können, sondern auch in Zukunft an Bedeutung gewinnen werden.
 
DF: Nach welchen Kriterien verteilen Sie Ihre „Blätter“?
 
Florian Kriegel: Wir vergeben null bis fünf Blätter in den Gerätekategorien, wo sie auch Sinn machen. Dazu gehören in erster Linie Fernseher und Player jeglicher Art. Gerade in diesen Kategorien zeigen sich eklatante Unterschiede, die nicht nur in den verbauten Technologien zu suchen sind, sondern auch beim Entwicklungsaufwand der jeweiligen Hersteller.
 
Da wir mit dem Öko-Check keine Verwirrung stiften möchten und es unser Ziel ist, dass sich die Leser schnell informieren können, haben wir die erreichbare Blattanzahl eingeteilt. Diese setzt sich aus verschiedenen Faktoren zusammen, wozu in erster Linie verschiedene, auf die jeweilige Geräteklasse angepasste Stromverbräuche gehören. So verdient sich ein moderner, effizient arbeitender LED-LCD z.B. bis zu fünf Blätter, wenn dieser beide Stufen unserer Stromaufnahme-Einteilung meistert, einen Netzschalter besitzt und einen Verbrauch von null Watt im Stand-by erreicht, sowie die strengen Richtlinigen des EU-Ökosiegels erzielt. Ein kleineres Gerät, dass mehr Leistung aufnimmt, aber kein großer Strom-Verschwender ist und z.B. kein EU-Siegel trägt, aber ansonsten die Richtlinien erfüllt, bekommt immerhin noch bis zu vier Blätter.
 
Es ist also in keiner Weise ein Siegel für ausschließlich teure und absolut neue Produkte. Um dem Markt gerecht zu werden setzen wir keine utopischen Messlatten, unsere Kriterien sind zu erfüllen, was die Tests in der aktuellen DT-Ausgabe 6/08 beweisen. Der Öko-Check wird genau so mitwachsen wie der Markt selbst, um aktuellen Entwicklungen und Tendenzen Rechnung zu tragen. Wir sind gespannt, ob wir 2009 das erste Gerät mit der vollen Punktezahl auszeichnen können, aber wir sind uns sicher, dass die Hersteller weiterhin bestrebt sein werden, entsprechend umweltfreundliche Geräte auf den Markt zu bringen.
 
DF: Wie unterscheidet sich die DT von anderen Heimkinozeitschriften?
 
Florian Kriegel: Aufgrund des gut aufgestellten Testequipments des Auerbach Verlags, hat die Redaktion der DT die Möglichkeit, sämtliche relevanten Messungen persönlich und mit der notwendigen Konzentration durchzuführen. So sind wir nicht nur in der Lage nahezu sämtliche Ausgänge, ob Video oder Audio, auf Herz und Nieren zu prüfen, sondern z.B. auch HDMI-Anschlüsse auf ihre Qualitäten und Spezifikationen zu kontrollieren. Für die Ergebnisse und Qualität von Gerätetests ist es sehr hilfreich, alle notwendigen Schritte intern in der eigenen Redaktion durchführen zu können, ohne sich auf externe Zulieferer verlassen zu müssen.
 
Außerdem arbeiten wir direkt mit den Herstellern zusammen und sind im regen Kontakt mit ihnen, wenn es z.B. darum geht, aufkommende Unklarheiten bei Messungen zu klären oder direkte Verbesserungsvorschläge weiterzugeben. Die Zusammenarbeit mit der Industrie hat für beide Seiten Vorteile, so profitieren neben den Entwicklern auch unsere Leser von den Erfahrungen unserer Testredakteure, die auch privat in ihren jeweiligen Bereichen der Unterhaltungselektronik technikaffin sind. Natürlich sind wir in Bezug auf unsere Leserschaft stets bemüht, neue und für die Zielgruppe hilfreiche Neuerungen in der DT zu verfolgen. Aktuelles Beispiel dafür ist unser „Öko-Check“, den wir ab der Ausgabe 6/08 für zutreffende Gerätegruppen einsetzen werden.
 
DF: Sind die Tests nachvollziehbar oder basieren sie auf rein persönlichen
Eindrücken?
 
Florian Kriegel: Je nach Gerät haben wir mehr oder weniger Möglichkeiten Laborwerte zu ermitteln, die natürlich in die Tests einfließen und für die Leser entsprechend verständlich aufbereitet werden. Dadurch wird sowohl die Leistung, als auch die Bewertung eines Produkts nachvollziehbar. Da aber auch die Redakteure fachkundige Endverbraucher sind und wir die Tests in erster Linie für die Verbraucher schreiben, sind auch die persönlichen Erfahrungen und Eindrücke über ein Gerät von elementarer Wichtigkeit. Ziel ist es, unsere Beobachtungen so verständlich wie möglich im Artikel zu vermitteln und die Vor- und Nachteile des überprüften Produkts aufzuzeigen. Ein perfektes Gerät gibt es nicht und so müssen die Leser ihre persönlichen Präferenzen in einem Gerät wiederfinden oder eben auch nicht. Deshalb testen wir auch verschiedenste Marken, Preisklassen und diverse Themengebiete.
 
