ZDF: „Langfristig verwertbare Sendungen werden heute schon in HD produziert“

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Bild: © lassedesignen - Fotolia.com
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Leipzig – Im Interview mit DIGITAL FERNSEHEN spricht der ZDF-Produktionsdirektor Dr. Andreas Bereczky über die sukzessive Umstellung auf HDTV im Jahre 2010 und die technischen Voraussetzungen, die für den HDTV-Regelbetrieb notwendig sind.

Dabei betont er, dass die Umstellung des Senders auf HDTV-Produktionen „eine ungleich teure Angelegenheit ist und daher nur verteilt auf viele Jahre finanziert werden kann.“ Einen frühzeitigen Übergang in den HDTV-Betrieb schließt Dr. Bereczky allerdings aus: „Wir bleiben beim Starttermin Olympische Winterspiele im Februar 2010.“

DIGITAL FERNSEHEN: Herr Dr. Bereczky, inwieweit sind Sie schon technisch aufgestellt, um 2010 in den HDTV-Regelbetrieb wechseln zu können?
 
Dr. Andreas Bereczky: Ich möchte zunächst den Begriff „Regelbetrieb“ präzisieren. Wir haben den Zuschauern versprochen, dass wir ab Februar 2010 unser Programm in HD ausstrahlen werden. Der Begriff „Regelbetrieb“ bedeutet, dass die Zuschauer mit HD-Set-Top-Boxen unser Signal empfangen können. Dort, wo wir Sendungen original in HD vorliegen haben, werden wir diese in HD-Qualität ausstrahlen können. Dort, wo wir kein original HD-Material haben, werden wir das Signal in HD hochkonvertieren und ausstrahlen. Auf diese Aufgabe bereiten wir uns systematisch vor.
 
DF: Wie viel Geld wurde dafür eingeplant?
 
Dr. Andreas Bereczky: Um den oben beschriebenen „Regelbetrieb“ gewährleisten zu können, schaffen wir einfache technische Lösungen. Die Investition hierfür ist überschaubar und beträgt etwas über eine Million Euro.
Die Umstellung des Senders auf HD-Produktion ist eine ungleich teure Angelegenheit und kann nur verteilt auf viele Jahre finanziert werden. Allein die Investition in die Zentraltechnik und Sendeabwicklung unserer Programme in Mainz, beträgt eine mittlere zweistellige Millionensumme in Euro.
 
DF: Ab wann soll die Umstellung sukzessive erfolgen?
 
Dr. Andreas Bereczky: Wir arbeiten seit Monaten daran.
 
DF: Wie ist der Grad der Umstellung (Kameras, Schnitt, Sende- und
Übertragungstechnik, Bearbeitungstechnik)?
 
Dr. Andreas Bereczky: Wir messen weder Grad noch Prozente der Umstellung. Die zentralen Komponenten des Senders werden in HD ersetzt. Ohne diese Komponenten gibt es keine HD-Produktion und -Ausstrahlung. Alle Ersatzinvestitionen werden auf HD-Notwendigkeit geprüft und bei Bedarf in HD-Technologie beschafft.
 
DF: Wie viel Prozent der Sendungen werden bereits in HDTV produziert?
 
Dr. Andreas Bereczky: Alle Sendungen die langfristig verwertbar sind (z. B. Dokumentationen, Wissenschaftssendungen, hochwertige Reportagen, Fernsehfilme), werden heute schon nach Möglichkeit in HD produziert, auch, wenn sie heute noch nicht in HD ausgestrahlt werden. Die internationalen Sportveranstaltungen werden in der Regel auch schon in HD angeboten. Die Nachrichten kommen allerdings noch lange nicht in HD-Formt an. Wie Sie sehen, kann man nicht über Prozente reden. Der HD-Anteil eines Tages hängt davon ab, was an dem Tag gesendet wird.
 
DF: Wie viele HDTV-Übertragungswagen müssen Sie sich neu anschaffen bzw. alte umrüsten?
 
Dr. Andreas Bereczky: Die alten Fahrzeuge sind so in die Jahre gekommen, dass wir sie nicht umrüsten können. Deshalb haben wir den Bau von zwei neuen HD-fähigen Ü-Wagen in Auftrag gegeben.
 
DF: Wann wird die Umrüstung abgeschlossen sein?
 
Dr. Andreas Bereczky: Wir rüsten nicht um. Die beiden Ü-Wagen werden in 2009 und 2010 ausgeliefert werden.
 
DF: Gibt es aus Ihrer derzeitigen Sicht von Ihnen nicht beeinflussbare
Probleme/Hindernisse, die den HDTV-Start verzögern könnten?
 
Dr. Andreas Bereczky: Wir bleiben beim Starttermin Olympische Winterspiele im Februar 2010.
 
DF: Ist man bei der Aufnahme und Ausstrahlung bezüglich des Bildformates flexibel oder strikt an den 720p-Standard gebunden?
 
Dr. Andreas Bereczky: Bei der Produktion können wir auch 1080i-Formate nutzen, bei der Ausstrahlung haben wir uns innerhalb der EBU mit den anderen Sendern auf das Format 720p geeinigt.
 
DF: Was passiert mit extern eingekauftem HD-Material, dass in 1080i
vorliegt, erfolgt die Ausstrahlung im gleichen Format oder wird in 720p konvertiert?
 
Dr. Andreas Bereczky: Signale, die in 1080i ankommen, werden in 720p-Format gewandelt und ausgestrahlt.
 
DF: Wäre es in Ihrem Sinne, die analogen Frequenzbänder so schnell wie
möglich stillzulegen, um mehr Kapazitäten für die Verbreitung von digitalen Angeboten wie HDTV zu schaffen?
 
Dr. Andreas Bereczky: Auf dem terrestrischen Verbreitungsweg haben wir bereits keine analoge Ausstrahlung mehr. Auf dem Satellit und im Kabel verbreiten wir analog und digital die gleichen Inhalte. Auf die Dauer macht es wirtschaftlich keinen Sinn die gleichen Inhalte dreimal, – analog, digital SD und digital HD – auszustrahlen. Wir sind aber abhängig vom Grad der Digitalisierung in den Haushalten. Leider entwickelt sich die Digitalisierung insbesondere im Kabel viel zu langsam. Wir beobachten aufmerksam diese Entwicklung. Wünschenswert wäre bis Ende 2010 zumindest die analoge Ausstrahlung auf dem Satelliten einzustellen. Die dort eingesparten Finanzmittel sollten lieber für attraktive Inhalte ausgegeben werden.
 
DF: Herr Dr. Bereczky, vielen Dank für das Gespräch. [cg]

Das Interview gibt die Meinung des Interviewpartners wieder. Diese muss nicht der Meinung des Verlages entsprechen. Für die Aussagen des Interviewpartners wird keine Haftung übernommen.

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