Ex-RTL-Chefredakteur kritisiert Verbote für VoD-Plattformen

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Bild: © Victoria - Fotolia.com
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Im Ausland machen Anbieter wie Netflix und Hulu bereits das große Geschäft mit Abruf-Plattformen im Internet. Doch in Deutschland hat das Kartellamt entsprechenden Plattformen wie Germanys Gold keine Chance gelassen – laut Ex-RTL-Chefredakteur Hans Mahr ein schwerer Schlag für den Markt.

Hans Mahr, früherer RTL-Chefredakteur, hat das Verbot gemeinsamer Online-Plattformen großer Fernsehsender kritisiert. „Es ist absurd, diese Plattformen zu untersagen“, sagte Mahr am Mittwoch auf einem Diskussionsforum der Münchner Medientage. „ProSiebenSat.1 und RTL ist es verboten worden, ARD und ZDF ebenfalls, ausländische Anbieter wie Netflix können kommen. Dümmer geht’s nicht.“

Das Bundeskartellamt hatte den Vermarktungsabsichten der Sender einen Riegel vorgeschoben. Mahr: „Jetzt ist die Politik gefragt, da das Kartellamt allein nicht in der Lage ist.“ Das lineare Fernsehen sei in sechs Jahren nicht tot, resümierte Mahr, die Inhalte müssten aber auf allen technischen Ebenen verfügbar sein.
 
Die Experten erwarten ein weiter rasantes Wachstum von Bezahl-TV und nicht linearem Fernsehen, das also über andere Wege als den klassischen Fernsehapparat zu beziehen ist. Eine in München vorgelegte Studie der Unternehmensberatung Roland Berger sagt aus, dass der Marktanteil der On-Demand-Angebote von heute 26 Prozent auf mehr als 40 Prozent im Jahr 2020 wachsen werde.
 
Ausschlaggebend seien dabei nicht nur neue Online-Videotheken, sondern auch die Mediatheken der etablierten TV-Sender. „Senderfamilien und traditionelle Pay-TV-Plattformen können ihr Geschäftsmodell entsprechend weiterentwickeln und die neuen Möglichkeiten des Marktes für sich nutzen. Doch in diesem Feld können auch neue Anbieter schnell wachsen“, sagte Roland-Berger-Partner Philipp Leutiger.
 
Bereits in den vergangenen zehn Jahren habe die Entwicklung einen rasanten Verlauf genommen. Deutlich mehr Menschen seien bereit, für Bezahlangebote in die Tasche zu greifen. Gab es 2003 noch 1,9 Millionen Verträge zwischen Pay-TV (damals fast nur Premiere) und Kunden, sind es heute schon elf Millionen. Dabei spielt Sky, das aus Premiere hervorgegangen ist, mit 3,5 Millionen Abonnenten zwar immer noch eine gute Rolle, muss sich den Markt aber mit Kabel Deutschland oder Unity Media teilen.
 
Von Zahlen wie in den USA träumt der heimische Markt jedoch noch: Dort wurden 2012 mehr als 80 Milliarden Dollar mit Pay-TV-Angeboten umgesetzt. [dpa/ps]

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2 Kommentare im Forum

  1. AW: Ex-RTL-Chefredakteur kritisiert Verbote für VoD-Plattformen Dafür gehören in den USA auch die 5 größten privaten Sender (bzw. Networks) fünf Anbietern. Bei uns gehören die 7 größten zwei Anbietern… Da muss man eben anderswo die Marktkonzentration in den Griff kriegen.
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