DF: Welches Highlight haben Sie in der neuen Ausgabe?
 
Florian Kriegel: Wir versuchen in jeder Ausgabe aktuelle Highlights, aber auch bereits länger am Markt präsente Geräte zu testen, denn „alt“ heißt nicht gleich schlecht, doch wollen sich die Leser natürlich auch über den Stand der Technik informieren und Artikel über neueste Produkte lesen. In der aktuellen Auflage 6/08 gehört der neue Sony 46 LED-TV der „X4500“-Serie zu den absoluten Highlights. Design-Verliebte werden ihren Höhepunkt hingegen beim neuen „Aurea II“ von Philips sehen. Passend dazu haben wir uns die aktuellen Blu-ray-Player von Panasonic, Samsung und Denon genauer angeschaut. MP3-Fans werden sich über die Praxistests von sieben mobilen Playern freuen.
 
DF: Was empfehlen Sie einem Leser: Plasma, LCD oder Röhre?
 
Florian Kriegel: Eine simple Antwort auf diese Frage gibt es auch Ende 2008 noch nicht. Wer sich mit seinem Röhren-Fernseher bisher begnügen konnte und auch weiterhin nichts mit Begriffen wie HDTV oder Blu-ray anfangen will, der dürfte auch heute noch mit einem Gerät der älteren Generation Freude haben. Bei absoluten Niedrigpreisen sinkt aber auch das Angebot bei den großen Elektronikmärkten und innerhalb der nächsten ein bis zwei Jahre werden klassische Röhren-Geräte vermutlich vom Markt verschwinden.
 
Der Verkauf von Flachbildgeräten steigt weiterhin und LCD-TVs lassen die Vorteile der Plasma-Technik, wie z.B. den Schwarzwert, nach und nach dahinschmelzen. Im Gegenzug optimieren Entwickler von Plasma-Modellen in Bezug auf Stromverbrauch und Baugröße, sodass beide Produktgruppen mehr zusammenwachsen, aber dennoch ihre Daseinsberechtigung stärken. Wer nicht das Geld für die allerneuesten Modelle der LCD-Fernseher aufbringen kann oder will, muss weiterhin mit Schwächen bei der Schwarzdarstellung und bei den Blickwinkeln leben. Der Vorteil ist das leuchtstarke Bild, wodurch die LCD-Technik auch bei hellen Räumen gut zur Geltung kommt.
 
Manche Plasmas sind im Preis deutlich gesunken, auch Full-HD haben die aktuellen Modelle zu bieten. Gerade bei dem sehr wichtigen Schwarzwert haben die Plasmas noch die Nase vorn und der immer wieder kritisierte hohe Stromverbrauch relativiert sich im Betrieb, da Plasmas entsprechend zum Bild eine variable Leistungsaufnahme aufweisen. Erst die LED-LCDs zeigen hier deutliche Vorsprünge zu klassischen Plasmas. Der weite Blickwinkel, die farbneutrale Darstellung und der natürliche Schwarzwert machen diese Fernseher-Technik immer noch zur Empfehlung für Heimkino-Enthusiasten. Allerdings ist hier eine Möglichkeit zur Verdunkelung des Raumes empfehlenswert, da Plasmas nicht die Leuchtkraft eines LCD-TVs erzielen. 2009 und 2010 werden aber immer mehr LED-LCDs auf den Markt kommen, sowie neue Plasma-Technologien eingeführt werden. Während die LCD-Fraktion weiterhin versuchen wird, Besserungen im Bereich der Kontrast- und Schwarzdarstellung zu erzielen, werden auf Seiten des Plasmas eine reduzierte Stromaufnahme, aber auch leichtere und dünnere Geräte oberste Priorität haben.
 
DF: Herr Kriegel, vielen Dank für das Interview. [cg]

Das Interview gibt die Meinung des Interviewpartners wieder. Diese muss nicht der Meinung des Verlages entsprechen. Für die Aussagen des Interviewpartners wird keine Haftung übernommen.

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7 Kommentare im Forum

  1. AW: "Stand-by-Kosten haben die Verbraucher sensibilisiert" Mich sensibilisiert das überhaupt nicht. Bei 0,5 Watt Leistungsaufnahme meines TV im Stand-by. Da hab ich ja ein Riesensparpotential. Da sollte man eher über die wirklichen Stromfresser wie Waschmaschinen , Boiler etc. nachdenken. Da lohnt das Energie sparen.
  2. AW: "Stand-by-Kosten haben die Verbraucher sensibilisiert" Es haben ja nicht alle Geräte nur 0,5 W Standby Stromverbauch. Mein Hyundai HST 110 H DVB-T PVR braucht knapp 30 W im Standby, weil ein interner Antennenverstärker wegen des durchgeschliffenen Signals immer in Betrieb ist. Solche Geräte gehören durchaus an den Pranger. Gruß emtewe
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